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Überzeugten auf ganzer Linie: Kirchenchor, Solisten und Symphonieorchester unter der Leitung von Christoph Heuberger. 

Kirchenkonzert

Mozart-Sternstunde in der Tölzer Stadtpfarrkirche

Wenn die Tage kürzer werden, ist wieder mehr Zeit für Musik. Das weiß auch Christoph Heuberger, der am Sonntag mit seinem Kirchenchor und Solisten für eine Mozart-Sternstunde in der Stadtpfarrkirche sorgte.

Bad Tölz – Für die „Zauberflöte“, das Klarinettenkonzert und das Requiem wird der „späte Mozart“ verehrt. Dass auch der „mittlere“ Wolfgang Amadeus Mozart höchste Bewunderung verdient, das wurde deutlich, als seine „Große Messe“ (KV 427, wie das Requiem ein Torso geblieben), und das Doppelkonzert für Violine, Viola und Orchester (KV 364, von Mozart „Sinfonia concertante“ genannt) zur Aufführung kamen.

Heuberger, der in Salzburg studiert hat, kennt seinen Mozart. Er kann natürlich nicht wissen, wie eine Aufführung durch Mozart selbst geklungen hätte. Aber er kann dieses Werk, das auch unter dem Eindruck schmerzlicher Todeserfahrungen entstand, aus großer Kenntnis und Erfahrung so gut durchdringen, dass daraus eine sehr persönlich gefärbte Interpretation entsteht, die wohl mehr auf Werktreue, Ausdruck und tiefes Verständnis baut und weniger auf Oberfläche und Effekte. Beim 50-minütigen Durchmarsch durch das Monumentalwerk war der Gesamtklang angesichts von 100 Mitwirkenden niemals dickflüssig, sondern blieb bei so viel klanglichem Volumen immer schlank und transparent – auch in jenen Passagen, die Mozart wie ein Johann Sebastian Bach kontrapunktisch geschrieben hat.

Mozart-Konzert: Viel Applaus für Chor und Solisten

Einen samtenen Klangteppich mit vielen Feinabstufungen breitete das sehr gut harmonierende Orchester aus. Schon rein optisch darüberstehend, übernahm der Chor immer wieder die akustische Lufthoheit und erwies sich als ein überaus klangschöner, ausgewogener Partner, sicher und überzeugend in jedem Moment. Die mehrmonatige Probenarbeit hat sich auf jeden Fall ausgezahlt.

Auch das rundum überzeugende Solisten-Quartett mit der bezaubernden Anna Karmasin (Sopran) mit den häufigsten Einsätzen, der ihrer Heimat treu verbundenen Lokalmatadorin Barbara Hölzl (Mezzosopran), Michael Nowak (Tenor) und Thomas Stimmel (Bass) ließ mit seinen nobel geführten Stimmen keine Wünsche offen.

Minutenlanger Applaus und Blumen für die Solisten waren am Ende der Lohn. Leider waren beim Tölzer „Konzert des Jahres“ an diesem traumhaft schönen Herbst-Nachmittag einige Restkarten übrig geblieben. Bei einem späteren Beginn als 17 Uhr wäre das wohl nicht passiert.

Eingangs hatte Heubergers Tochter Elisabeth ihren Auftritt, die im Orchester der Bayerischen Staatsoper Violine spielt und zusammen mit ihrem Kollegen und Mentor, dem Bratschisten Markus Wolf, als Solistin Mozarts „Sinfonia concertante“ in Es-Dur spielte. Während die Große Messe Ernst und Schwere auszeichnet, versprüht dieses Werk in den Ecksätzen lebensfrohe Energie, während im Kontrast dazu der Mittelsatz eher melancholisch erscheint.

Solokonzerte garantieren ungetrübten Hörgenuss, wenn man zwei solche Könner erleben kann, die im musikalischen Dialog auf ihren Instrumenten zaubern und mit schnellen Läufen und Sprüngen, Triolen und Trillern brillieren. Gleichermaßen war ihr Spiel auch von musikalischer Tiefe geprägt. Es-Dur ist einfach die strahlende und majestätische, auch sanfte und ernste Tonart, die auch auf Beethoven hinweist. RAINER BANNIER

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