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Zogen Bilanz: (v.l.) die stellvertretenden Vorstandvorsitzenden Josef Bernöcker und Manfred Gasteiger, die Vorstandsvorsitzenden Hansjörg Hegele und Hubert Stehr und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Manfred Klaar.

Bilanz bestätigt Geschäftsstrategie

Nach Fusion: Raiffeisenbank auf Wachstumskurs

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Schon 2018 war die Rede von einer „Erfolgsgeschichte“. Die erste komplette Jahresbilanz der Raiffeisenbank im Oberland nach der Fusion mit der Raiffeisenbank Tölzer Land untermauert das.

„Unser Ziel war eine starke und selbstständige Bank in der Region, aber es war nicht selbstverständlich, dass das auch funktioniert“, gestand Vorstandsvorsitzender Hubert Stehr gestern beim Bilanzpressegespräch. „Wir haben unsere Möglichkeiten regelrecht unterschätzt.“ In nahezu allen Bereichen zeigt der Trend nach oben – ob nun bei Bilanzsumme, Kreditgeschäft, Kundeneinlagen, Warengeschäft oder Jahresüberschuss. Gleichzeitig waren Personal- und Verwaltungsaufwand aufgrund der Fusion und der Optimierung von Abläufen geringer. „Der Zinsüberschuss ist nur um 400 000 Euro gestiegen, aber wir sind zufrieden, dass es angesichts der Niedrigzinsen überhaupt noch einen Überschuss gibt“, sagte Hansjörg Hegele, ebenso wie Stehr Vorstandsvorsitzender der fusionierten Bank.

Ergebnisse besser als erwartet

Sein fast schon unerwartetes Wachstum hatte das Geldhaus vor allem seinen langjährigen Kunden und der guten Konjunktur auf dem Bau zu verdanken. Geld ist billig, die Nachfrage nach Krediten groß. Gleichzeitig zahlte sich die neue Schlagkraft der Bank aus. „Kerngedanke der Fusion war es ja, die Kunden intensiver beraten und ihre Problemstellungen besser erkennen zu können“, berichtete stellvertretender

Vorstandsvorsitzender Manfred Klaar. „Das macht sich in den Geschäftsabschlüssen bemerkbar.“ Man habe viel Geld in die Qualifizierung von Mitarbeitern gesteckt, ergänzte sein Kollege Manfred Gasteiger. Ob bei Vorsorgethemen wie Pflege, Berufsunfähigkeit oder Rente – innerhalb der Bank fänden sich jetzt immer die entsprechend spezialisierten Mitarbeiter. „Wir haben sogar zwei Landwirtschaftsexperten im Haus“, so Gasteiger.

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Die Anforderungen an die Mitarbeiter seien durch die Fusion allerdings sehr hoch gewesen, gestand Hegele: „Viele mussten sich auf neue Arbeitsplätze weiterqualifizieren.“ Derzeit hat die Bank 305 Beschäftigte, darunter 18 Auszubildende. Zuletzt schrumpfte der Personalbestand aufgrund natürlicher Fluktuation um sechs bis sieben Vollzeitstellen. In diesem Umfang wird es nicht weitergehen. „Wachstum erfordert auch einen gewissen Personalaufwand“, sagte Hegele. „Bestenfalls geht es noch um einen Rückgang um ein oder zwei Vollzeitstellen.“

Die Schattenseiten des Wachstums

Wachstum ist also nicht kostenlos zu haben, das merkt die Raiffeisenbank auch an anderer Stelle. Die verpflichtende Beteiligung an der Digitalisierungsoffensive des Raiffeisenverbandes beispielsweise kostet sie pro Jahr 100 000 Euro. Geld, das freilich gut angelegt ist. Denn das Verhalten der Kunden ändert sich. Immer mehr erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile am Telefon oder Computer.

Auf ihre Filialen kann und will die Raiffeisenbank aber nicht verzichten. „Es wird immer einen Unterschied geben müssen zwischen Regional- und Direktbanken“, stellte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Josef Bern-
öcker klar. Weitere Filialschließungen seien nicht geplant. In Ascholding und Endlhausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) war es im vergangenen Jahr zu massiven Protesten gekommen, nachdem sich die Bank dort komplett zurückziehen wollte (wir berichteten). Es kam zu einer Kompromisslösung mit Automaten. „Die Schließungen waren faktisch richtig, aber für die Bürger emotional schwierig“, gestand Gasteiger.

Weniger problematisch verliefen die Schließungen in Darching und Schaftlach. Hier freilich war von Haus aus der Verbleib von Automaten geplant. In Schaftlach teilt sich die Raiffeisenbank den Standort mit der Sparkasse – wie schon in Miesbach-Ost und Sachsenkam. „Derartige Kooperationen sind ein sinnvoller Weg“, sagte Stehr. „Von beiden Seiten gibt es da keine Berührungsängste.“

Die Raiffeisenbank im Oberland in Zahlen

Die Bilanzsumme der Raiffeisenbank im Oberland wächst weiter. Ende 2018 lag sie bei 1,24 Milliarden Euro, das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Bilanzsumme nach Worten des Vorstandsvorsitzenden Hansjörg Hegele damit um rund 130 Millionen Euro erhöht. 

Das Kreditgeschäft stieg von 843 auf 932 Millionen Euro (plus 10,6 Prozent), die Kundeneinlagen erhöhten sich um 8,9 Prozent von 887 auf 966 Millionen Euro. Teilweise mussten Kommunen, wenn sie übergangsweise mehr als eine Million Euro auf ihrem Girokonto geparkt hatten, Strafzinsen zahlen. Alternativ habe die Bank andere Anlageformen vorgeschlagen. 

Das Eigenkapital der Bank stieg um 8,2 Prozent oder 7,7 Millionen auf 101,9 Millionen Euro. Ein gesundes Eigenkapital ist die Grundvoraussetzung für Kreditvergaben. 15,9 Millionen Euro vom Eigenkapital halten die derzeit 18 690 Mitglieder der Genossenschaftsbank. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr um nur 35. „Hier hatten wir also nicht ganz so hohe Wachstumsraten“, sagte Hegele. Pro 50-Euro-Anteil gab es 2,5 Prozent Dividende. Unterm Strich musste die Bank dafür rund 388 000 Euro aufwenden. 

Der Zinsüberschuss belief sich auf rund 20,9 Millionen Euro (Vorjahr: 20,5), der Jahresüberschuss auf knapp 3,9 Millionen Euro (3,5). Von den rund 3,8 Millionen Euro an Steuern flossen 1,7 Millionen als Gewerbesteuer an die Kommunen zurück. Der Warenumsatz in den drei Märkten der Raiffeisenbank erhöhte sich um 11, 4 Prozent auf 27,8 Millionen Euro.

sh

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