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Symbolbild

Amtsgericht

Mit Besenstiel für Ruhe gesorgt

An einer lauten Unterhaltung störte sich ein Tölzer (47) - und schlug mit einem Besenstiel nach zwei jungen Burschen. Jetzt wurde der Vorfall am Amtsgericht verhandelt.

Bad Tölz/WolfratshausenBei ihrem täglichen Morgengebet fühlen sich ein Tölzer (47) und dessen Ehefrau (47) von der lauten Unterhaltung vor dem Haus erheblich gestört. Als der Mann um kurz nach 6 Uhr in der Früh zwei junge Burschen auffordern will, Ruhe zu geben, und dazu einen Besenstiel mit nach draußen nimmt, eskaliert die Situation. Nun wurde der Familienvater vom Amtsgericht Wolfratshausen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Laut Anklageschrift soll der Beschuldigte einem 23 Jahre alten Tölzer zwei Mal mit dem Holzstiel gegen den Kopf geschlagen haben. Daraufhin habe der Geschädigte ihm ein Fahrrad vor die Füße geworfen. Es kam zu einer Rangelei, bei der sich beide Streithähne im Schwitzkasten genommen und zu Boden gerungen haben. Auf dem Burschen sitzend habe er dem Jüngeren geschlagen, ein weiterer Jugendlicher (19) habe den Angeklagten schließlich von seinem Freund heruntergezogen und ihn von hinten umklammert. Der 23-Jährige soll daraufhin dem Beschuldigten ins Gesicht geschlagen haben, was dieser mit gleicher Münze zurückgezahlt habe.

Der Mann auf der Anklagebank schilderte dem Gericht aufgeregt und detailreich, wie er an jenem Sonntagmorgen Ende August vorigen Jahres versucht habe, Ruhe herzustellen. „Ich sage, sie sollen ruhiger sein. Aber sie haben gemeint, sie seien nicht laut. Außerdem wohnten sie dort“, so der Beschuldigte. „Die waren voll aggressiv.“ Deshalb sei er schließlich rausgegangen. „Aber ich habe mit dem Stock nicht geschlagen. Ich wollte mich damit schützen.“

Je länger der Mann redete, umso mehr Unverständnis erntete er von dem Mann in schwarzer Robe, der seine Ausführungen kopfschüttelnd erwiderte. „Ich kapier’s nicht. Wenn die nicht weggehen, gehe ich nicht hin. Da kann ich mir an fünf Fingern abzählen, was dabei raus kommt“, so Richter Helmut Berger.

Das ausgiebige Gerangel – inklusive des umgestürzten oder geworfenen Fahrrads und der Schläge am Schluss – spielte letztlich für die Urteilsfindung keine Rolle. Eine Verurteilung hing einzig am Einsatz des Besenstiels. Mit beiden Händen hätte der Angeklagte den Stiel umfasst und sei damit wedelnd auf ihn zugestürmt, schilderte der 23-Jährige den Vorfall aus seiner Sicht. Dabei habe er ihn zweimal an der Schläfe erwischt. Vom Arzt waren dem Geschädigten eine Jochbeinprellung und ein Hämatom am Auge attestiert worden.

Sieben Zeugen später kamen Staatsanwaltschaft und Gericht schließlich zu der Überzeugung, dass die Aussagen des Geschädigten der Wahrheit entsprachen. „Die ersten Schläge kamen unvermittelt vom Angeklagten“, stellte die Staatsanwältin fest. „In so einer Situation ist es geboten die Polizei zu rufen und nicht Selbstjustiz zu üben, indem man einen Stock aus dem Keller holt und auf betrunkene Jugendliche einschlägt.“ Sie beantragte, eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten gegen den Tölzer zu verhängen.

Die Verteidigerin sah „eine erhebliche Diskrepanz“ in den Aussagen der zwei jungen Tatbeteiligten, weshalb der Tathergang nicht eindeutig zu ermitteln und ihr Mandant freizusprechen sei. „Ich bereue, dass ich da rausgegangen bin“, beteuerte der Angeklagte in seinem Schlusswort.

Richter Helmut Berger wertete die Sache als „minderschweren Fall“ und verurteilte den Tölzer zu sechs Monaten auf Bewährung sowie zu einer Zahlung von 2000 Euro an die Lebenshilfe. „Ihren Ärger kann ich nachvollziehen. Aber was ich auf keinen Fall mache, ist, das Recht in die eigene Hand nehmen“, hielt Berger dem Verurteilten vor und stellte fest: „Die Gewalt bringen Sie rein, indem sie den Stock aus dem Keller holen.“ Rudi Stallein

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