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„Zum Nordpol laufen kann im Grunde jeder, der nicht gerade 80 Jahre alt ist“, sagt Fernsehmoderator Markus Lanz, der am Samstag im Tölzer Kurhaus in einem Multivisionsvortrag von seiner Grönland-Leidenschaft berichtet. 

Moderator kommt nach Tölz

Markus Lanz im Interview: „Nordpol-Landschaft ist wie ein wildes Tier“

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Fernseh-Moderator Markus Lanz zeigt im Tölzer Kurhaus Fotos von seinen Reisen rund um den Nordpol. Davor aber hat er dem Tölzer Kurier ein Interview gegeben.

Bad Tölz– Markus Lanz ist den Fernseh-Zuschauern vor allem als Moderator bekannt. Weniger bekannt ist, dass es ihn immer wieder nach Grönland zieht und dass er auch ein erfolgreicher Autor und Fotograf ist. Sein Buch „Meine Reisen ans Ende der Welt“ war 2011 der meistverkaufte Bildband in Deutschland. Am Samstag, 3. März, zeigt er beim Outdoor & Adventure- Festival im Tölzer Kurhaus seine besten Fotos – und berichtet über seine Erfahrungen mit Angst, Einsamkeit und faszinierender Natur.

-Gab es ein Schlüssel-Erlebnis, dass Sie zum Grönland-Fan geworden sind?

Ich bin in einem Bergbauerndorf in Südtirol auf 1300 Metern aufgewachsen. Wir sagen immer: „Wir haben neun Monate Winter, und drei Monate ist es kalt.“ Schnee und Eis haben mich wirklich geprägt. Ich bin bis heute fasziniert, wenn es plötzlich anfängt zu schneien.

-Was fasziniert Sie an Grönland?

Ich glaube, vor allem dieses unglaubliche Ausgesetztsein. Wenn Sie in den Alpen irgendwo hingehen, dann war immer schon einer vor Ihnen da. Wenn Sie in der Arktis irgendwo den Fuß hinsetzen, dann können Sie in den allermeisten Fällen davon ausgehen, dass Sie der erste Mensch sind, der dort jemals war. Das spüren Sie, und diese Landschaft macht etwas mit Ihnen.

-Was meinen Sie damit?

Es ist eine Landschaft, die Sie anspringt wie ein wildes Tier. Ich bin 2003 mal mit einem Freund auf Skiern zum Nordpol gelaufen, 2011 dann für eine Fernseh-Dokumentation auf Skiern zum Südpol. Diese Erfahrung an beiden Enden der Welt war faszinierend. Das sind Todeszonen, ohne menschliches Leben und eiskalt, und man kann fast greifen, wie diese Landschaft Dir zuruft: „Dich wollen wir hier nicht haben.“ Das ist etwas, was uns Menschen aus dem kuscheligen Mitteleuropa, mit Reihenendhaus und Vollkasko-Versicherung, erst mal irritiert. Das macht uns Angst. Oder wenn Sie mit einem Inuk in Grönland mit einem Hundeschlitten übers Eis ziehen, dann sind Sie für ein paar Wochen der einsamste Mensch auf der Welt. Sie bewegen sich durch das Dunkel der Polarnacht. Das Eis, auf dem Sie sich bewegen, ist dünn, unter Ihnen geht es 1000 Meter in die Tiefe, minus 35 Grad. Da kann man schnell panisch werden. Aber wenn Sie sich darauf einlassen, mit Haut und Haaren, dann erleben Sie einen unglaublich schönen, friedlichen Moment, den Sie sonst in Ihrem Alltag vermutlich niemals spüren.

-Machen Sie solche Reisen auch, weil es ein Kontrast zu Ihrem sonstigen Leben ist?

So weit würde ich nicht gehen. Ich mag beide Arten zu leben gleichermaßen. Was ich suche, ist auch nicht eine große spirituelle Erfahrung. Mir geht es vielmehr um Situationen, in denen man eben nicht mehr den ADAC rufen kann. Mir geht es um ein großartiges Naturerlebnis, Einsamkeit, Wildnis. Wo erleben wir sonst schon noch echt Wildnis – außer vielleicht nachts im Görlitzer Park in Berlin (lacht).

-Sind Sie Abenteurer?

Ich bin von Haus aus eigentlich ein eher ängstlicher Mensch. Und die Reisen sind eine gute Form, mich meinen Ängsten zu stellen und zu erleben, dass wir viel mehr können, als wir uns manchmal zutrauen. Zum Nordpol laufen kann im Grunde jeder, der nicht gerade 80 Jahre alt ist. Die Frage, ob Sie es können, wird vor allem im Kopf entschieden: Wie gehen Sie mit der Kälte um? Wie gehen Sie mit dem Ausgesetztsein um? Reinhold Messner hat mal gesagt: „Wenn ich an die schönsten Nächte meines Lebens zurückdenke, dann denke ich fast immer nur an Nächte irgendwo im Schlafsack, in der Kälte, und nie an Nächte in einem Luxushotel“. Das würde ich genau so unterschreiben.

-Gab es auch schon Momente, in denen Sie gedacht haben: Mein Leben ist vorbei?

Es gab da mal eine Situation in Alaska mit einem jungen Eisbären. Er kam näher und sprang irgendwann einfach auf unser Boot, das am Strand lag. Ich hab mir den dann aus zwei Metern durch die Linse angesehen. Mir wurde erst hinterher klar, wie gefährlich das war. Das Foto zeige ich auch an diesem Abend.

-Welche Bilder zeigen Sie sonst noch?

Ich zeige etwa 2500 hochauflösende Bilder auf Großleinwand aus Alaska, Grönland, Sibirien, Kanada, also die Gegend rund um den Nordpol. Fotos aus zehn Jahren sehr intensiver Fotografie. Vor allem zeige ich die Welt der nordgrönländischen Jäger, der letzten Polar-Inuit. Ich wollte diese Welt festhalten, bevor sie verschwindet. Die Frage, die mich bewegt: Was verlieren wir als moderne Gesellschaft, wenn wir diese Menschen und ihre Art zu leben, verlieren?

-Ein Tipp: Welche Stadt oder Gegend sollte man als Tourist unbedingt gesehen haben?

Wenn man einen ersten oberflächlichen Eindruck von Grönland kriegen will, empfehle ich, eine Schiffsreise entlang der grönländischen Küste zu machen. Heißt: Die grönländische Westküste hoch nach Norden, Richtung Diskobucht und Ilulissat. Dort kommen die größten Eisberge her, vermutlich auch der, der die Titanic versenkt hat. Dort wurde auch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gedreht.

-Waren Sie schon mal in Bad Tölz?

In jungen Jahren, als ich noch in Südtirol lebte, bin ich ab und zu nach Oberbayern gefahren. Als Südtiroler ist man ganz fasziniert davon, dass Berge mal nicht schroff und steil sind. Es gibt hier sanfte, schöne Hügel, in denen verträumte Bauernhöfe und wunderschöne Seen liegen. Das ist ein begnadeter Flecken Erde. Wenn ich nicht in den Dolomiten aufgewachsen wäre, würde ich gerne sagen: „Ich komme aus Oberbayern“. Das ist keine Koketterie, sondern das Geständnis eines Naturverrückten. . . (lacht)

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