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Studie geplant

Mehr Miteinander beim Mountainbiken

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Das Konfliktfeld Mountainbiken möchte der Landkreis entschärfen. Der erste Schritt: Naturschützer, Almbauern, Freizeitsportler und kommerzielle Tourenanbieter sollen miteinander reden statt übereinander. Bis tatsächlich ein Netz an Mountainbike-Strecken im Landkreis ausgewiesen wird, ist es aber ein weiter Weg.

Beim Thema Mountainbiken kochen die Emotionen immer wieder hoch. Während einzelne Querfeldeinfahrer mit rücksichtslosem Verhalten den Zorn von Naturschützern, Jägern oder Grundbesitzern auf sich ziehen, fühlen sich vernünftige Sportler zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt und wollen sich die Freude an der Freizeit in der Natur nicht vermiesen lassen. Alle Interessengruppen an einen Tisch bringen und vernünftige Lösungen finden: Dieses Ziel hat sich der Landkreis gesetzt und plant daher, wie berichtet, ein Mountainbike-Konzept. Der Weg dorthin ist allerdings weit. Allein bis die Grundlagen geklärt sind, wird es noch über ein Jahr dauern.

Vorerst hat der Kreis-Umweltausschuss im November eine „Machbarkeitsstudie“ beschlossen. Diesbezüglich verkündete Andreas Wüstefeld vom Landratsamt gestern Neuigkeiten. Für die Studie gibt es aller Voraussicht nach Fördergelder aus dem europäischen „Leader“-Projekt. Das hat das entscheidende Gremium, der örtliche Lenkungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung befürwortet. Somit ist der offizielle Förderbescheid laut Wüstefeld, „Leader“-Manager im Landkreis, nur noch eine „Formsache“. Von den 30 000 Euro, die die Studie kostet, bekommt der Landkreis dann die Hälfte erstattet.

Wüstefeld geht nun davon aus, dass die Machbarkeitsstudie, die an ein externes Büro vergeben wird, im Juni startet. „Bis Mitte 2017 soll sie dann abgeschlossen sein.“ Als Chef der „Tölzer Land Tourismus“ betreut Wüstefeld das Projekt von Seiten des Landratsamts gemeinsam mit Franz Steger, dem Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde. Naturschutz und Tourismus arbeiten also „Hand in Hand in einem Konsens, den manche anderen Regionen erst noch finden müssen“, sagt Wüstefeld.

Als Ziele der Machbarkeitsstudie nennt Wüstefeld eine „Versachlichung des Konfliktfelds“ und ein „Klima des Verständnisses“. Deswegen sei es ein „Kernpunkt“, alle Beteiligten an einem Runden Tisch zusammenzubringen: zum Beispiel Grundeigentümer, Almbauern, Forstbetrieb und private Waldbesitzer, Gemeinden und natürlich auch Mountainbiker sowie gewerbliche Touren-Anbieter. „Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn man miteinander statt übereinander redet“, so Wüstefeld.

Zudem solle die Studie in drei Bereichen Klarheit schaffen: Da ist erstens die naturschutzrechtliche Ebene. Grundsätzlich ist das Radfahren im Naturschutzgebiet, wie etwa im Karwendel, nicht erlaubt, wie Steger klarstellt. „Aber es geht uns nicht darum, mit Verboten zu arbeiten“, ergänzt er. Es gelte, genauer hinzuschauen. Dass man eine Forststraße im Karwendel nicht benutzen darf, sei etwa schwer zu vermitteln. „Einige Mountainbiker berufen sich auf das freie Betretungsrecht der Natur“, nennt Wüstefeld einen weiteren Punkt. „Andere sagen: ,Es heißt Betretungsrecht und nicht Befahrungsrecht.“

Zweites Themengebiet: das touristische Potenzial des Bergradelns. „Die Mountainbiker-Community ist da, und bestimmte Wege und Straßen sollten sowohl für Touristen als auch einheimische Bürger gut nutzbar sein“, so Wüstefeld. Doch welche Angebote sind sinnvoll und gewünscht?

Zum Dritten sollen haftungsrechtliche Fragen behandelt werden: Was kommt auf Kommunen zu, falls sie Wege als Mountainbike-Strecken ausweisen?

Die Machbarkeitsstudie ist dabei nur der erste Schritt, der klären soll, ob überhaupt Interesse an einem Mountainbike-Konzept besteht und ob man die Beteiligten unter einen Hut bekommt. Wenn ja, dann beginnt die eigentliche Arbeit. „Für das Isargebiet in München gibt es so ein Konzept“, sagt Wüstefeld. „Die Kosten lagen im sechsstelligen Bereich.“ In diesem Fall müssten sich vermutlich die Landkreis-Gemeinden an der Finanzierung beteiligen. Im Idealfall stehe am Ende ein Netz an Wegen, die für Mountainbiker ausgewiesen sind. „Es ist besser, den Mountainbikern zu sagen: ,Diese 30 Wege sind attraktiv‘, als dass sie sich unkanalisiert auf 200 verschiedene Wege verteilen.“

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