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Fernsehmoderator Markus Lanz nahm sich viel Zeit, um die Autogrammwünsche seiner Zuhörer zu erfüllen.

Grönland-Vortrag

Markus Lanz über das Leben im Eis - und das nördlichste Dorf der Welt

Markus Lanz erzählte im Tölzer Kurhaus von seinen Touren durch die Winter-Wildnis in Grönland und Alaska - und von seinen Erlebnissen im nördlichsten Dorf der Welt.

Bad Tölz Eisige Kälte? Davon gab’s in der vergangenen Woche genug. Und wohl die meisten Zeitgenossen sind froh, dass es inzwischen wieder milder geworden ist. Dorthin, wo es wirklich kalt ist – und das nicht nur für einige Tage im Jahr – entführte am Samstagabend der bekannte TV-Moderator Markus Lanz die Besucher im Tölzer Kurhaus. Im Rahmen des „Outdoor & Adventure-Festivals“ stellte Lanz dort die fotografischen und filmischen Aufzeichnungen seiner Grönland-Expedition vor.

„Meine Reise ans Ende der Welt“ lautete der Titel dieses Vortrags. Mit einbezogen waren neben Grönland auch Bilder von den Aleuten, von der Inselgruppe Franz-Josef-Land oder auch Alaska – „Bilder aus zehn Jahren Arktisfotografie“, wie der Moderator, der auch schon in der Antarktis unterwegs war, erläuterte.

Und es ist wirklich eine ganz andere Welt, die dem Zuschauer da vermittelt wurde. Ein Leben weit weg von den Annehmlichkeiten, den Bequemlichkeiten, der Rundumversorgung, weg von Luxus und Wohlstand, die in unseren Breiten durch gemäßigtes Klima, erfolgreiche Wirtschaft und Fortschritt möglich sind.

Eisbären in Kaktovic und Grizzlys auf den Aleuten

Schon die ersten Bilder auf der großen Leinwand charakterisierten die Gegebenheiten dieser nördlichen Zone: eisig-bizarre Landschaften, Walrösser, Schlittenhunde. Gesichter der Bewohner, die vor langer Zeit wohl aus dem Innern Asiens dorthingekommen sind. Faszinierende Farbstimmungen durch das Polarlicht. Eisbären in Kaktovic und Grizzlys auf den Aleuten.

Eine Grönland-Reise führte Lanz in das nördlichste Dorf der Welt, nach Siorapaluk. Etwa 60 Inuit leben dort ihren archaischen Alltag. Salat und Gemüse gibt es nicht. Die notwendigen Vitamine liefert der Verzehr von roher Robbenleber und Robbenblut. Lanz, ein gebürtiger Südtiroler, begleitete auch einen der Jäger bei seiner Beutetour auf dem zugefrorenen Meer. „Ihr Vorgehen ist nicht ungefährlich, aber sie leben mit dieser Gefahr.“ Die Zuverlässigkeit ihrer sensiblen Schlittenhunde sei unabdingbar.

Was diese Menschen kaum kennen, sind Hektik und Stress. Im Gegenteil: Geduld und Ausharren gehören zu den wesentlichen Eigenschaften. Dass die vier Monate andauernde Polarnacht sich manchem Bewohner aber auf das Gemüt schlägt, spiegle sich im hohen Alkoholkonsum wider, schilderte Lanz. Manche seien frustriert über ihre Abhängigkeit von den Sozialleistungen des dänischen „Mutterstaates“.

Lanz: „Diese Welt wird untergehen“

Lanz hatte auch Fotos von spielenden Kindern mitgebracht. Wie wird ihre Zukunft aussehen? „Diese Welt wird untergehen“, gab sich Lanz in seinem kenntnisreichen und pointierten Vortrag überzeugt. Der Wandel der Zeit – Gesetze gegen Robbenjagd und Fellhandel etwa, der Klimawandel, das Vordringen der Moderne – mache nicht Halt. Nicht alle Betroffenen kämen damit klar.

Im vollbesetzten Kurhaus nahm Markus Lanz das Publikum mit auf eine Reise ans Ende der Welt.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der krassen Andersartigkeit schien das Publikum im vollbesetzten Kurhaus in den Bann gezogen von diesen extremen Lebensrealitäten. Warum er solch wagnisvolle Reisen unternimmt? „Man muss sich was zutrauen und Verantwortung für sich übernehmen. Wenn es auf einen selbst ankommt, dann kann man wunderschöne friedliche Momente und tiefes Glück erleben“, sagte der 49-Jährige und wollte auch die Zuschauer dazu animieren. Ein Anfang wäre doch, im Sommer einmal mit einem Schiff nach Grönland zu reisen. Seinen Erfahrungen zufolge haben „Gebirgsmenschen“ wie die aus dem Tölzer Land ohnehin einen besseren Draht zu den Menschen im Eis.

Am Ende des Abends gab’s viel Applaus für den kälteresistenten Fernsehmoderator und viele Autogramme für das beeindruckte Publikum, die Lanz bereitwillig und ausdauernd schrieb.

Rosi Bauer

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