Kreistag

Mögliches Geburtshaus: Schwarz-grüne Mehrheit für Zuschuss

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Der Kreistag hat nach hitziger Debatte einer Anschubfinanzierung für ein geplantes Geburtshaus in Bad Tölz zugestimmt. Die mögliche Betreiberin hat allerdings bis dato noch gar kein Konzept dafür vorgelegt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit 50.000 Euro geht es um eine vergleichsweise niedrige Summe. Doch sie steht im Zusammenhang mit dem emotionalen Thema Geburtshilfe. Und so sorgte die Frage, ob der Landkreis eine Anschubfinanzierung für ein Geburtshaus in Bad Tölz leisten sollte, am Mittwoch im Kreistag für eine hitzigere Debatte als sonst so manche Millionen-Investition. Am Ende stimmte eine Mehrheit aus CSU und Grünen dafür, besagten Zuschuss zu gewähren. Freie Wähler, SPD, Ausschussgemeinschaft und FUW waren dagegen.

Beantragt hatten den Zuschuss die Grünen-Kreisrätinnen Barbara Schwendner, Annelies Wiedenbauer-Schmidt und Beate Paulerberg. Nachdem der Kreisausschuss im Januar mit 7:6 zugestimmt hatte, meldete sich der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) zu Wort. Er warf der schwarz-grünen Mehrheit „blinden Aktionismus“ und einen „Schnellschuss“ vor.

Diese Vorwürfe wies CSU-Fraktionssprecher Martin Bachhuber scharf zurück. „Wenn von einem Schnellschuss die Rede ist, ist das an Arroganz nicht zu überbieten und beleidigt alle, die sich ausgiebig mit dem Thema auseinandergesetzt haben.“ In Richtung von Landrat Josef Niedermaier, der ebenfalls den Freien Wählern angehört, sagte Bachhuber: „Ich kann nur hoffen, dass Herr Streibl nicht von Ihnen mit diesen Unwahrheiten versorgt wurde. Wenn doch, hätten Sie bei mir jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.“

Niedermaier wiederum wollte sich die Aussagen seines Parteikollegen nicht in die Schuhe schieben lassen. „Sippenhaft brauchen wir hier nicht“, sagte er. Über Streibls Wortwahl habe er sich ebenfalls geärgert. „Aber wenn jemand von außen schießt, sollten wir uns hier drinnen doch nicht verrückt machen lassen.“ In der Ablehnung des Zuschusses stimmte der Landrat aber mit Streibl überein. „Ein Geburtshaus kann nur eine Alternative sein, wenn eine Klinik in der Nähe ist.“ Auch für ein Geburtshaus seien Ärzte nötig, die im Hintergrund an 365 Tagen 24 Stunden bereit stehen. „Und die Tölzer Gynäkologen werden das nicht machen. Und wenn doch, dann könnte man ja gleich wieder eine Geburtshilfestation aufmachen.“ Das wegzudiskutieren, sei „nicht ganz ehrlich“. Und etwas zu unternehmen, „nur damit etwas getan ist“, sei „nicht die feine politische Art“.

„Eine Geburt in einem Geburtshaus ist gleichzusetzen mit einer Hausgeburt“, sagte Kreisrat Franz Hartmann (FUW), der ehemalige Leiter des Tölzer Gesundheitsamts. „Und das ist unstrittig mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden. Ein Zuschuss würde dieses Risiko befördern.“ Gerade nach Schließung der Geburtshilfe an der Tölzer Klinik sei im Fall von Komplikationen „keine ortsnahe Intervention“ möglich.

Lesen Sie auch: Nach Schließung der Tölzer Geburtshilfe - wo bekommen Mütter im Landkreis jetzt noch ihre Babys?

Barbara Schwendner ärgerte sich, dass „gegen das Geburtshaus extrem Stimmung gemacht wird“. Es gebe noch etliche andere Geburtshäuser, die 30 Minuten von der nächsten Klinik entfernt seien. „Und es müssen im Schnitt nur 16 Prozent der Frauen während der Geburt verlegt werden, nicht ein Drittel, wie behauptet wird.“ Für diejenigen Frauen, die „geeignet sind und die es möchten“, sei ein Geburtshaus in Tölz auf jeden Fall eine Verbesserung, die in der prekären Lage nach Schließung der Tölzer Geburtshilfe nötig sei. Bachhuber betonte dabei, dass das Geburtshaus keineswegs als Ersatz für die Geburtshilfestation gedacht sei, sondern nur als „zusätzliches Angebot“.

Sabine Lorenz (CSU) sprach sich dafür aus, doch den mündigen Frauen selbst die Entscheidung zu überlassen, ob sie ein Geburtshaus nutzen wollen. Das fand auch ihr Fraktionskollege Thomas Holz. „Einen Bedarf gibt es, das wird gerade an mich als jungen Vater oft herangetragen. Warum sollten wir es dann verwerfen?“

Hans Sappl und Klaus Heilinglechner (Freie Wähler) hätten die Entscheidung am liebsten vertagt, weil bislang kein konkretes Konzept für das Geburtshaus vorliegt. Niedermaier hatte zuvor berichtet, dass das Landratsamt die Hebamme und potenzielle Geburtshaus-Betreiberin Kathleen Hodbod nach dem positiven Kreisausschuss-Votum sofort um ein Konzept gebeten habe. Erst vor wenigen Tagen habe sie nun geantwortet, dass sie das gewünschte Papier in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht werde vorlegen könne.

Ein medizinisches und organisatorisches Konzept sowie eine Investitionsplanung aber ist nach wie vor Voraussetzung für die Anschubfinanzierung. Die Abstimmung im Kreistag ergab eine Mehrheit von 30:24 pro Zuschuss.

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Karmann

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