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Referierte vor knapp 130 Elftklässlern im Tölzer Gymnasium: Historiker Roman Töppel, der an der kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ mitgearbeitet hatte.

Vortrag im Gymnasium

„Mein Kampf“-Editor in Tölz: „Hitler hat alles radikalisiert“

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Der Historiker Roman Töppel berichtete Tölzer Gymnasiasten von der Arbeit an der kommentierten Edition der Nazi-Hetzschrift „Mein Kampf“.

Bad Tölz– Roman Töppel, einer der Herausgeber der kritischen Edition von Adolf Hitlers „Mein Kampf“, hat seinen Vortrag in der Aula des Tölzer Gymnasiums gerade beendet, da will ein Schüler wissen: „Wie erwarten Sie, dass man dieses Buch liest?“ Die Frage ist berechtigt: Fast 2000 Seiten umfasst der Band, der die nationalsozialistische Hetzschrift in 3500 Kommentaren wissenschaftlich auseinander nimmt. Töppels Antwort: Abschnittsweise, nicht von vorne bis hinten. Die Kapitel „Volk und Rasse“ oder „Der Staat“ seien zum Beispiel aufschlussreich, um die Weltanschauung Hitlers zu verstehen.

Die Fachschaft Geschichte des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums hatte den freiberuflichen Historiker eingeladen. So sprach Töppel dieser Tage vor knapp 130 Elftklässlern über das Leben und die krude Propaganda des NS-Führers. „Das passt gut in den Lehrplan“, sagte Fachschaftsleiterin Katharina Schambeck. Im Geschichtsunterricht beschäftigen sich die elften Klassen aktuell mit dem Scheitern der Weimarer Republik und der Entwicklung des Holocaust.

Die kommentierte Edition ist fünf Kilo schwer und hat fast 2000 Seiten

Töppel reichte zwei kommentierte Exemplare von „Mein Kampf“ durch die Reihen und scherzte: „Die wiegen fünf Kilo, damit können Sie ihren Nachbarn erschlagen.“ Die kritische Edition hat der Historiker zusammen mit drei anderen Wissenschaftlern im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München/Berlin Anfang 2016 herausgegeben. „Wir hatten für die Kommentierung nur zweieinhalb Jahre Zeit“, sagte Töppel. Hitlers Lügen, Halbwahrheiten und Hass setzten die Historiker Fakten und Aufklärung entgegen. Darüber hinaus rekonstruierten sie den zeitgenössischen Kontext, in dem der Massenmörder zu Rassismus, Judenhass, Diktatur und Krieg aufrief.

Töppel erinnerte an die hitzige Debatte in Deutschland über die Veröffentlichung der kommentierten Auflage, die auf den letzten Drücker erfolgt war. 70 Jahre nach dem Tod eines Autors läuft das Urheberrecht ab – in Hitlers Fall also Ende 2015. Im Vorfeld kursierte die Angst, rechte Verlage würden die Propaganda-Schrift gleich nach Ablauf dieser Frist wieder an die Kioske bringen. „Das Buch war aber schon vor der Editionsarbeit für jedermann im Internet zugänglich“, stellte Töppel klar.

„Mein Kampf“ müsse man widersprechen, nicht nur einordnen

Widersprechen, nicht nur einordnen müsse man den Behauptungen in „Mein Kampf.“ Wie das funktionieren kann, zeigte der 42-Jährige an folgendem Satz Hitlers: „Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens Volke raubt.“ In diesem langen Satz stecken laut dem Wissenschaftler mehrere antisemitische Vorurteile, „die schon damals widerlegt waren“. So habe selbst die rechte Presse Juden nicht als auffällige Sexualstraftäter gebrandmarkt. Und eine Studie habe bereits Ende des 19. Jahrhunderts gezeigt, dass jüdische Kinder sogar öfter blonde als schwarze Haare hatten.

Schwierig sei es für Töppel gewesen, Hitlers Quellen auf die Spur zu kommen. „Er hat alles, was er gelesen hat, radikalisiert. Aber fast alles finden Sie schon irgendwo anders.“ Ein weiteres Problem für die Editoren: „Hitler hat über Gott und die Welt geschrieben“, so Töppel. Der spätere „Führer“ verbreitete sein Halbwissen und wilde Theorien zum Beispiel auch über Pädagogik, Geschlechtserkrankungen und Waffentechnik. „Da mussten wir uns Experten holen.“

In der Fragerunde wollte noch ein Schüler wissen, warum Hitler die Finnen eigentlich nicht in seine Utopie des „Großgermanischen Reichs“ aufnehmen wollte. Töppel wollte nicht zu tief in die Rassenkunde einsteigen, erklärte aber kurz: „Die galten als eher minderwertig.“

Die kritische Edition hat das Tölzer Gymnasium laut Geschichtslehrerin Katharina Schambeck übrigens kürzlich für die Fachschaft bestellt. „Wir werden das Buch aber nicht komplett in den Klassen durchkauen, sondern uns einzelne Seiten anschauen.“

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