April 1945: KZ-Häftlinge marschieren durch die Tölzer Marktstraße. Das Foto aus dem Archiv des Tölzer Kurier ist eines der wenigen Bilddokumente über den Todesmarsch.
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April 1945: KZ-Häftlinge marschieren durch die Tölzer Marktstraße. Das Foto aus dem Archiv des Tölzer Kurier ist eines der wenigen Bilddokumente über den Todesmarsch.

Diskussion mit Zuschauern

Max Kronawitter präsentiert im Netz seinen Todesmarsch-Film

Der Filmemacher Max Kronawitter stellt im Internet seinen Film über den Todesmarsch vor und diskutiert mit den Zuschauern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Corona vereitelte eine schöne Idee: Mit seinem Film über den Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge kurz vor Kriegsende wollte der Eurasburger Max Kronawitter durch die damals betroffenen Gemeinden im Würmtal, Loisachtal und Isarwinkel Station machen, um mit den Menschen ins Gespräch über die grausigen Ereignisse jener April- und Maitage 1945 zu kommen.

Der Filmemacher und sein Team machten aus der Situation das Beste. Mehr als 500 Interessenten meldeten sich am Donnerstagabend für die Internetpremiere einer 45-Minuten-Fassung an und diskutierten anschließend angeregt im Netz. Kronawitter erntete viel Lob. Er habe ein „hervorragendes Stück Zeitgeschichte“ geschaffen. „Beeindruckend“, kommentierte ein anderer. „Wir, Jahrgang 1962 und 1964, wussten vom Todesmarsch bisher gar nichts“, bekannten andere Zuschauer.

Wie können Menschen so etwas Menschen antun

Was den Film auszeichnet: Es kommen viele wichtige Zeitzeugen zu Wort. Menschen wie Abba Naor, der selbst dabei war, überlebte und sich nun ohne Larmoyanz, kühl und lakonisch erinnerte. Die Wirkung seiner Aussagen war umso eindringlicher. Oder Friedl Kunstwald aus Reichersbeuern, der als 14-Jähriger die vom Hunger gezeichneten Häftlinge vorbeiwanken sah und ihnen unter Lebensgefahr Brot zusteckte (siehe unten „Meine Woche“). Ihm ist das Grauen bis heute anzusehen und das Grübeln über die Frage, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können.

„Hervorragendes Stück Zeitgeschichte“

Kronawitter hat sich auch mit der Rezeption der Ereignisse befasst. Andreas Wagner aus Geretsried kommt zu Wort, der 1995 zum 50-Jährigen sein wichtiges Buch „Todesmarsch“ vorlegte und die Ereignisse lange vor den offiziellen Institutionen thematisierte. Da standen bereits die ersten Mahnmale, deren Entwurf von Hubertus von Pilgrim stammt. Auch er erinnert sich zurück und an die Widerstände, die bei der Realisierung der Mahnmale entlang der Todesmarsch-Strecke zu überwinden waren. „Es sind ausdrücklich Mahnmale, keine Denkmäler“, sagt der Künstler, „denn letztere sind Siegeszeichen.“ In 22 Gemeinden stehen heute die Pilgrim-Mahnmale, eines davon auch in Yad Vashem. Der ehemalige ARD-Israel-Korrespondent Friedrich Schreiber erzählt davon.

Kurzfassung wird am 29. April nochmals gezeigt

Die Erlebnisse jener Zeit zu dokumentieren und die letzten Chancen, mit Zeitzeugen zu sprechen, zu nutzen, bezeichnete Sybille Krafft als „Geschenk“ und „wichtige Aufgabe“ in der heutigen Zeit. Es sei aber auch „das Mindeste, was wir den Toten und Überlebenden schuldig sind“, sagte die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen und Vorsitzende des Badehaus-Vereins, der in Waldram einen Ort der Erinnerung geschaffen hat.

Wegen des großen Interesses wird der Film über den Todesmarsch in der Kurzfassung am kommenden Donnerstag, 29. April, um 19.30 Uhr erneut im Netz gezeigt. Anmeldung bitte per E-Mail an kronawitter@ikarus.film.de. Den Streifen wird es übrigens auch als unterrichtsgerechte 30-Minuten-Fassung geben. Einige Lehrkräfte hatten dafür im Chat lebhaftes Interesse signalisiert. Wer den kompletten Film mit 85 Minuten Länge sehen will, kann eine DVD auf www.ikarus-film/shop erwerben. (Christoph Schnitzer)

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