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Vorbereitung für den Kräuterbuschen: Annelies Stockinger schneidet den roten Sonnenhut ab. 

Mariä Himmelfahrt

Kräuterbuschen für alle Sinne

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Brauch wird von Generation zu Generation weitergegeben: Frauen im Landkreis sammeln in diesen Tagen für die Kräuterbuschen, die am Montag, an Mariä Himmelfahrt, geweiht werden. Sie schützen vor Gewitter und helfen bei Stress.

Wermut, Kamille, Johanniskraut, Salbei, Spitzwegerich, Arnika und die Königskerze dürfen auf keinen Fall fehlen. Annelies Stockinger hat die sieben Sachen gestern mit zehn Frauen im Heilbrunner Kräuterpark zusammengesucht, um Kräuterbuschen zu binden. Als Kräuterpädagogin erklärt sie bei der Veranstaltung, welche beschützende Wirkung von dem Brauch ausgeht.

Annelies Stockinger hat schon in ihrer Kindheit mit Oma und Mama Kräuter gesammelt. „Ohne den Kräuterbuschen im Hergottswinkel würde uns etwas fehlen“, sagt sie. Der Strauß, den sie am Montag zur Kräuterweihe bringt, sieht allerdings etwas anders aus als früher. „Ich habe ihn ein bisschen erweitert, weil ich mich mehr damit befasst habe“, sagt sie.

Neben den sieben Kräutern bindet sie sogenannte Marienpflanzen in den Kräuterbuschen, etwa die Rose, die Walderdbeere und die weiße Lilie. „Was reinkommt, hängt immer ein bisschen vom Wetter ab“, sagt Stockinger. Wichtig sei aber, dass die Zahl der Kräuter einer der vorgeschriebenen magischen Zahlen entspricht, etwa sieben, neun, zwölf, 15 oder auch 19.

Susanne März aus Wackersberg gibt jedes Jahr dieselben Pflanzen in ihren Kräuterbuschen. Die Liste von über 30 Gewürz-, Heilkräutern, Marienpflanzen und Zweigen hat ihr ihre Tante überliefert. Und „ich habe sie mit Kräuterpädagogen ausgeweitet“, sagt März. Manches hat sie im Garten, manches muss sie aber suchen. „Es dauert teilweise zwei Tage, bis ich alles zusammengesammelt habe. Wenn sie von jedem Kraut ein Exemplar hat, ergibt das einen „wunderbaren Buschen“, sagt die Wackersbergerin.

Beim Kräutersammeln, ist wichtig, „nicht wie blöd zu rupfen“, sagt Annemarie Baumgartner. Die Kräuterpädagogin bietet das Binden in der Gästeinformation Lenggries an. „Wir pflücken mit Dankbarkeit und Achtung vor der Schöpfung.“ Sie rät, nicht weit zu fahren, sondern in der Umgebung zu suchen. „Jeder kann in den Kräuterbuschen binden, was ihm guttut“, sagt Baumgartner.

Lisi Rechtaler aus Gaißach hat den Brauch von ihrer Großmutter übernommen. Sie bindet jedes Jahr Kräuterbuschen für die Familie und hofft, später auch einen von ihren Kindern zu bekommen. Wenn sie ihr Gebinde nach der Weihe an Mariä Himmelfahrt im Tonkrug auf den Kachelofen stellt, verbrennt sie den vom vergangenen Jahr im Ofen. Die Asche verteilt sie im Garten. „Ohne die wunderbare Natur wären wir gar nicht hier“, sagt sie. „Wir sollten sie gut überlegt und mit ganzem Herzen nutzen.“

In dem Brauch, Kräuterbuschen zu binden, steckt viel Symbolik. Jedes Kraut hat eine eigene Bedeutung. „Es ist ein Stück Glaube zum Festhalten“, sagt Annelies Stockinger. „Der Kräuterbuschen im Herrgottswinkel hat eine beschützende Wirkung.“ Bei starkem Gewitter könne man etwas der Kräuter im Kachelofen verbrennen, erklärt Susanne März. „Damit der Blitz nicht einschlägt.“

Früher diente der Kräuterbuschen zudem als Medizin für das Vieh im Stall. Aber auch heute hat der Brauch nichts an Wirkung verloren. „Beim Pflücken, Binden und Trocknen erfassen wir die Kräuter mit allen Sinnen“, sagt Annemarie Baumgartner. Das rege das limbische System an, und man fühle sich wohl. „Gerade in Zeiten von Stress kann man sich daran festhalten.“

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