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Ein Tölzer (54) hatte zu Hause Cannabis angebaut, um die Droge zu Therapiezwecken zu konsumieren.

Tölzer verurteilt

Marihuana gegen die chronischen Schmerzen

Bad Tölz/Wolfratshausen – Zwei Herzinfarkte und einen Suizidversuch hat Rudolf Menke (Name geändert) hinter sich. Den 54-jährigen Tölzer plagen chronische Schmerzen. Am Montag musste sich Menke wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten.

Dieses berücksichtigt seine Krankheitsgeschichte und setzte die zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus.

„Seit über zehn Jahren muss ich mir sagen lassen, was gut für mich ist. Ich will selbst über meinen Körper bestimmen dürfen.“ Diese Worte Menkes aus der Verhandlung zeigen das Gewissenskonflikt-Potenzial dieses Falls: Menke hat keine Straftat begangen, um jemand anderem zu schaden, sondern um sich selbst zu helfen. Am 4. September 2015 klingelte die Polizei in seiner Tölzer Wohnung. Sie fanden nicht nur 328 Gramm Marihuana, sondern auch Zeitschaltuhren, Thermostate, Abluftschläuche und Wachstumslampen: Alles, was man eben braucht, um die verbotene weiche Droge anzubauen. „Das Zeug ist gut gewachsen, man hat gemerkt, dass er sich mit der Materie beschäftigt hat“, sagte der zuständige Beamte vor Gericht.

Um einen geschützten, kleinen Raum für den Anbau zu schaffen, hatte sich Menke eine Trennwand von einem befreundeten Schreiner einziehen lassen. Genau er zeigte ihn ein paar Monate später bei der Polizei an.

Der Angeklagte wirkte resigniert, mied sogar seinen Pflichtverteidiger. Er habe alles schon bei der Polizei eingeräumt, teilte er mit. Als Richter Helmut Berger ihn zum Ende der Beweisaufnahme auf seine Krankheitsgeschichte ansprach, redete er doch noch – was sich deutlich zu seinen Gunsten auswirkte. „Ich habe mit den Ärzten wirklich alles ausprobiert, aber mir hat nichts geholfen.“ Wenn doch, seien die Nebenwirkungen unerträglich gewesen. Mit dem Rauchen von Marihuana habe Menke seine Schmerzen lindern sowie seine „innere Unruhe“ bekämpfen können. Er habe dann weniger Schmerzmittel und Antidepressiva gebraucht.

Seit die Beamten, mit denen der 54-Jährige laut Sachbearbeiter „total kooperierte“, die Drogen sichergestellt haben, gehe es „stets bergab: Ich habe einen guten Job verloren, und mich grüßt keiner mehr in Tölz“, sagte Menke. In der „Gerüchteküche“ sei er nur noch der „große Dealer“.

Richter Helmut Berger und seine beiden Schöffen sahen das anders: Sie berücksichtigten die großen gesundheitlichen Probleme und die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist. Das Urteil: 10 Monate auf Bewährung. Menke möchte sich nun weiter bemühen, Marihuana legal als Arzneimittel verschrieben zu bekommen. Nur wenige hundert Menschen waren mit einem solchen Antrag bislang erfolgreich.  

Tobias Gmach

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