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Monika Poschenrieder 

Corona-Krise 

„Die Politik muss uns unterstützen“

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Die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Monika Poschenrieder ist aufgrund der aktuellen Restaurant-Schließungen extrem besorgt. Ein schnelles politisches Handeln sei nun gefragt. 

Viele Gaststätten werden eine längere Schließung nicht überleben: Das befürchtet Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Um das Schlimmste zu verhindern, sei Unterstützung durch die Politik und Solidarität der Gäste notwendig, erklärt sie im Kurier-Interview zur prekären Situation in der Gastronomie in Corona-Zeiten.

Wie ist die Lage in der Gastronomie?

Die Lage ist schlecht. In den meisten Monaten geht es nur um den Betriebserhalt. Es gibt nur wenige Zeiträume im Jahr, in denen man gut verdienen kann. Der März und der April wären solche Monate. Das Wetter ist schön, Ostern kommt. Und ausgerechnet jetzt sind die Restaurants geschlossen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Restaurants, sondern auch auf die Zulieferer, auf die Blumenhändler. Es hängt wahnsinnig viel dran, wenn der Tourismus stillsteht.

Befürchten Sie, dass viele Restaurants die Krise nicht überleben?

Natürlich. Vor allem, wenn die Schließungen noch längern andauern. In dieser Woche werden die Sozialversicherungs-Beiträge abgebucht. Am 1. April werden die Pachtgebühren fällig, die Kredit-Verpflichtungen. die Strom-Vorauszahlungen, der Steuerberater will eine Pauschale. Die eigene Krankenversicherung wird fällig, ebenso die Leasing-Beträge fürs Auto. Zugleich sollen die Löhne ausbezahlt werden. Die Steuern kann man sich zwar stunden lassen, aber damit verschiebt man den Schuldenberg nur von links nach rechts. Irgendwann wird es einen dann zerlegen. Jetzt wird den Gastronomen erst richtig bewusst, was die Lokal-Schließung bedeutet.

Wie lange kann die Gastronomie diese Situation aushalten?

Ein, zwei Monate kann man das überbrücken. Dann schaut es ohne Reserven düster aus. Die ersten Betriebe hat es ja schon erwischt.

„Viele werden eine längere Schließung nicht überleben“

Welche Möglichkeiten haben Gäste, die Wirte zu unterstützen?

Viele Lokale bieten Speisen zum Mitnehmen an, oder man kann den Lieferservice nutzen. Das wäre schon hilfreich. Lokale, bei denen es schon immer einen Lieferservice gibt, sind im Vorteil. Aber auch bei den anderen gibt es einen Lerneffekt. Ein Blick auf die Internet-Seiten lohnt sich, die meisten Gastronomen aktualisieren sie. Allerdings sind manche etwas ungünstig aufgebaut.

Haben Ihre Mitarbeiter Angst, dass sie sich infizieren?

Nein. Wir geben keine Hände mehr, desinfizieren alles, waschen die Hände und putzen wie verrückt. Das ist normal, aber jetzt machen wir es noch mal verstärkt. Gefeit vor einer Infektion ist niemand. Um sicher zu sein, müsste man sich schon in eine Glasglocke setzen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?

Die Politik muss uns unterstützen. Die reduzierte Mehrwertsteuer für die Gastronomie sollte als Zukunftsperspektive endlich kommen. Es sind genau diese zwölf Prozent Liquidität, die den Betrieben jetzt schon fehlen. Die Gewinnmarge in unserem Gewerbe ist ganz, ganz dünn. Wenn man keine Rücklagen hat, schaut es ganz schlecht aus. Das Stornieren und Stunden von Beiträgen bringt nichts. Die Kirche könnte auch auf die Kirchensteuer verzichten. Das wäre auch ein Zeichen der Solidarität. Alle müssen etwas abgeben. Man kann nicht alles auf den Mittelstand und die Mitarbeiter abwälzen. Auch die Banken müssen jetzt ihre Füße stillhalten.

„Die Auswirkungen auf alle Bereiche sind brutal“ 

Hilft das Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld wird bei diesen Mieten auch nicht lange gut gehen. Die Leute können nicht zwei Jahre mit 60 Prozent ihres Netto-Einkommens auskommen. Die Auswirkungen auf alle Bereiche sind brutal.

Verstehen Sie, dass die Schutzmaßnahmen so radikal durchgezogen werden?

Ich verstehe nicht, warum die älteren und gefährdeten Leute nicht besser geschützt werden. Zum Beispiel, indem man sie vielleicht für vier Wochen in leer stehenden Hotels einquartiert und dort versorgt. Die älteren Leute würden das auch viel besser verstehen. Die Jüngeren kann man nicht monatelang einsperren. Die Eltern drehen ja jetzt schon durch. Was da psychologisch rauskommt, weiß ich nicht. Ich hab’ ein komisches Gefühl.

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