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Tote Fische angeschwemmt

Müll im Abfluss: Kläranlage schlägt Alarm

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Hygieneartikel, Speisereste und sogar tote Fische: Weil Bürger und Betriebe ihre Abfälle gerne in die Toilette oder den Gully werfen, haben die Mitarbeiter der Tölzer Kläranlage viel Arbeit und Ärger. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eigentlich hat Sebastian Scheidl nur auf den richtigen Aufhänger gewartet, um mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Und dann wurden sie angeschwemmt: Massenweise tote Fische gelangten durch einen Abwasserkanal in die Tölzer Kläranlage. Scheidl vom städtischen Tiefbauamt vermutet, dass ein Züchter die Tiere auf diese Weise unrechtmäßig entsorgt.

Die toten Fische sind nicht das einzige Problem, mit dem die Mitarbeiter der Kläranlage am Tölzer Stausee zu kämpfen haben: Feuchttücher, Windeln, Verbandsmaterial, Slipeinlagen, Tampons, Kondome oder Wattestäbchen heißen die anderen. „Es kommen täglich viele Stoffe und Abfälle an, die hier nichts zu suchen haben“, schreibt Scheidl in einer sehr deutlichen Pressemitteilung: „Die Toilette ist kein Abfalleimer.“

Gerade Hygieneartikel bereiten den Stadtmitarbeitern besonders viel Arbeit und Ärger: Sie sind sehr reißfest und lösen sich nicht im Wasser auf. So komme es zu Störungen beim Rechen und in den Pumpanlagen. „Noch schlimmer ist es, wenn diese Stoffe auch noch mit Rasierklingen, Glasscherben und Spritzen oder Kanülen durchsetzt sind“, so Scheidl. Die Mitarbeiter der Kläranlage müssen den Müll, den der Rechen nicht erwischt, händisch aus dem Abwasser fischen.

Wer Essensreste oder Wattestäbchen in die Toilette wirft, „ist vielleicht zu faul, den Müll runterzubringen“, meint Scheidl. „Man handelt gedankenlos oder aus Gewohnheit“ – und illegal: Die Entwässerungssatzung auf der Stadt-Homepage enthält in Paragraf 15 eine lange Liste verbotener Stoffe. Sie richtet sich an Privathaushalte, aber vor allem auch an Betriebe, die größere Mengen an Schmutzwasser in den Kanal einleiten. „Die haben alle Auflagen zu befolgen, aber einige halten sich nicht daran“, sagt Scheidl auf Nachfrage.

In der Satzung steht zum Beispiel, dass kein Wasser über 35 Grad eingeleitet werden darf. Der Tiefbauamt-Mitarbeiter berichtet vom aktuellen Fall eines Metzgers, der nun die Anlagen in seinem Betrieb nachbessern muss. „Der hatte immer sehr viel heißes Wasser“, sagt Scheidl. Das erhöhe die Sauerstoffzehrung und führe zu schlechten Gerüchen. „Im Normalfall stinkt ein Abwasserkanal nicht.“ Schon eher, wenn – wie im Fall der Metzgerei – Fette und Abfälle in den Kanal gelangen. Scheidl: „Kaltes Fett stinkt abscheulich.“ Und es schwimme auf und bilde mit anderen Stoffen Schichten, die teilweise einen halben Meter dick seien. „Die Kanalreiniger müssen sich dann durch dicke Brocken kämpfen.“

Ein dicker Brocken ist auch die Masse an Müll, die jeder Tölzer im Abwasser entsorgt. Laut Scheidl werden im Jahr grob 100 Tonnen an Hygieneartikeln und Co. angespült. „Das sind ungefähr vier Kilo pro Person.“ Den Bürgern müsse klar sein, dass eine Kläranlage sehr sorgfältig arbeite, aber eben auch nicht alles rausfischen kann. Gesäubert gelangt das Abwasser in die Isar.

Wegen der toten Fische hat die Stadt das Wasserwirtschaftsamt eingeschaltet. Man müsse prüfen, ob die Tiere Krankheiten in sich tragen. Von einer Anzeige werde zunächst abgesehen, sagt Scheidl, der sich an einen Fall vor vielen Jahren erinnert. Damals wurde erstaunlich viel Verbandsmaterial samt Injektionsnadeln angeschwemmt. Den Übeltäter konnte man ausfindig machen. Wer gegen die Entwässerungssatzung verstößt, dem droht eine saftige Geldbuße.

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