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Traurige Corona-Nachricht: Winter-Tollwood fällt komplett flach - „Trotz sehr guten Hygienekonzepts“

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Johannes Detter mit seiner BMW R 60. Als er sie kaufte, war sie schwarz umlackiert worden.
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Johannes Detter mit seiner BMW R 60. Als er sie kaufte, war sie schwarz umlackiert worden.

Kulturdenkmäler auf zwei Rädern

„Oide Hund“ zeigen in Bad Tölz ihre Oldtimer: Jede Maschine hat eine Geschichte

Ein Club für Besitzer alter Motorräder zeigt jedes Jahr seine Schätzchen in der Tölzer Marktstraße her. Das sind die Menschen und Geschichten hinter den Maschinen.

Bad Tölz – Der 3. Oktober ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern seit 20 Jahren auch jener Tag, an dem die Motorradfreunde „Oide Hund“ aus Ellbach ihre Oldtimer in der Tölzer Marktstraße präsentieren. Zurück geht das auf eine spontane Idee bei der Wiesn 1998. Bis heute locken die „Oidn Hund“ jedes Jahr Schaulustige nach Tölz.

Vier Tölzer Burschen gründeten damals auf der Heimfahrt in seliger Bierlaune einen Motorradclub für Besitzer alter Fahrzeuge. Einen Führerschein hatte damals tatsächlich noch keiner von ihnen, und die Motorräder oder Mopeds, um die es gehen sollte, gehörten (noch) dem Opa und waren keineswegs „Garagengold“, sondern eher ziemlich rostige Eisen. Doch die Fahrerlaubnis war schnell erworben, und die alten Zweiräder wurden aus den Schuppen geholt und sahen dem Tag ihrer Wiederbelebung entgegen.

Auch der zweijährige Franzi hatte seinen Spaß daran, ein altes Dreirad zu testen.

Aus den vier Leuten ist mittlerweile ein gutes Dutzend geworden, und Frauen gehören längst auch dazu. Heuer bescherte ihnen der Föhn bei Ausflugsfahrt und Präsentation nicht nur Frühlingstemperaturen, sondern auch Frühlingsgefühle. Vor allem, wenn Motorrad und Besitzer ungefähr aus dem gleichen Baujahr stammen. Dann passt die Mischung, etwa bei Lorenz Eberl aus Abrain, der sogar zwei Jahre älter ist als seine 125er DKW aus dem Jahr 1953. „Damit sind die Leute früher zur Arbeit gefahren“, sagt Eberl.

40 Jahre lang stand die NSU Fox im Schuppen, bis sie Alexander Scharnagl wieder zum Leben erweckte.

Das Gleiche trifft auf die NSU Fox von Alexander Scharnagl (51) zu. In den 1950er-Jahren warb die Firma mit dem Spruch „Fixe Fahrer fahren Fox!“. Scharnagels NSU wurde 1954 gebaut und von seinem Opa gekauft. „Gefahren wurde sie aber viel von meiner Mutter“, weiß der 51-Jährige. 40 Jahre lang stand „das Maschinchen“ eingemottet im Schuppen, bis die „Oidn Hund“ auf ihre Schnapsidee mit dem Verein kamen. Der verrostete Tank ließ sich richten, und jetzt schnurrt sie wieder fix wie in alten Tagen, freut sich Scharnagel.

Das gilt auch für die 200er Maico von Thomas Jaud zu. Ihr Winterschlaf dauerte 30 Jahre und eine Stunde fürs Vergaserreinigen, dann sprang sie nach dem zweiten Kick an, berichtet Jaud. Maico war damals eine populäre Marke. Jaud kann die Firmengeschichte des berühmten Herstellers aus Pfäffingen aus dem Ärmel schütteln. Maico-Motorräder gewannen in den 1960er-Jahren sogar einige Weltmeisterschaften, was den Konkurs des Unternehmens jedoch nicht verhindern konnte, weiß Jaud.

Die Maico 200 S-Maschinen waren in den 1960er-Jahren ein Renner, weiß Besitzer Thomas Jaud.

Bis auf BMW in Deutschland und wenige andere Hersteller ging innerhalb eines Jahrzehnts fast die gesamte europäische Motorradindustrie den Bach runter. Die Menschen wollten lieber Auto fahren und nicht mehr unbequeme Zweiräder. Schließlich waren es japanische Hersteller wie Honda, die den Trend zum Motorradfahren aus Vergnügen als Erste erkannten und PS-starke Motorräder auf den Markt brachten. BMW und Moto-Guzzi zum Beispiel überlebten damals nur knapp mithilfe großer Behördenaufträge von Polizei und Militär.

Heute sind die alten Zweiräder rollende technische Kulturdenkmäler. Sie werden vom Fiskus nur gering besteuert, aber in der Szene hoch gehandelt. Für den Preis der wunderschön restaurierten BMW R 60/2 von Johannes Detter zum Beispiel kann man locker ein Auto oder ein neues Motorrad kaufen. „Aber das wäre für mich keine Alternative“, sagt Detter. Beruflich hält er den Fuhrpark der Tölzer Feuerwehr in Schuss, in der Freizeit steht die BMW im Mittelpunkt. Sie war in Schweden, Detter holte sie zurück nach Bayern und lackierte sie auch wieder um in ihre weiße Farbe – weil der Originalzustand eben heilig ist.

Von Matthias Wilke

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