+
Im Kaufland stahl ein 30-Jähriger eine große Menge Zigaretten.

Kurioser Diebstahl vor Gericht

Mann klaut Rucksack voll Zigaretten, läuft weg - und geht dann nochmal zurück

  • schließen

Der Mann ist mehrfach vorbestraft. Das hielt ihn aber nicht davon ab, einen ganzen Rucksack voll Zigaretten im Tölzer Kaufland zu stehlen. Und dann ging er nochmal zurück.

Bad Tölz – Den Rucksack mit Zigaretten randvoll gepackt, verließ ein Dieb das Tölzer Kaufland. Doch auf der Flucht verlor er sein Handy, deshalb versteckte er seine Beute im Gebüsch und kehrte noch einmal zum Tatort zurück. Dort hielten ihn Mitarbeiter so lange fest, bis die inzwischen alarmierte Polizei eintraf. Wegen des Diebstahls, den er am 16. Juni 2017 gegen 13 Uhr begangen hatte, wurde ein mehrfach vorbestrafter Schweißer nun zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt.

„Ich bin nikotinabhängig und habe geklaut, weil meine finanziellen Mittel knapp waren“, begründete der 30-Jährige vor Gericht seine Aktion. Weil die Gelegenheit günstig schien und der Suchtdruck groß war, hatte der Mann, der im Tatzeitraum „zur Stabilisierung meiner Gesundheit“ in einer Einrichtung im Isarwinkel untergebracht war, ordentlich zugelangt und wahllos 30 Schachteln eingesteckt. „Ich dachte: Was raucht der für ein Kraut zusammen?“, berichtetet eine Zeugin, die beobachtet hatte, wie der Beschuldigte „alles mitnahm, was er hat greifen können.“ Sie habe jedoch nichts Böses geahnt („Man sieht ja den Menschen Schlechtes nicht an“), sondern lediglich befürchtet: „Wenn das alles über den Scanner geht, oh je, dann müssen die Leute warten.“

Dazu kam es aber gar nicht. Der Mann verstaute die Plastiktüte voller Zigaretten im Rucksack, ging zügig durch die Kasse und sprintete los. Zur Verhandlung am Amtsgericht Wolfratshausen wurde der Angeklagte aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Ein Gutachter attestierte dem 30-Jährigen eine „stark ausgeprägte Schizophrenie und hohe Drogenabhängigkeit“.

Mit 15 Jahren habe er zum ersten Mal Marihuana geraucht, erklärte der Beschuldigte. Bald seien Heroin und Badesalz hinzugekommen. Die Abhängigkeit zog immer neue Straftaten nach sich. Nach seinem ersten Verfahren 2002 folgten bis zum Verhandlungstag 16 weitere Verurteilungen, fast alle wegen Diebstahls. Zuletzt war der Mann 2013 zu zehn Monaten Gefängnis sowie der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für zwei Jahre verurteilt worden. Die Therapie scheiterte. Allerdings zeigt die Einnahme von Neuroleptika laut Gutachter Wirkung. Zum Tatzeitpunkt habe es „keine Einflüsse gegeben, die zu einem Realitätsverlust geführt hätten“, sagte er. Der Mann musste also für seine Tat geradestehen.

Als Strafe hielt die Staatsanwältin zwölf Monate Gefängnis ohne Bewährung für tat- und schuldangemessen. „Sie tauchen hier alle paar Monate auf der Anklagebank auf. Irgendwann muss es auch mal gut sein“, so die Anklagevertreterin. „Er hat sich nicht mit Ruhm bekleckert – keine Frage“, stellte Verteidigerin Christina Keil fest. Sie plädierte jedoch dafür, ihrem Mandanten, der sich freiwillig seiner Suchtproblematik stellen will, „diesen Vertrauensvorschuss entgegenzubringen, dass er das selbst ins Reine bringt.“

Richter Helmut Berger verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten und zwei Wochen. Das entspricht exakt der bis zur Verhandlung verbüßten Untersuchungshaft, aus der der Angeklagte unverzüglich entlassen wurde. „Das ist kein Freibrief“, mahnte Berger und empfahl dem Mann, „dringend seine Medikamente zu nehmen und sich in ärztliche Behandlung zu begeben“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kommentare