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Die Nutzung von Wegen durch Mountainbiker führt oft zu Konflikten. Wie sich diese lösen lassen, ist fraglich.

Radeln im Tölzer Land

Mountainbike-Konzept für den Landkreis: Viel Für und viel Wider

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Macht ein Mountainbike-Konzept für den gesamten Landkreis Sinn? Mit dieser Frage befasste sich am Montag der Infrastruktur-Ausschuss des Kreises. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Bergwelt im südlichen Landkreis ist wunderschön. Dementsprechend beliebt sind viele Wege auch bei Mountainbikern. Das sorgt für Probleme – mit Wanderen, mit Naturschützern und Almbauern. Wie aber könnten sich die Nutzungskonflikte lösen lassen? Geht das überhaupt? Könnte es helfen, gezielt Trails für Bergradler anzulegen und zu bewerben? Und wenn ja: Reicht eine kleine Lösung, und muss es ein Konzept für den ganzen Landkreis sein? Mit diesen Fragen befasste sich das Alpenforschungsinstitut in den vergangenen Monaten.

Es gab Gesprächsrunden mit allen Beteiligten, Konfliktfelder wurden herausgearbeitet, Rechtsfragen erörtert. Einig waren sich die Beteiligten darin, „dass das Ausweisen eines Mountainbike-Netzes ein geeignetes Instrument zur Lenkung darstellen würde, da attraktive Wege die Fahrer anziehen“, sagte Prof. Thomas Bausch vom Institut gestern in der Sitzung des Kreis-Infrastrukturausschusses. Es gebe aber deutlich unterschiedliche Auffassungen in den Details – beispielsweise, was Beschilderung oder auch die gemeinsame Nutzung von Wegen durch Radler und Wanderer anbelangt.

Die Verwaltung beleuchtete auf Grundlage des Konzepts vier Modelle. Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde und Andreas Wüstefeld von Tölzer Land Tourismus stellten das Für und Wider der Lösungen vor. Es gehe heute nicht um eine Entscheidung. „Ich möchte, dass Sie das kritisch anschauen“, bat Landrat Josef Niedermaier die Kreisräte.

Positiv sei, dass ein großes Konzept den Konflikt zwischen Radlern, Fußgängern, Land- und Forstwirtschaft lösen könnte, sagte Steger. Auch der Naturschutz könne davon profitieren – durch die Lenkung der Biker auf bestimmte Wege. „Davon erhoffen wir uns eine Beruhigung in sensibleren Bereichen.“ Ein großes Konzept lasse sich darüber hinaus touristisch gut vermarkten. Und die Regierung von Oberbayern habe signalisiert, dass man sogar bereit wäre, Wege im Naturschutzgebiet Karwendel für Radler freizugeben – wenn es ein umfassendes Konzept gäbe. Dort ist Radeln derzeit nämlich eigentlich verboten.

„Aber keine Medaille, die nicht zwei Seiten hat“, stieg Wüstefeld in die Negativliste ein. Die Kosten für das große Konzept sind hoch. Die Stadt München habe für die Umsetzung von zwei Trails an der Isar über 200 000 Euro eingeplant. „Und wir reden über den ganzen Landkreis. Das ist nicht für kleines Geld zu haben“, so Wüstefeld. Zudem sei das Ganze zeitintensiv, schließlich muss eine fast unüberschaubare Anzahl von Grundstückseigentümern mit ins Boot geholt werden. Personell sei das „nebenbei“ nicht zu stemmen. Das heißt: Der Landkreis muss dafür einen Koordinator einstellen.

Apropos Personal: Natürlich müsse auch überwacht werden, dass bestimmte Wege dann eben nicht befahren werden. Das gehe nur mit weiteren Isarrangern. Fraglich sei auch, ob eine „Insellösung“ für den Landkreis allein Sinn habe. Sprich: die umliegenden Landkreise müssten eigentlich mit ins Boot geholt werden.

Denkbar wäre, dass man erst einmal wenige Probetrails an der Isar und im alpinen Bereich anlegt und schaut, wie das Ganze so ankommt. Seien die attraktiv, könne man auch das touristisch vermarkten, sagte Steger. Die Kosten seien geringer, die Anzahl der Beteiligten auch und man könne Erfahrungen sammeln. Allerdings gebe es hier keine Lenkungsfunktion für den Naturschutz, Projektmanager und weitere Ranger seien dennoch nötig, hielt Wüstefeld dagegen. Und hier müssten die Gemeinden, in denen die Probetrails liegen, die Kosten mittragen, weil es eben keine Lösung für den gesamten Kreis wäre. Experte Bausch plädiert für den Anfang aber für diese Lösung.

Eine weitere Variante wäre ein Trailcenter: Aber was ist das überhaupt? „Es geht um einen Berg, wo vom Gipfel eine Vielzahl von Wegen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden für die Biker nach unten führt“, erklärte Bausch. Das Problem: Weder die Bergbahnbetreiber an Brauneck, Herzogstand oder Blomberg hätten Interesse. „Es gibt also keinen Standort“, sagte Bausch.

Die vierte Variante wäre, einfach nichts zu machen. „Das einzig Positive daran ist, dass keine Kosten entstehen“, sagte Steger. Niedermaier gab zu bedenken, dass trotzdem einige Bereiche für Radler gesperrt werden müssen – der Weg am Herzogstand sei einer davon – und auch das müsse man mit Personal überwachen.

Georg Riesch (FW) wollte erst einmal in den Gemeindegremien diskutieren. „Man kann denen nicht einfach was überstülpen.“ Für Cornelia Irmer (FW) ist eine Umsetzung nur mit Hilfe des Freistaats und der benachbarten Landkreise möglich. Nikolaus Mair (Grüne) zuckte beim Punkt, Trails im Naturschutzgebiet Karwendel auszuweisen, zusammen: Man dürfe den Bikern „nicht alles opfern“, sagte er, während Stefan Fadinger (CSU) gerade im Ausweisen von Wegen im Karwendel eine Chance sieht, den Freizeitdruck zu kanalisieren. „Aber wie soll man das jemals kontrollieren“, warf Klaus Heilinglechner (FW) ein. Vize-Landrat Thomas Holz (CSU) bat darum, das Thema in den Fraktionen zu diskutieren.

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