Mit Kunst für Umweltprobleme sensibilisieren will der Verein „Impact Revolution“. So stellten (v. li.) Viktoria Hazak, Isabella Kiechle, Clara Bütow, Carolin Speth und Clara Stoll in München Müllmensch-Skulpturen aus, gefertigt aus Abfall, den sie in Münchner Parks und in der Innenstadt aufgesammelt hatten.
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Mit Kunst für Umweltprobleme sensibilisieren will der Verein „Impact Revolution“. So stellten (v. li.) Viktoria Hazak, Isabella Kiechle, Clara Bütow, Carolin Speth und Clara Stoll in München Müllmensch-Skulpturen aus, gefertigt aus Abfall, den sie in Münchner Parks und in der Innenstadt aufgesammelt hatten.

Aktion zum Thema Plastik

Alpenüberquerung soll auf schwere Krise hinweisen: Mit Mode aus Müll über alle Berge

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Unter dem Motto „Plastic Mountains“ bricht eine Aktivisten-Gruppe zu einer Alpenüberquerung auf – und setzt dabei mit Kostümen aus Plastikabfall ein Zeichen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer demnächst eine Wandergruppe in einem etwas befremdlichen Outfit durch den Landkreis stapfen sieht, der sollte die jungen Leute einfach ansprechen: Es könnte sich um Mitglieder der Gruppierung „Impact Revolution“ handeln. Sie brechen nämlich am Sonntag in München zu einer Alpenüberquerung auf – und zwar in aus Plastikmüll angefertigten Kostümen. Sie wollen – möglichst öffentlichkeitswirksam – auf die Problematik der Plastikverschmutzung aufmerksam machen.

Kostüme für Alpenüberquerung wurden aus Plastikmüll geschneidert

An der Tour nehmen insgesamt etwa 25 Personen teil, die sich auf vier Etappen beim Wandern abwechseln. Erkennungszeichen sind ihre Kostüme, eigens geschneidert von einem Team rund um die Designerin Johanna Alscheken. „Es handelt sich um Rucksacküberzüge, die wir aus allem gestaltet haben, was im Alltag so als Plastikmüll anfällt“, berichtet die Sprecherin von „Impact Revolution“, Marlene Stoll.

Für die anstehende Aktion „Plastic Mountain“, eine Alpenüberquerung von München nach Venedig, fertigte Designerin Johanna Alscheken auffällige Kostüme aus Plastikmüll an.

Optisch sollen die Modekreationen an Korallenriffe erinnern. „Von hinten wird man dann die Kostüme mit zwei Beinen unten dran und vielleicht oben den Kopf sehen“, sagt Stoll. Wichtig sei beim Schneidern auch gewesen, dass die Wanderer unterwegs keines der Plastikteile verlieren. Denn das wäre ganz und gar nicht im Sinne der Gruppierung, die ja gerade Werbung dafür macht, die Natur zu genießen, ohne Müll zu hinterlassen.

Impact Revolution: Das Müllproblem wird buchstäblich über die Berge getragen

Die ungewöhnliche Bekleidung ist für die Organisation ihre ganz eigene Art, um kritisch, aber auch kreativ und künstlerisch auf ein großes Problem unserer Zeit aufmerksam zu machen: die Tonnen an Plastikmüll, die die Umwelt auf vielfältige Art bedrohen. „Um die Absurdität des Problems zu veranschaulichen, tragen wir es buchstäblich von München nach Venedig über die Berge“, sagt Marlene Stoll.

Das solle den beschwerlichen, langen Weg zur Lösung der Plastikfrage genauso symbolisieren wie die Tatsache, dass der Plastikmüll am Ende zu einem großen Teil im Meer lande. Dorthin führt auch der Weg der Aktivisten. Läuft alles nach Plan, kommen sie am 18. August in Venedig an.

Über Grünwald, Wolfratshausen, Bad Tölz und Jachenau nach Vorderriß

Gleichzeitig bewegt man sich durch die sensible Natur, die es zu schützen gilt. Den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen durchquert die Gruppe vollständig von Nord nach Süd. Aus Richtung Grünwald und Icking kommend geht es durch Wolfratshausen, an der Isar entlang nach Bad Tölz und unter anderem über Benediktenwand und die Jachenau Richtung Vorderriß. An der Isar, so Marlene Stoll, seien zum Beispiel Schlauchbootfetzen im Wasser oder auch die Belastung der Fische durch Mikroplastik Probleme, auf die man aufmerksam machen will.

Mit ihren auffälligen Rucksacküberzügen wollen die Wanderer zum einen unterwegs Aufmerksamkeit erregen und zum Gespräch einladen. Zum anderen soll aus Fotos und Videos auch eine Dokumentation fürs Internet entstehen, mit der sich ein noch größerer Zuschauerkreis erreichen lässt.

Fahrradtour nach Paris mit Flamingo aus Plastik im Schlepptau

Außerdem sind unterwegs mehrere Online-Diskussionsveranstaltungen geplant; die erste davon am Donnerstag, 15. Juli. Dann sprechen die Wanderer bei einer Rast auf der Tutzinger Hütte am Fuße der Benediktenwand über Lifestyle, Konsum und Plastik. Bei anderen Veranstaltungen soll es unter anderem um die Fragen gehen, wie Plastikmüll die soziale Ungleichheit in der Welt vergrößert oder die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt.

Die Aktion unter dem Titel „Plastic Mountains“ („Plastikberge“) ist nicht die erste Gelegenheit, bei der die Gruppe „Impact Revolution“ öffentlich in Erscheinung tritt. Große Medien-Resonanz fand auch schon eine Fahrradtour der Münchnerin Clara Bütow von Berlin nach Paris – mit einem großen, aus Plastikmüll gebauten Flamingo im Schlepptau.

Verein „Impact Revolution“ hat über 30 Mitglieder in ganz Europa

Wie Marlene Stoll berichtet, hatten sich die ersten Aktivisten von „Impact Revolution“ 2018 zusammengefunden und mit Müllsammelaktionen angefangen. Mittlerweile ist der Verein auf über 30 Mitstreiter angewachsen, die meisten im Alter um die 30. Sie verteilen sich auf verschiedene europäische Länder – teils, weil es die Freunde für Beruf und Studium nach London, Wien, Mailand oder Madrid verschlagen habe, teils weil über die sozialen Medien heute leicht internationale Mitstreiter dazugewonnen werden können.

Weitere Infos:

www.impactrevolution.eu

Wer das Projekt bei einem „Crowdfunding“ unterstützen möchte, kann dies auf www.startnext.com/en/plastic-mountains tun. Die Einnahmen werden nach Angaben von Sprecherin Marlene Stoll zum Großteil für die Aufbereitung des Film- und Videomaterials zu einer Dokumentation verwendet, aber auch für die Organisation der Online-Veranstaltungen, zur Deckung von Ausgaben für die Plastik-Kostüme und zur Unterstützung der Übernachtungen der Wanderer in DAV-Hütten.

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