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Preisgekrönt: In Essen nahmen kaufmännischer Leiter Manuel Ehrtmann (li.) und Vorstand Klaus Feile (re.) von TV-Moderator Ranga Yogeshwar eine Trophäe für die innovativsten Unternehmen entgegen.

Umzug und neue Großaufträge

Moralt strebt nach Hausham und Dubai

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Bad Tölz - Die letzten Wochen der Firma Moralt in Bad Tölz sind angebrochen. Kurz vor dem Umzug nach Hausham hat das Traditionsunternehmen noch einige Erfolgsmeldungen zu verkünden.

Die Ära der Firma Moralt in Bad Tölz begann vor 116 Jahren – und in sechs Wochen endet sie. Im Jahr 1900 wurde die „Holzbearbeitungsfabrik Moralt“ gegründet. Mitte August, so erklärt Unternehmensvorstand Klaus Feile, steht nun der Umzug nach Hausham (Kreis Miesbach) an.

Den Mietvertrag für das Gelände an der Lenggrieser Straße hat das Unternehmen zum 30. September gekündigt. Dem vorausgegangen war wie berichtet eine Reihe von Schwierigkeiten: Mit dem Grundeigentümer kam kein neuer Pachtvertrag zustande. Den Bauantrag für eine neue Lagerhalle lehnte der Stadtrat mit Verweis auf fehlenden Hochwasserschutz ab. Und die Pflicht, eine eigene Werksfeuerwehr zu unterhalten, wurde für Moralt zunehmend zur Last.

Für ein neues Hotel in Dubai setzt die Kette Bulgari auf Türen aus dem Hause Moralt. Es soll auf einer Insel in der Form eines Seepferdchens in Sichtweite des Wolkenkratzers Burj Khalifa gebaut werden.

Den Standortwechsel betrachtet Feile mittlerweile als „Chance, unsere ganze Infrastruktur in Ordnung zu bringen“. Von der Druckluft- und Späneabsaugung bis zur Beleuchtung und der Funkenlöschanlage: „In Hausham werden wir für die nächsten Jahre bestens aufgestellt sein, sodass wir uns aufs eigentliche Geschäft konzentrieren können.“ Auch neue Maschinen hat Moralt angeschafft. Insgesamt investiere man etwa eine Million Euro in den neuen Standort.
Dass Bad Tölz ein mittlerweile kleines, aber international und zukunftsträchtig aufgestelltes Unternehmen verliert, machen die aktuellen Entwicklungen deutlich. Vor wenigen Tagen bekam Moralt die Auszeichnung, zu den „Top 100“ der innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand zu gehören. „2015 haben wir eine Million Euro in Innovationen investiert“, erklärt Feile. „Und das bei einem Jahresumsatz von etwa sieben Millionen Euro.“ Die Jury habe gleichzeitig darauf geachtet, dass sich neu entwickelte Produkte rasch im Umsatz niederschlagen. Auch dies scheint bei Moralt zu funktionieren. „2015 ist unser Umsatz um 21 Prozent gewachsen, und der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2016 ist auch bereits um 19 Prozent gestiegen.“

Unmittelbarer Erfolg stellte sich mit einer Tür ein, die hohen Schallschutz bis 50 Dezibel bietet. Erst im April habe Moralt das Produkt bei einer Messe in Nürnberg vorgestellt, so Feile. Jetzt sollen die Türen in einem neuen Hotel der Kette Bulgari in Dubai zum Einsatz kommen, das auf einer Insel in Form eines Seepferdchens gebaut wird.

Und noch von einem weiteren Großauftrag – ebenfalls frisch eingegangen – berichtet Feile. Kempinski setze für ein Hotel in Muscat im Oman, auf Türrohlinge und Know-how-Lizenzen aus dem Hause Moralt. Beides zusammen habe einen Auftragswert von 400 000 Euro.

Moralt macht 50 Prozent seines Jahresumsatzes im Ausland. Der größte Exportmarkt ist Großbritannien. Wenig Freude macht Feile deshalb der anstehende Brexit. „Kurzfristig werden unsere Produkte durch den Wertverlust des Pfunds in Großbritannien um zehn Prozent teurer.“

Allerdings seien Moralt-Produkte so spezialisiert, dass man sie nicht leicht ersetzen könne. Längerfristig sei allerdings zu befürchten, dass das Vereinigte Königreich durch den EU-Austritt an Wirtschaftskraft verliere.

Bis dahin freut sich das Traditionsunternehmen über seinen Erfolg – und stockt das Personal auf. Zu den aktuell 35 Mitarbeitern sollen drei dazukommen. Die Stellen sind inseriert – für den Standort Hausham.

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