Beachvolleyballerin Michaela Henry.
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Annahme, Zuspiel und erfolgreicher Angriff: Eine der Spezialitäten von Michaela Henry, die noch einmal zu den Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften will.

Im Portrait

Profi als Ärztin und Beachvolleyballerin

  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
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In der Asklepios-Klinik Bad Tölz hilft sie Menschen nach Schlaganfällen oder bei Parkinson. In ihrer Freizeit frönt Michaela Henry ihrer Leidenschaft im Sand.

Bad Tölz – Blitzschnelle Reaktionen. Präzise Annahmen und passgenaue Zuspiele. Schweißtreibende Sprints im tiefen Sand. Hohe Sprünge aus weichem Untergrund und erfolgreiche Abschlüsse: Beachvolleyball erfordert komplette körperliche Fitness. „Für mich ist Beachvolleyball wie Urlaub“, sagt jedoch Dr. Michaela Henry. „Sonne, gute Laune am Spielfeldrand, Spaß auf dem Feld, das ist richtiges Urlaubsflair.“

Die Ärztin an der Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz weiß, wovon sie spricht. Schließlich mischte die Münchnerin lange Zeit an der Deutschen Beachvolleyball-Spitze mit möchte auch jetzt mit 40 Jahren auf keinen Fall die Füße still halten. Sie liegt derzeit auf Platz 22 der deutschen Rangliste. Zwar musste sie den ursprünglichen Plan, einen erneuter Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften, begraben, weil sich ihre Partnerin Tatjana Zautys verletzt hat. „Aber möglicherweise greifen wir kommendes Jahr noch einmal an.“

Michaela Henry startete 2006 bei der Europameisterschaft im Beachvolleyball

Beachvolleyball ist Henrys große Leidenschaft. Von klein auf sportbegeistert, fuhr sie Ski, spielte Tennis, war aber doch eher der Typ Teamsportler und landete recht früh, mit sieben Jahren, beim Volleyball – und blieb dort hängen. War erfolgreich. Sie spielte 1. Bundesliga beim TSV Sonthofen als Außenangreiferin in der Halle. Anfang 2000 wechselte sie zum Beachvolleyball. Henry wurde eine der besten deutschen Frauen in dem Metier. Auch jetzt muss sie sich bei der teilweise halb so alten Konkurrenz nicht verstecken. Es gibt zwar eine Senioren-Altersklasse. Aber das ist nichts für sie. „Wir sind zwar schon ein bisschen die Oldies auf der Tour“, sagt Henry schmunzelnd. „Aber wir können schon noch mithalten.“

Sport, Familie und Beruf unter einen Hut bringen: Das ist die Herausforderung für Dr. Michaela Henry, angehende Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin an der Asklepios-Klinik in Tölz.

So wie früher auch auf internationaler Ebene. Henry war bei der Europameisterschaft 2006 am Start, mehrfach bei Deutschen Meisterschaften, holte fünf Bayerische Meistertitel und spielte zwei Jahre lang 1. Bundesliga – teilweise parallel zu ihren Turnieren im Sand. Nach einem Kreuzbandriss 2012 beendete sie die Hallen-Variante, spielte nur noch Beachvolleyball. Die Reisen, die immense Belastung – „die Umstellung vom Sand zurück auf den Hallenboden waren wahnsinnig anstrengend“, sagt Henry. „Irgendwann war ich aus dem Alter raus.“

Eine Herausforderung ist ihr Sport immer noch. Henry hat einen elfjährigen Sohn, Luca, der Job in der Neurologie von Montag bis Mittwoch. Sie hilft Patienten, die nach einem Schlaganfall, einer Parkinson-Demenz oder einer anderen Erkrankung des Nervensystems im Krankenhaus versorgt werden. Dazu kommt dreimal die Woche Beach-Training. Das alles muss und kann sie unter einen Hut bringen. Aber nur, weil ihr Mann, früher ebenfalls Volleyballer, Verständnis für seine sportbegeisterte Frau aufbringt. Und weil Henry ein gutes Zeitmanagement hat. Früher, während ihres Medizinstudiums an der LMU München, nutzte sie die Busfahrten zu den Bundesliga-Auswärtsspielen, um zu lernen. „Im Leistungssport muss man einfach gut organisieren können.“ So schafft sie es, ihre Leidenschaft, ihren Beruf und die Familie im Griff zu haben – und trotzdem noch gelöst durch die Krankenhausgänge zu laufen.

Und neuerdings auch wieder über den Sand. Nach der corona-bedingten Zwangspause im Beachvolleyball gingen die Wettkämpfe jetzt wieder los. Henry plante, noch einmal die Straße zum Timmendorfer Strand, also zu den Deutschen Meisterschaften, zu gehen. Doch die Verletzung ihrer Partnerin machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Eine Vertretung auf die Schnelle machte keinen Sinn. Die große Stärke der beiden war ein unwahrscheinlich genaues Zuspiel. Damit gelang ihnen ein sehr effektives Sideout, sie konnten von der Annahme weg schnell den Punkt machen. „Es hätte gut gepasst, mit jemand anderes wollte ich die Deutsche Tour nicht spielen.“ So ging Henry für den SV Lohhof bei zwei Turnieren auf der bayerischen Ebene an den Start – und holte mit ihrer Interimspartnerin zwei Siege. So kann der Urlaub weitergehen.

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