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Stadtrat

Märkte unter neuer Flagge

Bad Tölz - Hunde, die bellen, beißen mitunter auch. Sollte jemand geglaubt haben, die Rathausspitze mache in Sachen Christkindlmarkt nicht ernst, hat sich getäuscht. Im Stadtrat wurden am Dienstag die Weichen für einen neuen Veranstalter gestellt: Machen wird’s die Stadt. Und auch beim Ostermarkt sind die Aktiven Tölzer aus dem Spiel.

Die letzte Entscheidung fällt allerdings erst in der Stadtratssitzung im April, wenn die neu geschaffene städtische Satzung für den Christkindlmarkt verabschiedet wird. Dass die Stadt aber nach den endlosen Querelen nicht mehr mit den bisherigen Veranstaltern, den Aktiven Tölzern, rechnet, wurde in der Sitzung am Dienstag nochmals überdeutlich. Peter von der Wippel (FWG) musste in der Diskussion eigens nachfragen, ob es in den vergangenen Wochen nochmal Kontakt zum Vorstand gegeben habe. Der Begriff „Aktive Tölzer“ fiel da nur noch am Rande. Und Kontakt habe es auch keinen mehr gegeben, antwortete die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier.

Auch als es um die Hütten ging, die ja noch im Besitz des Vereins sind, wurde wenig Federlesens gemacht. Ja, man müsse bald über eine Ablöse verhandeln, um die Standgebühren sauber kalkulieren zu können, sagte Frey-Allgaier. Aber wenn’s nicht klappt, dann werden halt neue gekauft, klang in den Stellungnahmen beider Bürgermeister durch. Vize Andreas Wiedemann (FWG) warnte jedenfalls schon mal, dass man sich ja nicht auf überhöhte Preise einlassen solle. „Die Hütten sind alt und abgenutzt.“ Das könne man, so Rathauschef Josef Janker (CSU), auch daran ablesen, dass in den vergangenen Jahren gut 50 000 Euro für die Reparatur fällig waren. Neue Hütten würden übrigens 1500 Euro aufwärts kosten, wusste Frey-Allgaier.

Das Problem an den alten Hütten ist auch, dass sie oder ihre Anbauten teilweise im Besitz der Standbetreiber sind. Das mache das Ganze ein bisschen schwierig, sagte Frey-Allgaier, die mit ihrem Team eine neue Satzung für den Markt ausarbeiten wird.

Die TI erhält, auch das deutet auf eine endgültige Weichenstellung hin, für zwei Jahre befristet eine halbe Stelle zur Betreuung des Christkindlmarkts. Ab 2017 kommt die Organisation des Ostermarkts hinzu, der damit ebenfalls den Aktiven Tölzern entzogen wird.

Um die nicht abgesprochene Verkürzung des seit heute laufenden Ostermarkts hatte es, das wurde am Rande der Sitzung berichtet, massiven Ärger gegeben, weil dafür die Stadt verantwortlich gemacht worden war. Die Reaktionen der Standbetreiber auf den Kurswechsel in Tölz seien aber gut, erläuterte Frey-Allgaier. Man habe alle Händler angeschrieben und informiert. Fast alle hätten geantwortet und seien auch unter neuer Flagge wieder dabei. Einige wollen freilich noch die Konditionen abwarten.

Die Tourist-Info hat sich in Salzburg eigens an einer Tagung für Weihnachtsmärkte – so etwas gibt es tatsächlich – beteiligt, um Tipps und Ratschläge für die Praxis zu sammeln. Auch hat man sich mit anderen Kommunen, die Veranstalter sind, in Verbindung gesetzt. Frey-Allgaier fand es bemerkenswert, wie viele Gemeinden ihre Märkte selbst ausrichten.

Martin Harrer (FWG) regte an, auch kürzere Mietverhältnisse zu ermöglichen, um so einige Hütten zeitlich auf verschiedene Vereine aufteilen zu können. Der Markt soll auch kinderfreundlicher werden, wie Frey-Allgaier ankündigte. Werbung und Marketing für den neuen Markt werden von der TI übernommen, die sich dafür bestens gerüstet sieht und viele Synergieeffekte erkennt, wie Kurdirektorin Brita Hohenreiter sagte.

Anton Mayer (CSU) bat darum, die Chance zu nutzen, beim Christkindlmarkt vom Kommerz wegzukommen und mehr auf Qualität zu achten. Dazu gehört für den Ellbacher Landwirt zum Beispiel eine Beschränkung auf die Weihnachtszeit. Ganz wird dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen. Ein, zwei Hütten, so meinte Bau- und Ordnungsamtschef Christian Fürstberger, sollen auch nach Weihnachten noch stehen bleiben und Tölzer Besucher in der Marktstraße etwa mit Glühwein und Brotzeit versorgen.

In der Mustersatzung ist zurzeit als Beginn der letzte Freitag im November und als Ende der 24. Dezember vorgesehen. Peter Priller (Grüne) merkte an, dass „wir heuer kalendermäßig den längsten Advent haben“. Nächstes Jahr hingegen sei es der kürzeste. Da werde es wieder die Diskussion um eine Verlängerung geben. Selbst Großstädte wie München hielten sich aber an den Zeitrahmen Adventszeit, mahnte er.

Christoph Schnitzer

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