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Für die fünf Naturfreunde aus dem Raum München endete der Tag um 18:31 Uhr in einer Tragödie.

Heute vor 45 Jahren

Marterl erinnert an die  letzte Mittagsrast: Stunden später waren die Ausflügler tot

Zwischen Bad Tölz und Königsdorf erinnert eine Gedenktafel an fünf Münchner, die am 8. Juni 1975 auf tragische Weise ums Leben kamen.

Wackersberg – Unweit des Parkplatzes beim Einödhof Lochen an der Kreisstraße Töl 7 von Bad Tölz nach Königsdorf steht auf einer Waldlichtung am historischen Isar-Wanderweg nach Wolfratshausen eher versteckt ein Holzkreuz. Am Fuß befindet sich ein Stein mit Gedenktafel. Letztere erinnert an fünf Wanderer, die hier vor 45 Jahren, am 8. Juni 1975, ihre Mittagsrast verbrachten und Stunden später in Bad Tölz in jenen Zug nach München stiegen, der kurz darauf bei Warngau verunglückte.

Auch das Kreuz hat Geschichte. Es heißt „Seidlkreuz“ und wurde vom Isartalverein zur Erinnerung an seinen Vereinsgründer Gabriel von Seidl errichtet.

Ursprünglich stand das Kreuz an exponierter Stelle oben an der Hangkante direkt über der Schotterebene der Isar und erlaubte einen herrlichen Ausblick nach Norden. Doch seit dem Bau des Sylvensteinspeichers in den 1950er-Jahren hat sich die Flusslandschaft radikal verändert. Heute ist alles mit hohen Bäumen zugewachsen.

Ältere Landkarten zeigen, dass der Wanderweg einst vom „Malerwinkel“ bei Schuß entlang der Hangkante über der Schotterebene zum Seidlkreuz verlief, doch dieser Steig ist längst verfallen. Heute werden Wanderer (auch jene auf dem Fernwanderweg von München nach Venedig) auf einen Fahrweg gelenkt, der dem Uferschutz dient und den Windungen der Isar folgt. Vom Seidlkreuz führte der alte Steig weiter über den Weiler Lochen in Richtung Bad Tölz, doch auch dieser Abschnitt ist aufgelassen worden. Wanderer werden heute auf die Teerstraße nach Rimslrain umgeleitet.

Das kunstvoll geschnitzte Seidlkreuz mit der Gedenktafel. 

Der prominente und für Bad Tölz bedeutsame Architekt und Stadtplaner Gabriel von Seidl hat anno 1902 in München den „Isartalverein“ gegründet. Dieser „Verein zur Erhaltung der landschaftlichen Schönheiten des Isartals“ war eine der ersten Bürgerinitiativen in Deutschland und hatte ein modernes Anliegen. Er kämpfte gegen die Zersiedelung und Zerstörung des Tals durch technische Anlagen. Und er entwickelte bereits die Strategie, nachteilige Entwicklungen durch den Ankauf von Sperrgrundstücken zu verhindern.

Die Gedenktafel am sogenannten Seidlkreuz erinnert an Antonia Eiermann, Christine Kobel, Bernhard Novak, Doris Ritzki und Katarina Morgenstern, die unter dem Kreuz die letzten schönen Stunden ihres Lebens verbrachten.

Am Sonntag, 8. Juni 1975, hatten sie sich an einem Wandertag beteiligt. Überall im Lande machten sich Zehntausende auf den Weg. Für die fünf Naturfreunde aus dem Raum München endete der Tag um 18:31 Uhr in einer Tragödie. Der Zusammenstoß zweier Eilzüge auf der eingleisigen Strecke mit 43 Toten und 122 Verletzten war eines der schwersten Eisenbahnunglücke im Nachkriegsdeutschland. (Rainer Bannier)

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