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Die Rekultivierung der ersten beiden Verfüllabschnitte am Vorberg begann 2011. Seitdem ist die Deponie stillgelegt – zumindest vorerst. 

Verwaltungsratssitzung

Müllgebühren im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steigen deutlich

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Diese Nachricht betrifft alle Haushalte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Sie müssen für die Müllgebühren künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Im Landkreis steigen die Müllgebühren um rund 8,5 Prozent. Handlungsspielraum gibt es hier eigentlich keinen. Vor allem verantwortlich für den Anstieg ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Gebührenerhöhungen „sind nie ein schönes Thema, aber es war ja schon klar, dass das heraufdämmert“, sagte Reiner Späth, Chef des landkreiseigenen Abfallwirtschaftsunternehmens (AWU) in der Verwaltungsratssitzung am Dienstag. Die Grundgebühr für Bio- und Papiertonne steigen um etwa 5 Prozent, die eigentlichen Abfallgebühren für die Restmülltonne um 8,5 Prozent. „Es ist eine relativ deutliche Gebührenanpassung“, bekannte Späth. Handlungsspielraum hat der Landkreis hier aber im Prinzip keinen. Die Kosten müssen auf die Bürger umgelegt werden. „Wir müssen kostendeckend arbeiten“, merkte Helmut Forster (Freie Wähler) an.

Verantwortlich für die Erhöhung sind verschiedene Faktoren – unter anderem die Tariferhöhungen beim Personal. Hauptschuld trage aber die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, sagte Späth. Die Erklärung, warum die das AWU so dramatisch trifft, ist ziemlich komplex. Stark vereinfacht: Bei der Gründung der Deponie muss eine Rückstellung gebildet werden. Die soll sicherstellen, dass jederzeit ein Rückbau der Anlage möglich ist – auch wenn beispielsweise der Betreiber pleite geht. Zudem muss das Geld für den gesetzlich vorgeschriebenen 40-jährigen Nachsorgezeitraum ausreichen. So lange muss der Betreiber nach Stilllegung der Deponie nämlich sicherstellen, dass keine Gefahr von der Anlage ausgeht.

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Im Greilinger Fall beläuft sich die Rückstellung auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Der muss auch immer wieder mal aufgestockt werden – unter anderem weil im Laufe der Jahre eben alles teurer wird, auch Rekultivierungen. Früher kam das AWU gut über die Runden, schließlich warfen angesparte zweistellige Millionenbeträge satte Zinsen ab. Das reichte, um die Rückstellungen immer auf dem nötigen Niveau zu halten. Seitdem die Zinsen aber praktisch bei Null sind, reicht es eben nicht mehr.

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Insgesamt beläuft sich der Jahresfehlbetrag auf 600 000 Euro, der auf die Gebührenzahler umgelegt wird. „Wenn die Zinsen wieder steigen, wird das dann auch weitergegeben?“, wollte Achim Rücker (Grüne) wissen. „Ja“, antwortete Späth. Kurzfristig sei damit aber sicher nicht zu rechnen.

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Die letzte Gebührenerhöhung gab es 2016, zwei Jahre später ging es dann wieder leicht nach unten. „Nach der aktuellen Erhöhung befinden wir uns auf dem Niveau von 1993“, sagte Landrat Josef Niedermaier. Die vom Verwaltungsrat am Dienstag einstimmig beschlossene Gebührenanpassung tritt zum 1. April in Kraft.

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