Zum Nichtstun verdammt: Caroline Mayer darf in ihrem Lenggrieser Studio ihrer großen Leidenschaft, dem Tätowieren nicht nachgehen, versichert aber: „Mein Geschäft wird es danach auch noch geben.“
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Zum Nichtstun verdammt: Caroline Mayer darf in ihrem Lenggrieser Studio ihrer großen Leidenschaft, dem Tätowieren nicht nachgehen, versichert aber: „Mein Geschäft wird es danach auch noch geben.“

Körpernahe Dienstleistungen

Frust in Massage- und Tattoostudios: Corona-Schließungen gehen unter die Haut

Die Stimmung unter den Inhabern von Massage- und Tattoostudios in Bad Tölz-Wolfratshausen ist im Keller: Während Friseursalons geöffnet sind, warten sie vergeblich auf Lockerungen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Frisieren ja, tätowieren nein: Diese Logik leuchtet den Inhabern von Tattoostudios im Landkreis nicht unbedingt ein. Genauso enttäuscht zeigen sich die Betreiber von Massagestudios: Als Anbieter von körpernahen Dienstleistungen müssen ihre Betriebe nach aktuellem Stand bis zum 28. März geschlossen bleiben.

„Die Entscheidungen sind für mich nicht nachvollziehbar“, meint Guela Magen, Inhaberin des Tattoostudios „Inkwise Tattoo“ aus Bad Heilbrunn. Ihr Studio dürfe keine Kunden empfangen, während Kosmetiksalons und Nagelstudios wieder ihre Türen öffnen. Das sei „unfair“, da solche Betriebe auch nur der Verschönerung des Körpers dienten – ähnlich wie ein Tattoo, findet Magen. „Das fühlt sich wie Willkür an.“

Einige Kunden müssen seit Monaten mit halbfertigen Tattoos leben

Für sie ist außerdem unverständlich, dass Bayern als einziges Bundesland Tätowieren noch nicht wieder erlaube. „Deutschlandweit dürfen meine Kollegen wieder arbeiten“, kritisiert Magen. Nicht nur die Tätowierer, sondern auch die Kunden treffen die Beschlüsse hart. Es gebe einige, die seit Monaten mit einem halb fertigen Tattoo leben müssten, sagt die Inhaberin. Ihr selbst fehle die Arbeit „immens“.

Auch finanziell sei der Spielraum enger geworden, momentan sei die Situation aber noch nicht existenzbedrohend. Vor allem deswegen, weil sie bereits auf Erspartes zurückgegriffen habe, erklärt die Tätowiererin. Außerdem versuche sie, „so wenig wie möglich auszugeben“. Sollte sie jedoch ihr Studio auch nach dem März nicht wieder öffnen können, werde die Lage kritisch.

„Wütend und hilflos“ fühlt sich Caroline Mayer, Inhaberin des Studios „Caro Karacho Tattoo“ in Lenggries. Denn die neuen Regelungen sind ihrer Meinung nach unlogisch. „Es gibt nirgendwo eine genaue Erklärung, warum wir nicht öffnen dürfen“, kritisiert Mayer. Schließlich könnten beim Friseurbesuch die Abstandsregelungen ebenso wenig wie beim Tätowieren eingehalten werden. Trotzdem gönne sie es jedem, der wieder arbeiten kann.

Tätowiererin: „In unserer Branche wird seit jeher mit Maske gearbeitet“

Dabei ist Tätowieren ihrer Ansicht nach auch in Pandemiezeiten möglich. Generell werde in ihrer Branche seit jeher mit Maske und in abgetrennten Räumen gearbeitet. „Wir haben hohe Hygienestandards“, betont Mayer.

Nicht nur den Kundenkontakt vermisst die Tätowiererin, sondern ihre Arbeit an sich. Für viele Tätowierer – sie selbst eingeschlossen – sei die Tätigkeit eine Leidenschaft. „Wir lieben das, was wir tun.“ Mayer spekuliert darauf, Ende März wieder Kunden empfangen zu dürfen. Große Hoffnungen macht sie sich allerdings nicht. Trotzdem schaut sie zuversichtlich in die Zukunft: „Mein Geschäft wird es danach auch noch geben.“

Gleiches hofft Thomas Meszaros, Inhaber des Studios „Newborn Tattoo“ in Wolfratshausen. Er bemängelt, dass die staatlichen Hilfen für November und Dezember erst sehr spät angekommen – und zudem nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ seien.

Verwirrung um genaue Regeln für Massagestudios

Im Allgemeinen fühlt sich der Tätowierer von der Politik nicht wahrgenommen. Dies zeige auch das pauschalisierte Betriebsverbot. Natürlich sei man dem Kunden über Stunden körperlich sehr nah, sagt Meszaros. Aber: „Es wird keine Rücksicht genommen, dass wir innerhalb der Branche strenge Hygienevorschriften haben.“

Deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass viele Tätowierer aus Bayern zum Arbeiten in andere Bundesländer ausweichen, berichtet Meszaros. Das sei aber keine dauerhafte Lösung.

Eine Inhaberin eines Massagestudios aus der Region, die nicht namentlich genannt werden möchte, ging erst irrtümlich davon aus, bereits wieder Kunden behandeln zu können. „Wie im ersten Lockdown habe ich mich an den Kosmetikern orientiert“, erklärt sie. Da beispielsweise die Nagel- oder Fußpfleger wieder regulär arbeiten dürfen, sei sie davon ausgegangen, dass auch ihr Massagestudio seine Türen nun öffnen dürfe.

„Bei der Gesichtskosmetik ist man sich doch näher als bei der Massage“

Die Inhaberin kritisiert, dass die Regelungen zum Betriebsverbot der Massage- und Tattoostudios nur sehr schwer zu finden gewesen seien. Es bringe aber nichts zu diskutieren, ob es ungerecht sei, dass andere Betriebe zuerst öffnen dürfen. Auch bei den Kunden herrschte zunächst Unklarheit über die neuen Beschlüsse, berichtet sie. Einige seien bereits wegen eines Termins auf sie zugekommen. „Mir tut es leid, dass die Leute nun doch nicht kommen können.“

Ähnlich sieht es Bourin Häuser, Inhaberin von „Boubahn Thai-Massage“, aus Geretsried. Sie bedauert, dass sie seit Monaten keine Kunden in ihrem Studio begrüßen durfte. „Jetzt heißt es abwarten, wie weiter entschieden wird“, meint die Masseurin. Auch sie sieht die Regelungen für körpernahe Dienstleistungen kritisch. „Bei der Gesichtskosmetik ist man sich doch näher als bei der Massage“, meint Häuser. Erstere könne im Gegensatz zur Massage nicht mit Maske durchgeführt werden.

Für weitere möglich Öffnungsschritte ruhen viele Hoffnungen auf Schnelltests. Diese werden im Testzentrum auf der Tölzer Flinthöhe am Montag (22. März) kostenlos angeboten.

Die Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Bad-Tölz-Wolfratshausen sind laufend aktuell im Nachrichten-Ticker des Tölzer Kurier nachzulesen.

Von Franziska Selter

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