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Sechs Fraktionen von Wertstoffen werden an den Inseln getrennt. Dass danach – wie manche behaupten – alles wieder zusammengeworfen wird, um es zu verbrennen, ist laut WGV-Chef Reiner Späth einfach falsch.

Abfalltrennung im Tölzer Land

Mehr als Müll: Das passiert mit einem leeren Joghurtbecher

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Aus PET-Flaschen wird mitunter Kleidung gemacht. Aber was passiert eigentlich mit einem alten Joghurtbecher, wenn er in einer Wertstoffinsel landet? Der Tölzer Kurier hat bei WGV-Chef Reiner Späth nachgefragt, warum der Müll im Landkreis so aufwändig getrennt wird.

Die Wertstoffinsel in der Tölzer Karwendelsiedlung soll ordentlicher werden. Wie berichtet, türmt sich der Abfall über die Wochenenden auf dem Platz unansehnlich auf. Nun hat die WGV-Quarzbichl zugesichert, dass die Insel künftig morgens mit als erste im Südlandkreis geleert wird. „Wenn die Ablagerungen früh entfernt werden, kann Nachahmereffekten entgegengewirkt werden“, sagt Reiner Späth, Geschäftsleiter der WGV, dem Abfallunternehmen des Landkreises. Im Interview erklärt er, was mit den sortierten Wertstoffen passiert.

Herr Späth, warum müssen wir die Wertstoffe trennen, während Bürger anderer Landkreise sie einfach zusammen in einen gelben Sack werfen können?

Das ist eine philosophische Frage. Wie erreicht man bessere Verwertungsquoten? Der Landkreis hat sich für den Weg entschieden, bei dem man ohne aufwändige Nachsortierung verwertbare Fraktionen, also Wertstoffe erhält.

Ist es so aufwändig, die Wertstoffe maschinell zu sortieren?

Es ist sehr aufwändig. Dazu sind großtechnische Anlagen nötig. Die Nächste für uns wäre in Flughafennähe.

Wir trennen in Aluminium, Weißblech, Getränkekartons, Folien, Hohlkörper, Blister und Styropor. Warum sind das so viele verschiedene Wertstoffe?

Das sind die sieben Wertstoffe, die man getrennt verwerten kann. Bei uns kommen so 1400 Tonnen Wertstoff pro Jahr zusammen.

Sind Blister, Folie und Hohlkörper nicht eigentlich das gleiche?

Nein, das besteht alles aus vielen verschiedenen Kunststoffen. Wenn wir es auf diese Art trennen, bekommen wir verwertbare Fraktionen. Alle drei Wertstoffe zusammen kann man nicht hochwertig verwerten.

Es wird immer wieder gesagt, dass die Wertstoffe eh wieder zum Restmüll kommen, damit der gut verbrannt werden kann.

Das beruht auf einer uralten Berichterstattung, die immer noch rumgeistert. Da gab es schwarze Schafe, aber es steckt nichts dahinter. Zumal der Restmüll zu uns nach Quarzbichl kommt, die Wertstoffe aber nach Murnau. Dort kümmert sich eine seriöse Firma um die Wertstoffe, die ja ihr eigenes Geschäftsmodell kaputt machen würde, wenn sie die zum Restmüll werfen würde.

Was passiert, wenn ich daheim meine Wertstoffe einfach in den Restmüll werfe und nicht trenne?

Da passiert nichts. Es ist ja eine Sollvorschrift. Sie haben halt den Nachteil, dass Sie mehr Restmüll haben.

Und der Wertstoff ist dann verloren, oder?

Nein, das Material ist nicht völlig verloren. Metalle, Aluminium und Kunststoffe werden in der mechanisch-biologischen Restabfallbehandlungsanlage bei unserem Partner im Landkreis Weilheim-Schongau abgetrennt. Aus dem heizwertreichen Material wird ein Ersatzbrennstoff produziert. Mit diesem Ersatzbrennstoff kann man in industriellen Prozessen andere Brennstoffe wie Gas und Öl ersetzen. In der normalen Restabfallverbrennung entsteht Wärme und Energie quasi nur als Abfallprodukt.

Wenn ich alles ordentlich an der Wertstoffinsel oder am Bauhof getrennt habe. Was passiert dann mit den Wertstoffen?

