Info-Treffen in bad Tölz

Müllberge nach Weihnachten: Geht‘s auch plastikfrei?

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Die Feiertage sind vorbei – und übrig bleibt oft ein beträchtlicher Müllberg. Der Verein „Oberland plastikfrei“ lädt am Mittwoch, 10. Januar, zu einem Erfahrungsaustausch über dieses Thema ein.

Bad Tölz – Die Teilnehmer des „Plastikfrei-Stammtischs“ um 19 Uhr im „Kolberbräu“ wollen berichten, wie ihnen das Müll- und Plastikvermeiden über Weihnachten und Silvester gelungen ist und sich über Tipps und Tricks fürs nächste Mal unterhalten. Darüber und über die nächsten Projekte des Vereins informiert die 2. Vorsitzende Marisa Neumeister aus Lenggries im Kurier-Interview.

-Frau Neumeister, wie haben Sie es über die Feiertage geschafft, ohne dass zu viel Plastik- und andere Müll angefallen ist?

Marisa Neumeister: Zu Weihnachten ist eine Methode die Geschenk-in-Geschenk-Verpackung: Man kann zum Beispiel ein Buch in einem Pullover einwickeln und ein Schleifenband darumbinden. Andere Geschenke habe ich in Zeitungspapier eingepackt. Außerdem hat man ja meistens noch eine Sammlung an schönen Tüten, die man wiederverwenden kann.

-Normales Geschenkpapier ist aber auch immerhin „nur“ Papiermüll, oder?

Wenn es nur Papier ist, ist das auf jeden Fall besser, als wenn es beschichtet ist. Für mich persönlich stellt sich aber schon die Frage, wie sinnvoll es ist, etwas einzupacken, nur damit es nach wenigen Minuten wieder ausgepackt wird, da sind wir beim Thema Verschwendung – und fast jede Rolle Geschenkpapier wird ja wieder in Plastik eingeschweißt verkauft.

-Mit einem müllsparenden Feuerwerk zu Silvester wird es vermutlich etwas schwieriger?

Zum Selberbauen würde ich hier nicht raten, das kann dann doch etwas gefährlich werden. Ich persönlich schieße einfach nicht – nicht nur wegen des Mülls, sondern auch wegen der Feinstaubbelastung und weil das Feuerwerk für viele Tiere eine Tortur ist. Ich fände es schön, wenn Städte und Gemeinden Feuerwerke organisieren, die schön anzuschauen sind, so dass nicht jeder einzeln böllern muss. Aber auch wenn man Feuerwerkskörper kauft, kann man auf gewisse Dinge achten und vielleicht nicht gerade den Tisch mit einem Knallbonbon dekorieren, aus dem wiederum Plastikspielzeug herauskommt. Jeder sollte das tun, womit er sich wohlfühlt, und nicht das Gefühl haben, sich total einschränken zu müssen. Man kann nicht alles richtig machen.

Marisa Neumeister, 2. Vorsitzende von „Oberland plastikfrei“.

-Zu den Feiertagen gehört auch ein großer Lebensmitteleinkauf. Die Homepage www.oberland-plastikfrei.de zeigt auf einer Karte, welche Geschäfte ihre Waren in mitgebrachte Beutel oder Behälter füllen. Im Landkreis sind da aktuell acht Adressen aufgeführt.

Das ist noch ausbaufähig. Andererseits habe ich Verständnis, dass gerade Metzgereien nicht ins Fettnäpfchen treten wollen. Der Umgang mit rohem Fleisch ist aus Hygienesicht natürlich noch einmal eine andere Hausnummer, als wenn man Käse in eine mitgebrachte Dose legt. Wir arbeiten daran, dass die Liste an Geschäften noch länger wird.

-Es gibt vermutlich tatsächlich noch mehr Geschäfte, die so etwas machen.

Ja, als Kunde sollte man sich ruhig trauen und nachfragen. Vor allem, dass man Kaffee in den eigenen Becher gefüllt bekommt, ist mittlerweile eigentlich gang und gäbe.

-Welches Projekt steht als nächstes im Verein an?

Im Rahmen des Klimafrühlings Oberland planen wir mehrere Veranstaltungen, darunter einen kostenlosen Infoabend, zu dem wir Cafés, Bäckereien und Eisdielen einladen wollen. Es soll darum gehen, was Cafés an Müll einsparen könnten. Das soll nicht mit erhobenem Zeigefinger passieren, es soll alles umsetzbar sein. Zum Beispiel kann man fragen, ob im Latte Macchiato wirklich zwei Plastikstrohhalme stecken müssen. Zudem werden Vertreter der Initiative „Recup“ ihr System von Kaffee-Pfandbechern vorstellen.

-Verfolgt der Verein noch die Idee eines plastikfreien Ladens weiter?

Eine Arbeitsgruppe ist dran und hat sich gerade mit Vertretern eines bestehenden plastikfreien Ladens getroffen. Das Vorhaben erweist sich aber als aufwändiger als gedacht – gerade finanziell. Deswegen ist schwer zu sagen, wann es umsetzbar ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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