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Mehr Busse, Heimplätze und Hilfe: Das wünschen sich Senioren in Tölz

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Von: Christoph Schnitzer

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Interessant waren auch die Antworten der Senioren zum Thema Wohnen. 50 Prozent der Befragten lebt in den eigenen vier Wänden. Knapp ein Drittel muss mehr als die Hälfte des Einkommens für Wohnkosten bezahlen. © dpa / Frank Rumpenhorst

Welche Bedürfnisse haben Senioren in der Kurstadt ? Das wurde nun im Rahmen einer Umfrage untersucht. Die Ergebnisse sind interessant und haben für den Stadtrat Konsequenzen.

Bad Tölz – 380 Tölzer Senioren wurden angeschrieben, 122 beantworteten einen sechsseitigen Fragebogen. „Das sind immerhin 35 Prozent. Das zeigt, dass sich ältere Tölzer außerordentlich für ihre Stadt interessieren.“ Das sagt Andrea Kenkmann vom Kompetenzzentrum „Zukunft Alter“ an der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) Benediktbeuern. Sie stellte in der jüngsten Stadtratssitzung die Ergebnisse der Studie „Seniorenumfrage 75+“ vor, die zusammen mit dem Arbeitskreis Senioren und der Kommunalen Sozialplanung Bad Tölz erstellt worden war.

Die Studie habe aufgrund der hohen Beteiligung ein hohes Maß an Repräsentativität. Zu den wichtigsten Punkten gehört das Thema Mobilität. Die Zufriedenheit mit dem ÖPNV sei gering, sagte Kenkmann. Nur ein Viertel der Befragten zwischen 75 und 97 Jahren halte das Busangebot für ausreichend. Man wünsche sich kleinere Busse, die halbstündig verkehren und besser lesbare Fahrpläne an den Haltestellen. Camilla Plöckl (SPD) pflichtete den Senioren bei. „Das haben wir ja auch im Verkehrskonzept schon drin.“ Von der Siedlung ins Badeteil zu kommen, sei schon sehr kompliziert. Die von den Senioren erbetenen mehr Sitzmöglichkeiten bezog die Seniorenbeauftragte im Stadtrat, Ulrike Bomhard (FWG), konkret auch auf die Bushaltestellen im Stadtgebiet. „Dort überall eine Bank zu haben, wäre schon super.“

Auch weil die Busverbindungen in Tölz als ungenügend angesehen werden, fahren 60 Prozent der über 75-Jährigen laut Umfrage mit dem eigenen Auto. Die Parkmöglichkeiten in Tölz könnten besser sein, meinen 47 Prozent der Befragten.

Die Mobilität der Senioren nimmt im Alter ab. Dieses Ergebnis der Studie ist keine Überraschung. Interessant ist, dass Frauen zwar eine höhere Lebenserwartung haben, ihre Mobilität im Alter aber deutlich stärker abnimmt als bei den Männern. Viele dieser Frauen fühlen sich im Haushalt eingeschränkt und würden gerne Unterstützung haben. Ein Fünftel der Befragten habe Menschen mit Pflegegrad im Haushalt. Kenkmann regte den Ausbau präventiver Angebote zusammen mit Kassen und Hausärzten an. Bomhard knüpfte hier an und bat die Anwesenden und jeden Bürger, sich ein bisschen mehr um ältere Nachbarn zu kümmern, etwa bei Fahrdiensten und beim Einkaufen. „75 plus zu sein, das geht schneller als jeder denkt.“

Zum Stichwort Hausärzte: Sie sind die Hauptinformationsquelle der Senioren. Die Studie verrät, dass viele durchaus gute Senioren-Angebote der Stadt und des Landkreises den Betroffenen gar nicht bekannt sind. Das gelte es zu verbessern.

Insgesamt sei die Versorgung mit Einrichtungen des täglichen Bedarfs in Bad Tölz gut. Vor allem Seniorinnen würden sich laut Kenkmann verbesserte Fahrdienste zu ihren Ärzten wünschen. Die Wege seien lang. 25 Prozent nutzen Taxis. „Das kann sich auch nicht jeder leisten“, räumte Sozialplaner Franz Späth ein. Er will sich speziell dieses Punktes annehmen. Späth will auch beim RVO anfragen, ob man größere Fahrpläne ausdrucken und an den Haltestellen anbringen kann.

Interessant waren auch die Antworten der Senioren zum Thema Wohnen. 50 Prozent der Befragten lebt in den eigenen vier Wänden. Knapp ein Drittel muss mehr als die Hälfte des Einkommens für Wohnkosten bezahlen. Kenkmann wies auf einen bemerkenswerten Punkt hin: Ein Viertel aller Befragten kann sich durchaus Veränderungen in der Wohnsituation vorstellen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der KSH leitete daraus die Frage ab: Hat Tölz auch für die Zukunft genügend Heimplätze?

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Sozialplaner Späth will die Studie mit den Erstellern und dem Arbeitskreis Senioren in einer speziellen Veranstaltung für die älteren Tölzer vorstellen. Auf der Internetseite der Stadt (www.bad-toelz.de) ist das 45-seitige Gutachten mittlerweile einzusehen.

Und noch ein letztes Ergebnis: 18,5 Prozent der Befragten wohnen seit weniger als zehn Jahren in Tölz. Interessant daran: Nur 15 Prozent davon lebt in Wohneigentum, die Mehrheit wohnt zur Miete.

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