Die Wertstoffe werden ganz verschieden verwertet. Aus Weißblech und Aluminium können wieder Eisenmetalle und Aluminiumprodukte hergestellt werden. Folie wird zu einem Regranulat, aus dem man etwa Recyclingfolie machen kann. Hohlkörper können zur Herstellung von dünnwandigen Spritzgussteilen wie zum Beispiel Eimern verwendet werden. Becher eignen sich als chemischer Reaktionspartner von Eisenerz in der Stahlherstellung. Getränkekartons werden getrennt in Folie, Alu und Papier. Daraus wird zum Beispiel Wellpappe sowie aluminiumhaltiges Granulat für die Zementherstellung.

Wie sauber muss der Wertstoff dafür sein?

Es sollte nur restentleert sein. Sie brauchen es nicht ausspülen. In der Kunststoffaufbereitung zum Beispiel ist ohnehin viel Wasser im Spiel.

Warum muss man bei Hohlkörpern eigentlich den Deckel abschrauben, bevor man sie einwirft?

Meistens ist er aus einem anderen Material, zum Beispiel aus Aluminium oder einem anderen Kunststoff. Den kann man dann zum Aluminium oder zu Blistern werfen. Außerdem werden die Hohlkörper für den Transport zu Ballen verpresst, was mit Deckeln erschwert wird.

Was passiert, wenn ich den Deckel drauf lasse?

Da passiert erstmal keine Katastrophe. Es ist halt schwerer zu verpressen. Den Deckel abzuschrauben ist eben eine Bitte an die, die sich damit beschäftigen wollen.

Wie viel ist Wertstoff eigentlich wert?

Der Wert dieser Stoffe reicht nicht, um die Kosten vom Sammeln und Verwerten zu decken. Deswegen zahlen Unternehmen, bei denen Verpackungsmaterial anfällt im Dualen System Lizenzgeld. Wie viel Gewinn dabei übrig bleibt, kann ich nicht sagen.

Wer verdient daran?

Im Landkreis ist es ein privates Unternehmen, das den Auftrag im Jahr 2012 erhalten hat. Wir stellen die Wertstoffinseln in den Städten und Gemeinden zur Verfügung. Dafür bekommen wir ein Entgelt, das dem Gebührenhaushalt der WGV zufließt.

Die WGV hat also nichts davon, dass die Wertstoffe im Landkreis vorsortiert werden?

Bis 2011 hatten wir den Verwertungsauftrag, da war es ein Vorteil. 2018 wird der Auftrag neu ausgeschrieben, dann müssen wir uns ansehen, ob wir daran wieder teilnehmen oder auch Änderungen am Konzept vornehmen.

Was hat der Landkreisbürger davon, wenn er seine Wertstoffe sortiert?

Es kostet weniger, wenn das Restmüllvolumen kleiner ist und es tut gut, etwas für die Umwelt zu tun. Ich bin kein Gegner vom gelben Sack. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Bei uns hat man halt keinen zusätzlichen Behälter und muss nichts im Haus lagern, weil man es wegbringen kann, wann man möchte.

Die Öffnungszeiten vom Wertstoffhof sind für Berufstätige nicht optimal und die Wertstoffinseln noch öfter zu leeren, wäre nicht schlecht...

Man wird es nie allen recht machen, und ich denke, dass sich ein Fenster finden lässt, zum Bauhof zu gehen. Die Wertstoffinseln mit zusätzlichen Mitarbeitern zu leeren, wäre sicher denkbar, aber da wir nicht beauftragtes Sammelunternehmen sind, haben wir da nicht viel mitzureden. Die Leistungen sind im Vertrag definiert, da wird sich nichts ändern.

An den Wertstoffinseln sortiert man ja nicht nur die sieben Wertstoffe. Verschieden farbige Gläser müssen auch in die richtige Öffnung geworfen werden. Wie sieht es eigentlich in diesem Container aus?

Die Container haben drei Kammern mit Trennwänden, die auch farbgetrennt entleert werden.

Warum?

Aus Mischglas könnte kein neues hochwertiges Glas hergestellt werden. Vor allem braun und weiß sind empfindlich.

Was passiert, wenn man sich mal „verwirft“?

Das sollte nicht passieren. In der Glashütte wird das zwar nochmal nachsortiert, das ist aber sehr aufwändig.

Was mache ich mit einer blauen Flasche?

Die kommt zum grünen Glas. Das ist zwar nicht ideal für die Verwertung aber beim grünen Glas in Ordnung, wenn es sich mengenmäßig in Grenzen hält.

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