Das Ehepaar Kappelmaier aus München

Mäzene für eine Sänfte – und für Tölz

Die auf dem Dachboden des Stadtmuseums entdeckte Sänfte soll saniert werden. Mit Mitteln aus der Messerschmitt-Stiftung. Wer steckt eigentlich hinter der Stiftung?

Bad Tölz – Es sind Kulturgüter der Extraklasse: Schloss Meseburg, das Gästehaus der Bundesregierung, der Hersbrucker Altar, ein spätgotisches Kleinod, oder die Renaissance-Burg Thalegg bei Eppan, um nur einige wenige zu nennen. Sie alle wurden mit Mitteln der millionenschweren Messerschmitt-Stiftung in München restauriert und auf diese Weise erhalten. Und es gibt eine Gemeinsamkeit zu Bad Tölz, die wenig bekannt, aber bedeutsam ist.

Der Messerschmitt-Stiftung angeschlossen ist nämlich die Kappelmaier-Stiftung, die auf das Ehepaar Helga und Kurt Kappelmaier zurückgeht. Die beiden Mäzene leben in bester Wohnlage in München, haben aber eine über Generationen gewachsene, intensive Beziehung zu Bad Tölz. Früher gehörte der Familie sogar ein Haus in der Heißstraße, erzählt der ehemalige Wirtschaftsprüfer. Aber auch heute noch besitzen die Kappelmaiers in ihrer zweiten Heimat eine Wohnung.

Bad Tölz, sagt der Münchner, „ist für uns der Inbegriff der oberbayerischen Kleinstadt, die sehr viel Kultur ausstrahlt und Geschichte hat“. Und der fühlt sich das Ehepaar übers Lippenbekenntnis hinaus verpflichtet. Sowohl für die Kalvarienbergkirchen-Restaurierung oder auch für Aufführungen des Tölzer Marionettentheaters sind Gelder aus der Privattasche oder der Stiftung geflossen.

Und nun haben Helga und Kurt Kappelmaier ein drittes förderungswürdiges Objekt gefunden: die Toerring’sche Sänfte nämlich, die auf dem Dachstuhl des Tölzer Stadtmuseum entdeckt wurde und historisch so bedeutsam ist, dass sie womöglich eines von 100 ausgesuchten Objekten bei der Sonderausstellung zur Eröffnung des Hauses der bayerischen Geschichte in Regensburg 2019 sein soll. Der Stadtrat diskutierte jüngst über die Sanierung der über 300 Jahre alten Sänfte, die deutschlandweit fast ein Einzelstück ist (wir berichteten).

Auf die Sänfte waren die Kappelmaiers über einen Bericht im Tölzer Kurier aufmerksam geworden und hatten es sich, obwohl der 82-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen ist, nicht nehmen lassen, das gute Stück persönlich in Augenschein zu nehmen. Das Ehepaar war so angetan, dass es spontan Mittel für eine Voruntersuchung des einmaligen historischen Tragstuhls zusagte. „Danach kennen wir die Herkunft und wissen, inwieweit die Sänfte erhaltungswürdig ist und was man daraus machen kann“, sagt Kurt Kappelmaier. „Ich sehe schon eine Chance, dass wir dann auch bei der Restaurierung mit einsteigen.“ Das müsse freilich der Stiftungsbeirat in Gänze zunächst diskutieren und beschließen. „Aber ich habe da einen gewissen Einfluss“, ergänzt der Münchner mit lächelndem Understatement. Die Aussicht, dass die Sänfte bei einer Topausstellung wie der in Regensburg 2019 gezeigt wird, sei jedenfalls „sehr interessant für Tölz“.  chs

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