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Im einzigartigen Ambiente der Alten Madlschule findet Theater, Kabarett und Kleinkunst seit 30 Jahren den idealen Nährboden. Die Besucher lieben das Haus.

Aufatmen bei Mietern

Reaktion auf geplatzen Tölzer Immobiliendeal: „Juchuuu...“

Aufatmen und Freude bei allen Mietern der städtischen Immobilien Madlschule und Franziskuszentrum. Nach der Ablehnung des Immobilientauschs mit der Kirche bleibt die Stadt ihr Vermieter.

Bad Tölz – „Juchuuu“ steht lapidar im Antwortmail von Sepp Müller von der „Lust“. Der Tölzer Kulturverein ist seit 1989 in der Madlschule beheimatet und hat einen Standortwechsel immer abgelehnt. Warum, das formuliert Lust-Vorsitzende Jeanette Stahlberg so: „Auf den alten Brettern spielt und tanzt es sich einfach am besten. Wir sind glücklich über die Entscheidung des Stadtrats.“

Das Gremium hatte wie berichtet beschlossen, von einem angedachten Immobilientausch mit der Kirche – Franzmühle gegen Madlschule und Franziskuszentrum – Abstand zu nehmen. Auch für den früheren Lust-Vorstand Ludwig Retzer wäre der Charme des alten Schulhauses „mit seinen knarzenden Treppen“ und gemütlichen Räumen unersetzlich. Für Retzer ist die Madlschule eine „jahrzehntelange Heimat“.

Mit die erste Mieterin war 1988 Sabine Brandhuber, die seitdem dort eine Ballettschule betreibt. Sie berichtet von einer Kollegin aus Russland, die in Moskau und Petersburg ausgebildet wurde und der in dem alten Gebäude stets „ein Hauch von Bolschoi-Theater“ entgegenweht. Sie fühle sich, so wiederholt Brandhuber ihre Worte, immer ein bisschen wie zuhause. Auch Brandhuber mag das spezielle Flair der Madlschule und schätzt das gute Miteinander der Mieter. „Es ist eine tolle Symbiose.“ Die überregionale Wirkung des Kulturzentrums sei auch nicht zu unterschätzen. „Tölz darf stolz sein auf so ein Haus.“

Nüchtern-pragmatisch betrachtet Martin Hinterholzer vom Tölzer Spielmannszug den Stadtratsbeschluss: „Passt doch!“, meint er trocken. Die Spielleute der Tölzer Schützenkompanie haben seit vielen Jahren ihren Probenraum in dem Gebäude am Frauenfreithof. Der Raum ist relativ hoch und war deshalb schalltechnisch gut auszubauen. Ein Alternativstandort wäre nicht so einfach zu finden gewesen.

Auch die Theatergruppe „Komische Gesellschaft“ probt und spielt seit Jahren in der Madlschule. Vorsitzende Verena Peck hat aufmerksam die Pressemitteilung der Stadt zum Verbleib der Madlschule in städtischer Hand gelesen. Ihr gefällt vor allem der Satz: „Die Stadt besitzt mit der Madlschule eine für die Tölzer Kunst optimales und gern genutztes Objekt“, für das keine Veränderung angedacht sei. Das seien letztlich genau die Worte der Kultureinrichtungen gewesen, als die Pläne für den Immobilientausch aufgekommen waren. Der Satz sei goldrichtig und man werde ihn sich gut merken.

Nicht nur die Mieter der Madlschule, sondern auch die Einrichtungen im Franziskuszentrum sind sehr zufrieden, dass alles bleibt, wie es ist. Thomas Faller von der Caritas lobt die Zusammenarbeit mit dem Vermieter Stadt in den höchsten Tönen. „Das funktioniert auf allen Ebenen von oben nach unten hervorragend.“ Es seien immer kurze Wege.

Stadtpfarrer Peter Demmelmair hätte von dem sogenannten Ringtausch profitiert, weil die Pfarrei Maria Himmelfahrt mit der Madlschule die lange gewünschten Erweiterungsmöglichkeiten bekommen hätte. „Man dachte der Tausch könnte eine win-win-Situation sein. Das hat man nun geprüft und verneint. Gut so.“ Er habe dieses Ergebnis ehrlich gesagt schon erwartet.

Christoph Schnitzer

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