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Kein Neuland: Thomas Fritzmeier geht auch bei Schnee und Eis paddeln – hier auf dem Walchensee.

Rekordversuch

Das Board gibt den Kick

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Thomas Fritzmeier macht gerne mal was Neues. Jetzt macht der Tölzer etwas, das noch niemand vor ihm gemacht hat. Es hängt mit dem Ojos de Salado zusammen, dem höchsten Bergsee der Welt. Und einem Stand-up-Paddelbord. 

Bad Tölz– Natürlich hat er Schiss. Ehrfurcht. Bammel vor der Herausforderung. Den Unwägbarkeiten bei seinem Rekordversuch. „Da kann so viel schief gehen. Wenn ich keinen Schiss hätte, könnte ich daheim bleiben und auf dem Walchensee paddeln“, sagt Thomas Fritzmeier. Das soll nicht heißen, dass der Tölzer etwas gegen die heimische Region und ihre Seen hätte. Im Gegenteil. Er hat mit seinem SUP (Stand-up-Paddelboard) schon so ziemlich jeden Bergsee in Oberbayern und Tirol befahren. Aber das hier ist etwas anderes: Der 36-Jährige möchte auf dem Ojos de Salado paddeln, dem höchsten Bergsee der Welt unterhalb des gleichnamigen Vulkans. Start des Abenteuers: Ende Oktober.

Auf ins Abenteuer: Thomas Fritzmeier (re.) mit Freundin Simone Bronnhuber, die die Planung strukturiert.

Aber er fliegt nicht einfach nach Bolivien, steigt auf den Berg, wassert sein Board, das er zuvor aufgepumpt hat. Nein, dem Höhepunkt des Abenteuers im Herzen der Anden, in der Bergwelt Boliviens und Nordchiles, geht eine Vier-Wochen-Tour voraus. Höhengewöhnung mit etlichen Gipfel-Besteigungen und Wanderungen. Akribische Vorbereitung, die streng genommen bereits seit Monaten läuft: Daheim schläft er seit einiger Zeit unter einem Höhenzelt, das sauerstoffarme Luft simuliert.

Mit dem SUP auf den höchsten See der Welt

Er selbst gehe an die Sache relativ unbedarft, spontan heran. Fritzmeier, früher Eishockey-Profi in Tölz und anderen Zweitliga-Vereinen, dann Mitarbeiter beim Tölzer Kurier und später Sportredakteur bei den Schongauer Nachrichten, ist keiner, der alles bis ins Detail plant. Das macht schon eher Freundin Simone Bronnhuber (31) aus Aislingen, die ihn auf der Expedition begleitet und Fotos macht. Ebenfalls mit an Bord: Sein Cousin Daniel Kania (23), für die Filmaufnahmen verantwortlich.

Den Dreien steht ein weiter Weg durch Eis und Schnee bevor. Das Ziel liegt auf 6390 Metern über dem Meer – 500 Meter unterhalb des gleichnamigen Vulkans Ojos de Salado. Um sich langsam an die Höhe anzupassen, nehmen Fritzmeier, Bronnhuber und Kania – bis sie sich an den finalen Aufstieg machen – drei 5000er-Gipfel und einen 6000er in Angriff. Der Ojos del Salado (6893 Meter) ist der höchste Vulkan der Welt. Der See liegt etwas tiefer.

Ebenfalls an Bord bei der vierwöchigen Tour: Der Tölzer Daniel Kania kümmert sich um die Filmaufnahmen.

