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Jörn Ehlers steuerte „Drei Vögel“ zur Ausstellung bei.

Kunstsalon

Märchenhaft schräg: Mitgliederausstellung des Tölzer Kunstvereins

Das vorgegebene Thema war herausfordernd, doch die beteiligten Künstler haben es wieder höchst anregend gemeistert. „Aus dem wahren Leben: schön, schrill, schrecklich“ lautet der Titel der Mitgliederausstellung des Tölzer Kunstvereins

Bad Tölz– Beim Betreten des Kunstsalons treffen die Besucher durchaus auf „schrille“ Gemälde, die aber weniger „schrecklich“ als begeisternd sind. Allerdings zuckt der Betrachter schon zusammen – angesichts des großen Exemplars eines Beilfischs, den Lilli Mayer gemalt hat. Üblicherweise werden diese Tiefseefische nur bis 15 Zentimeter groß. Mayers Exemplar füllt 100 mal 80 Zentimeter. Aber das helle Türkis der Umgebung und die zarten weißen Flossen verleihen dem skurrilen Tier etwas Märchenhaftes.

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Ganz und gar aus dem wahren Leben ist die Darstellung einer Frau mit Sektglas von Kurt Wagner mit dem Titel „Prost“. Die dreieckigen Gläser der Sonnenbrille und der fast ebenso gemalte, breite Mund kontrastieren mit den umgebenden runden Formen, ausgeführt mit kühnen, kräftigen Pinselstrichen. So wirkt das „eckige“ Gesicht der Frau regelrecht zerknautscht. Dem Betrachter wird schnell klar, dass es sich nicht um das erste Glas handeln kann.

Die Beschreibungen „schrill und schön“ verband Sabine Oßwald in ihrer „Lady in red“. Fast weiße Haut ist umhüllt von Dessous und Stoff in knalligem Rot, wodurch die Körper erst belebt werden. Ganz anders hingegen die Frauengestalt vor dem „Kleiderschrank“ von Gitta Burmeister. Das lange, helle Kleid lässt den Rücken frei, die Frau mit kurzen dunklen Haaren wird fast schon Teil der gleichmütigen Stoffe an der Stange.

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Weg von Körperlichkeit führt „Das Tal“ von Hilde Loy. Auf 1,10 mal 1,50 Metern hat sie mit dunklem Blau einen Landschaftseinschnitt hoch abstrakt dargestellt. Den starken Gegensatz stellen die hellen Bildhälften in Weiß, Rot, Grün und weiteren Farbschattierungen dar. Auch hier wirkt nichts „schrecklich“, wohl aber packend.

Leider vertrat nur Jörn Ehlers mit seinen „Drei Vögel“ die Gattung Bildhauerei. Drei Vögel aus Akazienholz, auf langen Beinen, strecken ihre goldenen Schnäbel in die Höhe. Ihr Federkleid wirkt gefleckt, tiefe senkrechte Einschnitte ins Holz bewirken diesen Effekt. „Ich finde sie schräg“, urteilte der Künstler schmunzelnd selbst über sein Werk. „Schön“ wäre ebenfalls eine passende Beschreibung.  

Weitere Infos:

Die Ausstellung „Aus dem wahren Leben: schön, schrill, schrecklich“ im Tölzer Kunstsalon, Marktstraße 6, ist bis Sonntag, 28. Oktober, zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Birgit Botzenhart

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