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Motorradunfälle am Kesselberg sind keine Seltenheit. Die Polizei sieht es deshalb kritisch, wenn Autofahrern der Zugang zum Motorrad erleichtert wird. 

Kontroverse Debatte

Motorradfahren mit Autoführerschein: Angst vor mehr Unfällen

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Autofahrer bekommen den Führerschein für Leichtkrafträder künftig quasi geschenkt – zumindest, wenn es nach dem Willen von Andreas Scheuer geht. Der Verkehrsminister will die Mobilität auf dem Land erhöhen. Im Landkreis macht er sich mit seinen Plänen keine Freunde.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist ein typischer Anfängerfehler, der immer wieder Motorradfahrern am Kesselberg zum Verhängnis wird: Weil sie die Kurve nicht richtig einschätzen, fahren sie viel zu schnell hinein. Sie bekommen Angst, bremsen zu stark mit der Vorderradbremse – und stürzen. Künftig wird die Zahl solcher Unfälle ansteigen, wenn sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit seinen Plänen durchsetzt. Das befürchtet der Kochler Polizei-Chef Steffen Wiedemann. „Ich sehe es kritisch, wenn jemand ohne fundierte Ausbildung im Zweiradfahren auf die Straße gelassen wird.“

Doch genau das sieht ein Entwurf aus dem Bundesverkehrsministerium vor, der in der vergangenen Woche bekannt geworden ist. Demnach dürften Autofahrer, die mindestens 25 Jahre alt sind und seit mehr als fünf Jahren einen Führerschein besitzen, künftig auch ohne zusätzliche Prüfung ein Leichtkraftrad der Klasse A1 mit maximal 15 PS fahren.

Das klingt im ersten Moment nach nicht viel. „Aber diese Maschinen können auch über 100 Stundenkilometer schnell werden“, gibt Wiedemann zu bedenken. 90 Minuten Theorie-Unterricht und sechs praktische Fahrstunden, die auch auf einem Parkplatz stattfinden können, reichen ihm zufolge bei Weitem nicht aus, um ein Gefühl für die Maschinen zu bekommen. Ein Autofahrer müsse sich beispielsweise keine Gedanken machen, wenn er in eine Kurve fährt. Ein Motorradfahrer schon: Neben dem Winkel habe er unter anderem die Fliehkräfte zu berücksichtigen, die in der Schieflage auf ihn und das Motorrad wirken.

„Diese Pläne sind nicht zu verantworten“, findet auch Wolfgang Gritzuhn. Der Fahrschullehrer bietet im Namen der Kreisverkehrswacht Bad Tölz-Wolfratshausen jedes Jahr zu Beginn der Saison Fahrsicherheitstraining an. „Schnell fahren können alle“, sagt Gritzuhn. Aber das Fahren im Stadtverkehr, Brems- und Ausweichmanöver wollen gelernt sein. Nicht umsonst müssen Führerscheinanwärter aktuell allein zwölf Sonderfahrten – fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Nachtfahrten – und bis zu 20 Übungsfahrten absolvieren, um das Fahrverhalten eines Zweirads sicher einschätzen zu lernen. Und die damit einhergehenden Gefahren. „Viele unterschätzen die Leistungsfähigkeit ihrer Maschine.“

Nicht ganz so kritisch sieht Martin Begander die Pläne des Bundesverkehrsministers. „Nur, weil man in der Fahrschule ein paar mehr Stunden macht, kann man noch nicht Motorradfahren“, sagt der Geretsrieder, der ehrenamtlich für die Motorradstaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds fährt. Begander setzt darauf, dass sich 25-Jährige ihrer Verantwortung bewusst sind, klein anfangen und sich nicht überschätzen. „Das Wichtigste beim Motorradfahren ist das Üben.“

Aus diesem Grund plädiert auch der Kochler Polizei-Chef für die regelmäßige Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining. „Selbst ausgebildete Leute haben oft große Probleme, den Parcours zu bewältigen.“ Wer nicht übe, bringe sich selbst in große Gefahr, zumal ein Motorrad im Gegensatz zum Auto keine Knautschzone vorweisen könne. „Stürze führen fast immer zu Verletzungen – und gefährden auch andere Verkehrsteilnehmer.“

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