Sie beginnen die Route nach Akklimatisierung in La Paz mit dem Expeditionsteam (Guide, Koch) am Titicacasee, dem höchsten schiffbaren Binnensee der Welt. Dann geht’s zu weiteren Gewässern und Gipfeln. „Wir nehmen alles mit, was daherkommt“, sagt Fritzmeier. Bevor es ernst wird, geht’s noch zum Licancavur, dem höchsten See der Welt an der Grenze von Bolivien und Chile. Auf Fritzmeiers Rücken immer gut 20 Kilogramm Gepäck. Durch hochalpines Gelände bei dünner Luft. Doch stünde nicht am Ende der Ojos – Fritzmeier würde diese Reise nie machen. Er ist kein Bergsteiger. „Das Wandern ist Mittel zum Zweck, aber das SUP gibt den Kick.“

„Dieser Moment wird so geil“

Es war nicht so, dass er unbedingt einen Rekord aufstellen wollte. Doch als die Idee konkretere Formen annahm, begeisterte sie ihn und seine Mitstreiter: „Etwas zu machen, das noch kein Mensch zuvor gemacht hat, das war schon reizvoll“, sagt der Tölzer. Und in Verbindung mit seiner SUP-Leidenschaft nahm der Plan Gestalt an. Im herbstlichen Oberbayern malt er sich immer wieder den Moment aus, wenn er am Ziel ist: Mit dem SUP auf dem Ojos de Salado zu stehen. „Dieser Moment, der wird so geil“, ist er überzeugt.

Ganz neu ist die Erfahrung für ihn nicht. Fritzmeier kennt sich aus mit Kälte und Seen. Ist schön öfter bei minus 20 Grad auf irgendeinem Gewässer gesupt. Schaute zu, wie das Wasser neben ihm zentimeterweise zufror. „Der Blick ist schon bei den heimischen Seen der Wahnsinn gewesen. Wie wird das erst am Ojos? Unfassbar!“ Dabei braucht er allerdings eine Portion Glück: Auf 6390 Metern Höhe ist die Wasseroberfläche die meiste Zeit des Jahres zugefroren. Fritzmeier und sein Team haben den November als Zeitfenster gewählt, in dem der See wahrscheinlich offen ist.

Reinfallen, so er denn wie geplant durchziehen kann, ist keine Option. Fritzmeier zieht sich zwar einen Neoprenanzug an. Doch der hilft bei Wassertemperaturen nahe des Gefrierpunkts auch nicht viel. „Normalerweise falle ich nicht rein“, sagt der 36-Jährige. „Und diesmal ganz bestimmt nicht.“

Ein Kampf gegen sich selbst

Der Hauch von Gefahr, die Herausforderung, der einzigartige, nie erreichte Augenblick – das alles macht für den Tölzer den Reiz der Weltpremiere aus. Der Antrieb kommt diesmal aber aus sich selbst heraus. Früher, beim Eishockey beispielsweise, musste er sich ständig mit anderen messen. Auch beim SUP gibt es mittlerweile Wettkämpfe. „Aber hier kämpfe ich nur gegen mich selbst“, sagt der 36-Jährige. „Ich will es mir selbst beweisen, dass ich das schaffe.“

...oder auch auf dem Blindsee in Österreich unterhalb des Fernpasses genießt er die „wahnsinnige Stimmung“ alleine auf dem Wasser.

Die Herausforderungen sind groß. Der Ojos soll der Höhepunkt einer Reise werden, die schon zuvor nicht langweilig wird, Fritzmeier gibt sich mit dem puren Rekordversuch nicht zufrieden. Er sammelt alles ein, was „auf dem Weg noch herumliegt“, reist zu den heißen Quellen am höchsten Berg Boliviens, zum größten Salzsee der Welt Salar de Uyuni in der Atacamawüste, will mit dem SUP die Dünen des Mondtals hinunterfahren.

Unvergessliche Erlebnisse oder blauäugiger Sturz in ein hochriskantes Abenteuer mit ungewissem Ausgang? Fritzmeier geht mit einer gewissen „Schaumermal-Mentalität“ an die Sache heran. „Aber wir haben uns schon darum gekümmert, dass das alles funktioniert“, sagt der 36-Jährige. „Und mittlerweile haben wir sehr viel gemacht, um das Risiko zu minimieren.“ Der Lohn wird sein, etwas zu schaffen, was noch keiner vor ihm gemacht hat. „Das ist wie den Pokal in Händen zu halten, von dem man immer schon wusste: Den will ich unbedingt haben.“

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