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Schwergewichtige Architektur: Die wuchtige Betontreppe zwischen Förder- und Realschule wird demnächst abgerissen und durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Im Bildzentrum Förderschulleiter Klaus Koch. 

Tölzer Real- und Förderschule

Wenn der Beton tropft

Die millionenteuren Sanierungsarbeiten  an der Tölzer Real- und Förderschule werden fortgesetzt. Teilweise tropft es durch die Betondecken.

Bad Tölz– „An der Stelle“, sagt Förderschulleiter Klaus Koch, und deutet auf einen Fleck am Betonboden in der leer geräumten Schulküche, „hat schon ein Lehrer, der längst in Pension ist, immer einen Eimer gestellt, weil’s reingeregnet hat.“ Damit soll es bald vorbei sein. Vor wenigen Tagen hat der Kreis-Bauausschuss mit einem 13:0-Beschluss über vier Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln für die Sanierung des Schulkomplexes bereitgestellt.

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Fast noch wichtiger für Schüler, Eltern und Lehrer: Die Maßnahmen haben bereits begonnen. Vor der wuchtigen Eingangstreppe der Schule hat ein Bagger vier betonierte Fundamentpfeiler freigelegt, auf denen der große Baukran aufgestellt wird. Nur von diesem zentralen Standort aus können Abraum, Materialien, Gerüste und Baumaschinen an die richtige Stelle gehoben werden. Das Anfang der 1970er-Jahre eingeweihte Schulgebäude, das sich, so Koch, „kaskadenartig“ über den Hang zum Sportplatz hinunter ausbreitet, lässt zwar recht elegant riesige Räume wie eine Turnhalle und ein Schwimmbad verschwinden. Die Statik des Gebäudes aber ist kompliziert. Die Baufahrzeuge können beispielsweise den Pausenhof nicht einfach als Zufahrtsfläche nutzen. Der Boden ist gleichzeitig Flachdach aus Beton. Er ist in die Jahre gekommen und marode. Auch die Schulküche der Förderschule ist aus diesem Grund schon lange nicht mehr verwendbar. Bei Regen tropft’s.

Die nun beginnenden Arbeiten gehören zur Gesamtmaßnahme „Sanierung von Real- und Förderschule“, die größtenteils schon abgeschlossen ist. Aber auch die Restarbeiten haben es in sich. Im Sommer wird die markante Treppenanlage aus Beton zum Sportplatz hin abgerissen. „Die Teile sind unglaublich schwer“, sagt Hauptamtsleiter René Beysel vom Landratsamt. Die künftige Stahltreppe habe deutlich weniger Gewicht und werde der Statik des Gebäudes gut tun.

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Direkt vor der Treppe befindet sich der großzügige Pausenhof. Auch hier muss aufwendig und kompliziert gearbeitet werden. So muss etwa der viele Meter tiefer Lichtschacht für die darunter befindlichen Turnhalle aufgegraben werden, um die durch Streusalz-Wasser stark chloridbelastete Seitenwand der Halle sanieren zu können. Logisch, dass zur Betonsanierung der Decken auch eine Erneuerung der Beläge und ein Neuaufbau mit Entwässerung gehört. Der Pausenhof soll künftig zumindest teilweise überdacht sein.

Im Frühjahr 2021, sagt der Schulleiter, werde auch die Aula, deren Decken teilweise freigelegt sind, ein neues Gesicht erhalten. Koch freut sich jetzt schon, wenn die Umbenennung seiner Schule in Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule dann auch optisch im Eingangsbereich und Aula in Szene gesetzt wird.

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Zwar hoffe man schon viele Jahre auf die Sanierung, sagt Koch. Für den Schulbetrieb des kommenden Jahres seien aber doch „schmerzhafte Einschnitte“ zu erwarten. Und vermutlich weitere Diskussionen. Der Spielplatz, den die Schule mit viel Engagement geschaffen hat und dafür ausgezeichnet wurde, sollte eigentlich einem Fluchtweg weichen. Koch: „Das ist eine Oase. Da waren wir strikt dagegen.“ „Der Spielplatz bleibt erhalten“, sagt Beysel jetzt dazu.

Ende 2021 ist laut Plan das Ende der Maßnahmen vorgesehen. Dann stünde eigentlich als allerletzte Maßnahme die einmal mehr zurückgestellte Sanierung des Schwimmbads an. Dessen Betonbecken ist gleichzeitig wichtiges tragendes Element des Schulgebäudes. Der Beton müsste dennoch saniert werden. Ob das in Zeiten der Corona-Krise und ihrer wirtschaftlichen Folgen dann ab 2022 wirklich geschieht, ist allerdings zweifelhaft. Im Finanzplan, sagt Hauptamtsleiter René Beysel, stehe es jedenfalls.

Von Christoph Schnitzer

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