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„Man kann keinen zivilisierten Menschen hereinlassen.“: Das ehemalige Schwesternwohnheim neben der Tölzer Asklepios-Stadtklinik.

Mieter beschweren sich

Tölzer Klinik-Wohnheim: „Heruntergekommen und verschmutzt“

Die Aufzüge funktionieren nicht, Gänge und Fenster sind verdreckt. Kein Wunder, dass die Mieter im Personalwohnheim der Tölzer Asklepios-Stadtklinik von einem heruntergekommenen Haus sprechen. Der Konzern investiert angeblich jährlich 100000 Euro in den Bauunterhalt.

Bad Tölz Gebaut wurde es einst für die Krankenschwestern des Tölzer Versorgungskrankenhauses und trägt daher auch seinen Namen: das Schwesternwohnheim. Das wuchtige Gebäude neben der Asklepios-Stadtklinik, eröffnet 1968, ist allerdings in die Jahre gekommen.

Einige von den rund 120 Bewohner in den 50 Appartements haben sich jetzt mit Beschwerden an den Tölzer Kurier gewandt, dass das Haus immer mehr verschmutze und herunterkomme, und der Klinikbetreiber Asklepios trotz der Klagen nichts dagegen unternehme.

Der Personalaufzug geht seit über 10 Jahren nicht mehr. Der Lastenaufzug hat Mitte Januar seinen Geist aufgegeben.

Die Beschwerdeführer wollten aus Sorge vor Kündigungen oder Schikanen anonym bleiben, haben aber zahlreiche Fotos vorgelegt, die ihre Behauptungen genauso belegen wie ein Besuch vor Ort. Die Flure seien seit August nicht mehr gestaubsaugt worden, geschweige denn geputzt. Die Fenster im Treppenhaus würden nie geputzt, Lampenabdeckungen fehlten. An den Gangwänden setzt Grünspan an. Dadurch, dass die Flure nicht gänzlich abgeschlossen sind, kommen teilweise Tauben herein und verschmutzen alles. Die öffentlich zugänglichen Toiletten im Untergeschoß spotteten jeder Beschreibung.

„Man kann keinen zivilisierten Menschen in das Haus lassen“, fasst es einer der Mieter zusammen. Auch funktioniere der Personalaufzug seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Der einzig verbliebene Lastenaufzug in dem fünfstöckigen Gebäude hat Mitte Januar seinen Geist aufgegeben. Für Abhilfe werde nicht gesorgt. Und das alles bei einem Mietpreis von fast elf Euro warm, klagen die Mieter.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, räumte der Pressesprecher von Asklepios Bad Tölz, Christopher Horn ein, dass „der bauliche Zustand des Gebäudes in der Tat nicht optimal ist“. Das Haus, in dem laut Asklepios 100 von 550 Mitarbeitern „bezahlbarer Wohnraum in direkter Nähe zum Arbeitsplatz in einer der teuersten Regionen Bayern“ angeboten wird, sei aber 2005 vom Freistaat Bayern übernommen worden und in einem baulich sehr schlechten Zustand gewesen.

Die Flure: An den Wänden Grünspan, die Böden laut Mieter seit August nicht gestaubsaugt. 

Man habe daraufhin renoviert und investiere seit der Übernahme jährlich 100 000 Euro, so der Konzern in der schriftlichen Antwort. Die Nachfrage, warum dann der Aufzug bis heute nicht repariert ist, wollte Horn nicht beantworten: „Mehr können wir dazu nicht sagen.“

Das tun dafür die Mieter, die die Behauptung, das Haus sei in einem schlechten Zustand vom Freistaat übergeben worden, geradezu lächerlich finden. „Das Gebäude war in bestem Zustand“, erzählt einer. Der andere weiß, dass die Geschäftsführung damals jede Woche einmal durchs Haus gegangen sei, um alles zu inspizieren. Von der neuen Geschäftsleitung sei hingegen noch nie jemand da gewesen.

Die Mieter erinnern daran, dass der frühere Klinik-Geschäftsführer, Arnulf Mehren, bei der Weihnachtsfeier vor drei Jahren angekündigt habe, dass das Personalhaus renoviert werde. Das Geld dafür liege bereit. Dann ging er in Ruhestand und eine neue Geschäftsführung übernahm. Passiert sei seitdem nichts.

Christoph Schnitzer

  

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