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Bei den mitreißenden und kreativen Darbietungen der „Alpin Drums“ dauerte es im Kurhaus nicht lange, bis das Publikum Feuer fing.

Konzert im Kurhaus

Milchkannen-Spektakel mit dem „Alpin Drums“

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Ein Musikspektakel der anderen Art erlebten rund 300 Zuhörer im Kurhaus am Mittwochabend. Die „Alpin Drums“ begeisterten mit unglaublicher Kreativität.

Bad Tölz – Was haben eine Sense, Hundespielzeug, Kochlöffel und eine Tube Zahnpasta gemeinsam? Sie eignen sich wunderbar zum Musikmachen. Klingt unglaublich? Die „Alpin Drums“ zeigten am Mittwoch im Kurhaus, dass das geht.

Der erste Blick geht zur Bühne. Vier Holzkästen, zwei Fässer, zwei Milchkannen sowie Sensen liegen auf dem Boden. Für die perfekte Inszenierung sorgt „Alpin Drums“-Gründer Toni Bartl. Er hat das Quartett zusammengestellt und bringt den Rhythmus der Alpen in die Konzertsäle.

Zum Auftakt haben sich Hans Mühlegg, Jörg Regenbogen, Bodo Matzkeit und Raimund Bierling Schemel an die Füße geschnallt, mit denen sie im Rhythmus auf den Boden klopfen. Noch klatscht das Publikum nach Aufforderung nur zögerlich mit. Aber nach nicht einmal einer Viertelstunde gibt es tosenden Applaus und Gejohle, das Kurhaus hat Feuer gefangen – spätestens nachdem Mühlegg seinen Hüftschwung ausgepackt und Regenbogen mit einem Eimer auf dem Kopf einen flotten Tanz aufs Parkett gelegt hat.

Weiter geht es mit einem Stück auf der Milchkanne: Klopfen die Musiker auf Deckel, Henkel, Bauch und Boden, entstehen ganz unterschiedliche Geräusche. Nicht nur die Rhythmen passen zusammen. Die Choreographien sind perfekt abgestimmt, das Licht tut sein Übriges, und Raucheffekte gibt es auch.

Immer wieder offenbart vor allem Matzkeit sein komödiantisches Talent: Als mehr oder weniger Französisch parlierender „Louis“ führt er durchs Programm, sorgt mit seiner Mimik sowie witzigen Überraschungseffekten immer wieder für Lacher – wenn er beispielsweise plötzlich aus einer großen Kiste zum Vorschein kommt.

Erstaunlich, wie es die Musiker schaffen, mit diesen Instrumenten auch bekannte Melodien klar erkennbar wiederzugeben: „Narcotic“ von Liquido, „Tequila“ von den Champs oder auch „Jingle Bells“ und „El Condor Pasa“, gespielt auf Glocken, Blumentöpfen und von Fußbällen, in denen Trillerpfeifen stecken. Wer hätte gedacht, dass das Geräusch mehrerer Korken, die man aus Rotweinflaschen zieht, ein Lied ergeben? Oder dass man Meterstäbe so knicken kann, dass sie sich wunderbar zum Klatschen eignen? Und Heimwerker sollten wissen, dass man mit Akkubohrern Musik machen kann, wie es die vier Protagonisten in der „Werkzeugkoffer-Nummer“ zeigen. Dann haben Mühlegg, Regenbogen, Matzkeit und Bierling plötzlich Kochmützen auf und zaubern Rhythmen aus Küchengeräten: Messer, Spülbürste, Bretter. Im nächsten Moment entpuppt sich ein Stuhl als eine Gitarre.

Rasend schnell geht es von einem Thema zum anderen. Was die „Blue Man Group“ kann, können die „Alpin Drums“ auch: Abflussrohre als Trommeln verwenden. Und das ergibt beispielsweise das Lied „Axel F“ von Harold Faltermeyer (den Titelsong von „Beverly Hills Cop“), das in eine immer lautere und schnellere Samba-Version à la Karneval in Rio übergeht.

Zum Schluss jubelt das Publikum, und es gibt zwei Zugaben: Mit Bierbänken und – mit Schlafmützen bekleidet – mit Zahnputzbechern und Zahnbürsten.

Mühlegg spielt „Guten Abend, gute Nacht“ auf einer Zahnpastatube. Dann ist ein faszinierender Konzertabend vorbei, und das Publikum beklatscht die vier Profimusiker begeistert.

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