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Klaus Wittman freut sich auf die nächste Lesung am 28. Oktober. Dann trägt er „Die Bernauerin“ vor.

„Bairisches Welttheater“

Mit Profi-Sprecher Klaus Wittmann: Orff-Zyklus feiert Premiere in Tölz

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Auf die Aufführung der „Bernauerin“ im Marionettentheater können Kulturinteressierte gespannt sein. Das Projekt des Tölzer Profi-Sprechers Klaus Wittmann ist deutschlandweit etwas Einmaliges.

Bad Tölz – Carl Orff bringtman heutzutage vor allem mit den „Carmina Burana“ in Verbindung, einige Musikliebhaber werden zudem die Opern „Der Mond“ und „Die Kluge“ kennen, vielleicht sogar noch das antike Trauerspiel „Antigonae“. Aber welche vier Werke werden unter dem Oberbegriff „Bairisches Welttheater“ zusammengefasst? Da kommt man dann doch schnell ins Grübeln.

Klaus Wittmann ist ein Coup gelungen: Der Tölzer Profi-Sprecher hat mit dem Schott-Verlag, der die Rechte an sämtlichen Orff-Werken besitzt, verhandelt und im Sommer die Erlaubnis bekommen, das gesamte „Bairische Welttheater“ in Form von Lesungen aufzuführen. „Damit bin ich in ganz Deutschland der Einzige“, freut sich der 48-Jährige. Start des Zyklus’ ist in Bad Tölz.

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Das „Bairische Welttheater“ umfasst vier Stücke: „Die Bernauerin“ und „Astutuli“ sowie ein Oster- und ein Weihnachtsspiel. „Sie werden leider nur noch seltenst beziehungsweise gar nicht mehr aufgeführt“, bedauert Wittmann.

Klaus Wittmann hat zu Orff eine enge Verbindung. Vor vielen Jahren erhielt er Schauspielunterricht von Orffs Tochter Godela in deren Elternhaus. „Sie wusste viel Interessantes über ihren Vater und dessen Werke zu berichten“, erinnert sich Wittmann, der sich nach Godelas Tod mit deren Buch „Mein Vater und ich“ auseinandersetzte. Darin berichtet Godela unter anderem von der Entstehung einiger Werke. Zu Orffs 120. Geburtstag lud Wittmann 2015 in Tölz zu einer Lesung daraus ein.

Wittmanns Faszination für Orff ist bis heute ungebrochen. Und es ist ihm ein großes Anliegen, die Werke des Komponisten auch jenseits der „Carmina Burana“ im kulturellen Betrieb am Leben zu erhalten. „Ich möchte, dass die Werke von Orff nicht in Vergessenheit geraten.“

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Zum Schott-Verlag pflegt Wittmann seit Jahren gute Kontakte. Trotzdem freut es ihn, dass er als „Wald-und-Wiesen-Sprecher“, wie sich der Tölzer selbst scherzend bezeichnet, nun die Rechte für das gesamte „Bairische Welttheater“ bekommen hat. „Der Verlag verhandelt mit allen großen Staatsbühnen auf dieser Welt, vor allem wegen der ,Carmina Burana‘“, sagt Klaus Wittmann. „Dass ich da auch wahrgenommen werde, freut mich sehr.“

Wittmann führt die vier Stücke so auf, „wie Orff es auch gemacht hat“. Durch seine Kontakte ist er an historische Originalaufnahmen gelangt und hat sich intensiv eingearbeitet. Das Osterspiel und „Astutuli“ hat Wittmann heuer in Tölz schon aufgeführt (wir berichteten), nun folgt am Sonntag, 28. Oktober, „Die Bernauerin“ im Marionettentheater. In Tölz ist es also wieder eine Premiere.

„Die Bernauerin“ erzählt die dramatische Liebesgeschichte von Herzog Albrecht III, der sich in die Baderstochter Agnes Bernauer verliebt und sie heimlich heiratet. Vater Herzog Ernst gefällt das gar nicht. Als Albrecht den Gehorsam verweigert, wird die junge Frau anno 1435 bei Straubing in der Donau ertränkt.

Dieses Werk, uraufgeführt 1947, wurde von Orff eigentlich als Musik-Oper komponiert. „Diese Stücke werden aber heute kaum noch aufgeführt, es ist den Schauspielhäusern zu kostenintensiv“, sagt Wittmann. Er weiß, dass Orff es auch rein textlich vorgetragen hat, und hat deshalb diese Form gewählt. „Der theatralische Bogen im Text ist sehr stark.“

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Das Besondere in Orffs Werk ist die altbairische Sprache. Orff fiel das bekannte „Bayerische Wörterbuch“ von Johann Andreas Schmeller (erstellt 1827 bis 1837) in die Hände. „Es diente ihm als Fundus“, erklärt Wittmann und nennt als Beispiele Wörter wie „amixl“ für Amsel, „Immen“ für Biene und „Welschland“ für Ausland.

Bei der Einarbeitung studiert Wittmann Wort für Wort. Er schreibt das ganze Stück sogar noch ab. „Aus den alten Aufnahmen kann ich heraushören, wie Orff es selbst betont hat.“ Gab es bei „Astutuli“ vorab eine Einführung, wird Wittman für die „Bernauerin“ ein Begleitheft schreiben. „Das ist ein Werk, das muss man auf sich zukommen lassen. Sicher will man danach noch etwas nachschlagen.“

Die Aufführung des „Bairischen Welttheaters“ beschränkt sich vorerst aufs Tölzer Land. Am 8. November wird Wittmann im Kloster Benediktbeuern nochmal „Astutuli“ vortragen (Maierhof; Fachberatung Heimatpflege), am 28. Dezember wird er im Tölzer Marionettentheater das „Weihnachtsspiel“ lesen. Damit hat Wittmann dann alle vier Werke heuer in Tölz aufgeführt. Weitere Termine für 2019 sind übrigens schon in Planung.

Auf Wittmanns Engagement ist auch schon der Bayerische Rundfunk aufmerksam geworden. Zudem steht der Tölzer in Kontakt mit den Verantwortlichen der Carl-Orff-Festspiele in Andechs. Scheint Wittmanns Rechnung aufzugehen, Orffs Werke als Lesungen am Leben zu erhalten? „Schau’ mer mal“, sagt der Tölzer lächelnd.

Aufführung

der „Bernauerin“ am Sonntag, 28. Oktober, um 19.30 Uhr im Marionettentheater.

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