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Gestalteten einen lebendigen Abend: (v. li.) Ludwig Retzer, Sepp Müller, Christoph Schnitzer und Martina Wüllner. Nicht auf dem Foto sind Julia Pöckl, Norbert Zant, Marinus Wieser, Florian Kronwitter, Manfred Kastenmüller und Leonhard Schwarz.

Leonhardi-Abend in der "Lust"

Wie ein Mönch zum Schutzpatron wurde

Bad Tölz – Was hat es mit der Kette des heiligen Leonhards wirklich auf sich, und warum bekommen Tierschützer an Leonhardi ihr Fett weg? Die Antworten können Besucher des ausverkauften Leonhardi-Abends in der Tölzer „Lust“ geben. Die Veranstaltung hat sich mittlerweile zu einer der beliebtesten in Bad Tölz entwickelt.

Christoph Schnitzer, Ludwig Retzer und Sepp Müller hatten für die sechste Auflage ein höchst unterhaltsames Programm zusammengestellt. Die Bläser von „Summa cum gaudae“ und Sängerin Julia Pöckl sorgten für die passende Musik.

„Wie wurde aus einem gallischen Benediktinermönch ein altbayerischer Viehpatron?“, fragte Schnitzer bei seinem „Vortrag“ über den heiligen Leonhard. Mittels Beamer zeigte er dem Publikum einen mittelalterlichen Holzschnitt des Patrons. Die gemalte Kette des Benediktinerabts aus Frankreich hätten die Gläubigen im Laufe der Jahrhunderte von der Gefangenen- in die Viehkette uminterpretiert. Vor über 1000 Jahren, so Schnitzer, galt Leonhard nämlich als der Kettenlöser, denn er durfte mit Erlaubnis des Königs Chlodwig Gefangene begnadigen.

Mit einer Fotomontage sorgte Schnitzer anschließend für großes Gelächter: Ein Leonhardiwagen fährt vor den Pyramiden durch den Sand. Schnitzer outete sich allerdings als Befürworter des Antrags auf „immaterielles Kulturerbe in Bayern“. Diese Auszeichnung schütze die Wallfahrt mit all ihren Besonderheiten vor der Brüsseler Regelungswut. Sonst dürften die Wallfahrer in Zukunft die Marktstraße vielleicht nur noch „raufkriechen“.

Schnitzer beschäftigte sich auch mit dem Thema Tierschutz. Denn im vergangenen Jahr seien „kübelweise“ Leserbriefe beim Tölzer Kurier eingegangen, als auf der Titelseite der Zeitung Frauen mit Fuchspelz abgebildet worden waren. Schnitzer trat deshalb auch mit einem Fuchspelz auf die Bühne. Um Auszüge aus einigen Leserbriefen vorzutragen, holte er spontan Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner auf die Bühne. Was sie zu Gehör brachte, war reichlich abstrus. Stark verkürzt lauteten einige Argumente: Statt sich „Tierleichen um den Hals“ zu hängen, müsse man bedenken, dass es sich um ein „heimisches Naturprodukt“ handle. Und ob es wirklich sinnvoll wäre, den Wallfahrern „vegane Tracht“ zu verordnen. Tölzer-Kurier-Karikaturist Hans Reiser („Vom Winzerer aufgespießt“) hatte dazu 2015 eine Zeichnung angefertigt, die Krokodile und Teddybären als Alternativen für die Wallfahrerin zeigten.

Die vier Bläser von „Summa cum gaudae“, Marinus Wieser, Florian Kronwitter, Manfred Kastenmüller und Leonhard Schwarz, spielten emotionalen Weisen. Zudem begleitete Leonhard Schwarz Sängerin Julia Pöckl auf der Gitarre. Schwarz ist Mentor der jungen Künstlerin, die mit ihren selbstverfassten Liedern das Publikum begeisterte. „Mit der Wallfahrt, bei der das Ziel im Mittelpunkt steht, kann ich weniger anfangen, aber dafür mit der Prozession, denn hier ist der Weg wichtig“, verband sie ihre Musik mit dem Leonhardi-Abend. Ihrer Hymne über ihren Heimatort Fall hatte sie eine eigene Leonhardistrophe hinzugefügt: „Den Weg zua Kapei’n, den geh i a blind, bei schenst’m Weda, bei Sturm und Wind, Lehards, ohne die hätt da November koan Sinn, den Weg zua Kapei’n geh i blind.“ Das Pinzgauer Wallfahrerlied mit Strophen zu aktuellen Tölzer Begebenheiten sorgte ebenso für große Unterhaltung wie das Wallfahrerlied am Ende.

Birgit Botzenhart

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