Um eine Wohnung zu mieten, muss man in Bad Tölz-Wolfratshausen tief in die Tasche greifen. (Symbolfoto)
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Um eine Wohnung zu mieten, muss man in Bad Tölz-Wolfratshausen tief in die Tasche greifen. (Symbolfoto)

Wohnungspreise steigen immer weiter

Hartz IV und Sozialhilfe: Landkreis in Oberbayern hebt Obergrenze für Mieten an

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Die Wohnungspreise in Bad Tölz-Wolfratshausen steigen immer weiter. Deswegen übernimmt der Landkreis künftig für Bedürftige deutlich höhere Mieten als bisher.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Jeder, der schon einmal auf Wohnungssuche war, kann ein Lied davon singen: Im Landkreis etwas Bezahlbares zu finden, ist extrem schwierig. Ein Schlaglicht auf diese Lage warf am Montag eine Debatte im Kreis-Sozialausschuss. Dort ging es um die Frage, wie viel eine vom Landkreis bezahlte Mietwohnung für Hartz-IV- oder Sozialhilfe-Empfänger höchstens kosten darf. Die Obergrenzen wurden deutlich angehoben.

Wohnung in Bad Tölz-Wolfratshausen: Am teuersten ist es im „Raum Nordwest“

Die aktuell geltenden Höchstwerte traten am 1. Juni 2017 in Kraft. Die Richtlinie müsse regelmäßig überprüft und angepasst werden, wie Sozialamtsleiter Thomas Bigl den Kreisräten erläuterte. Und in vier Jahren spitzte sich die Lage auf dem Mietmarkt weiter zu. „Das Mietpreisniveau steigerte sich bei Neuvermietungen von durchschnittlich 9,50 auf 11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter“, berichtete Bigl. Bestandswohnungen hingegen seien vom Preis her „relativ konstant“ geblieben.

Im Auftrag des Landratsamts wertete ein Berliner Büro von Frühjahr 2019 bis Frühjahr 2021 insgesamt 1937 öffentliche Mietangebote im Landkreis aus – „von ganz billig bis luxuriös“, so Bigl. Die dort aufgerufenen Durchschnittspreise wurden für drei getrennte Gebiete aufgeschlüsselt, zwischen denen es ein Preisgefälle gibt. Am teuersten ist es im „Raum Nordwest“, der die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Gemeinden Icking und Münsing umfasst. Vergleichsweise günstiger ist es im „Raum Süd“ mit Lenggries, Gaißach, der Jachenau und den Loisachtal-Gemeinden. In der Mitte liegen Bad Tölz und die umliegenden Gemeinden.

Wohnungssuche: Die meisten Mietangebote in Bad Tölz-Wolfratshausen gibt‘s unter der Hand

An der statistischen Grundlage für die Mietobergrenzen, die der Landkreis bezahlt, ist laut Gesetz nicht zu rütteln. Der Ausschuss hatte nur eine Entscheidung zu treffen: Setzt man die Mietobergrenze anhand des unteren Drittels des Mietmarkts, wie bisher? Oder zieht man nur das untere Viertel in Betracht? Auf Bigls Rat votierte der Ausschuss für Letzteres.

Der Sozialamtsleiter rechnete vor: Im Landkreis seien rund 4000 Personen berechtigt, sich vom Amt die Miete bezahlen zu lassen. „Das macht zur Gesamtbevölkerung nur 3,5 Prozent aus“, so Bigl. Im Verhältnis dazu sei ein Viertel des Angebots ausreichend groß. „In der Praxis im Jobcenter zeigt sich auch, dass viele zu den bestehenden Mietobergrenzen noch eine Wohnung finden“, sagte Bigl, der anmerkte, dass die im Internet und in Zeitungen ausgeschriebenen Wohnungen nur einen kleinen Teil des Marktes ausmachten. „Als Vermieter kann man das fast nicht machen, weil man sonst überrannt wird.“ Die meisten Vermietungen liefen „unter der Hand“.

Bei einer höheren Mietobergrenze bestehe zudem die Gefahr, dass Vermieter den Mietpreis „rückwärts“ auf dieser Basis festlegen. Und zahle das Amt zu hohe Mieten, werde es auch für die vielen Menschen, die ohne staatlichen Zuschuss eine günstige Wohnung brauchen, noch schwieriger.

Miet-Obergrenze: Für alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger bis zu 590 Euro übernommen

Das Ergebnis all dessen: Ab 1. Januar 2022 bezahlt der Landkreis nun für einen alleinstehenden Fürsorgeempfänger im „Raum Nordwest“ bis zu 590 Euro Kaltmiete für eine 50-Quadratmeter-Wohnung. Bisher lag die Obergrenze bei 470 Euro. Bei einer fünfköpfigen Bedarfsgemeinschaft geht es hinauf auf bis zu 1100 Euro für eine 105-Quadratmeter-Wohnung (bisher: bis 920 Euro).

Wie Bigl ergänzte, zahlt das Amt bis zu diesen Summen, ohne weiter nachzubohren. Findet ein Hartz-IV-Empfänger eine teurere Wohnung, kann die Miete nach Einzelfallprüfung dennoch übernommen werden – „wenn es zum Beispiel besondere Anforderungen an Barrierefreiheit gibt“, so Bigl.

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