Statue der Justitia - Musterfeststellungsklage
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Ein Tölzer stand nun in Wolfratshausen vor dem Amtsgericht. 

Verhandlung am Amtsgericht

Mit Drogen und Waffen erwischt: Tölzer muss in den Knast

  • vonRudi Stallein
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Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt ein Tölzer immer wieder die Justiz. Jetzt muss der 38-Jährige in Haft. 

Bad Tölz/Wolfratshausen –Als sich abzeichnet, dass der Angeklagte nicht um eine Haftstrafe herumkommen wird, wischt sich seine Mutter mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. „Das pack’ ich nicht, ich muss hier raus“, murmelt die Frau und eilt aus dem Gerichtssaal. Sie hat viel mitgemacht, mit ihrem Sohn. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt der Maler regelmäßig die Justiz.

Jetzt ist er 38 und sein Vorstrafenregister auf 16 Einträge gewachsen. Zuletzt war er im November 2018 vom Amtsgericht Miesbach wegen Besitz von Betäubungsmitteln und dem Mitführen einer verbotenen Waffe zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Nur fünf Monate später lief er der Polizei wieder in die Arme – mit Drogen und verbotenen Waffen im Rucksack. „Das ist einfach nur Gleichgültigkeit, eine andere Erklärung finde ich nicht“, bemerkte Richter Helmut Berger. Er verurteilte den Tölzer zu weiteren acht Monaten Gefängnis – ohne Bewährung.

Angeklagter: „Ich habe nur für den eigenen Vorrat gekauft.“

Der Angeklagte war extrem aufgekratzt. Mehrmals schüttelte er während der Urteilsverkündung den Kopf. Wie schon bei der Verlesung der Anklageschrift. Neben Beleidigung – er hatte an der Isarpromenade drei Mitarbeitern des Ordnungsamts einen Vogel und den Mittelfinger gezeigt – legte ihm die Staatsanwaltschaft Handeln mit Betäubungsmitteln zur Last. Die 8,25 Gramm Haschisch, 1,9 Gramm Marihuana sowie 7,55 Gramm Amphetamine, die bei ihm gefunden wurden, waren in kleinen Plastikbeuteln verpackt. Für die Ermittler ein Indiz dafür, dass der Beschuldigte die Drogen weiterverkaufen wollte. Der arbeitslose Maler beteuerte jedoch: „Ich habe nur für den eigenen Vorrat gekauft.“

Tölzer hat Sammelleidenschaft für Messer, Schwerter und Äxte

An jenem Tag Ende März 2019 sei ihm Hartz IV ausgezahlt worden, den größten Teil habe er gleich in Drogen angelegt. Für drei Wochen sollte der Vorrat reichen. Doch schon auf dem Heimweg musste er vor der Polizei seinen Rucksack leeren. Das Messer, das er darin mit sich führte begründete er mit seiner „Sammelleidenschaft für Messer, Schwerter und Äxte“. Dass er auch eine Pistole in der Tasche hatte, „war dumm und blöd von mir, leichtsinnig und bescheuert“.

Die zunächst abgestrittene Beleidigung räumte er nach der Anhörung eines Zeugen ein. Er hatte den Vorfall verwechselt. „Ich bin dabei, mein Leben in den Griff zu kriegen, ich versuche ja alles, mit Arbeit, Wohnung und so“, beteuerte der Angeklagte. „Ich hoffe sehr, dass ich noch einmal mit einem blauen Auge davonkomme.“

Verteidiger bittet darum, Gnade vor Recht ergehen zu lassen

Verteidiger Andreas Sander, bat das Gericht darum, „den mentalen Zustand, in den sich der Angeklagte durch jahrelangen Drogenkonsum gebracht hat“, gebührend zu würdigen und noch einmal „Gnade vor Recht“ ergehen zu lassen.

Dafür sah das Gericht angesichts von insgesamt zwei offenen Bewährungen, die dem Tölzer bei seinen jüngsten Verhandlungen zuteil geworden waren, keine Veranlassung. „Er kann sich einfach nicht an die Rechtsordnung halten“, begründete Richter Helmut Berger sein Urteil. „Mir bleibt nichts übrig, als ihn einzusperren.“

Auf dem Gerichtsflur wartet die Mutter des Angeklagten. Ihre schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Der Sohn versucht, sie zu beruhigen: „Mama, es ist noch nichts passiert. Wir gehen in Berufung.“  rst

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