„Zwischen ihr und mir ist nur Liebe“

Mann watscht erst seine Frau - und beteuert dann vor Gericht seine Liebe zu ihr

Weil er seine Freundin geschlagen haben soll, musste sich ein in Bad Tölz lebender 33-Jähriger vor Gericht verantworten. Dabei bekundete er vor allem seine große Liebe.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Der Angeklagte und die Geschädigte scheinen gut miteinander auszukommen. Zur Verhandlung erschienen der Mann und die Frau gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter und dem Sohn, der mit Wonne unter dem Tisch herumkrabbelte, an dem sein Vater Platz nahm, um sich vor Gericht zu rechtfertigen. Der in Tölz lebende Angeklagte soll seine Freundin geschlagen und einen Landsmann genötigt haben. Er wurde zu 2250 Euro Geldstrafe verurteilt.

„Ich habe den heutigen Tag mit Freude erwartet“

„Ich habe den heutigen Tag mit Freude erwartet“, ließ der Mann (33) die Dolmetscherin übersetzen, nachdem der Staatsanwalt die Vorwürfe gegen ihn noch einmal vorgelesen hatte. Er hatte das Bedürfnis, die Anschuldigungen richtigzustellen. Im Frühjahr 2016, zwischen Anfang April und Juni, soll der Syrer seine Lebensgefährtin in der Asylunterkunft im Tölzer „Jodquellenhof“ ins Gesicht geschlagen haben. Das war bei Ermittlungen in einem anderen Verfahren herausgekommen.

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„Wir kannten uns einfach noch nicht gut genug“

Nach Aussage einer Kriminalhauptkommissarin hatte die Frau seinerzeit in der Unterkunft um Hilfe gerufen. Während der Mann geöffnet und gesagt habe, es sei nichts geschehen, sei die Frau verweint aus dem Bad gekommen. Sie hatte behauptet, von ihm geschlagen worden zu sein. Der Mann bekam Hausverbot, die Frau kontaktierte ihn trotzdem. „Wir hatten seinerzeit wegen Kleinigkeiten Auseinandersetzungen. Wir kannten uns einfach noch nicht gut genug“, erklärte der Beschuldigte vor Gericht. Er räumte auch ein, seiner Freundin, mit der er nun vier Jahre zusammen ist, einmal eine Ohrfeige gegeben zu haben. Den Zeitraum konnte er nicht mehr genau benennen. „Es war aus Versehen“, sagte der Mann. „Ich hatte etwas getrunken, sie war eifersüchtig….“. Heute sei man ein Herz eine Seele, „wie Butter und Honig“, ließ der Angeklagte übersetzen. „Zwischen ihr und mir ist nur Liebe.“

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„Ich schäme mich, dass ich hier vor Ihnen sitze“

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte für die Watschn und versicherte, er sei nach Deutschland gekommen, um sich zu integrieren. „Ich schäme mich, dass ich hier vor Ihnen sitze“, sagte der 33-Jährige.

Seine Freundin wurde zur Sache nicht mehr angehört. Richter Helmut Berger verurteilte den gelernten Schneider wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 25 Euro. Er folgte damit dem Antrag des Staatsanwalts, der dem Beschuldigten zuvor verdeutlicht hatte: „Wer schlägt, macht sich in Deutschland strafbar.“ Im zweiten Punkt der Anklage, der Nötigung eines Landsmanns, entschied das Gericht, von der Verfolgung abzusehen.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini

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