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Sie sind „Rapid“ (v. li.): Ilpo Kauppinen (Ilpo Bloodbeat/Gitarre), Simon Stusak (Simon Stusax/Saxophon/Gesang), Fabian Ziegler (Fabian Benedikt/Gesang/Bass), Thorsten Schröder (Dr. Hornsten/Tenorhorn/Gesang), Felix Indra (L. Fidel/Schlagzeug/Gesang), Simon Bruckbauer (MC Megamon/Trompete), Jasper Werhahn (Prof. Asparagus/Keyboard/Percussion).

Band-Porträt

Zuhause in der Offbeat-Welt

Bad Tölz/München –  Die aufstrebende Münchner Ska-Band „Rapid“ hat Tölzer Wurzeln. Frontmann Fabian Ziegler singt in sechs verschiedenen Sprachen, komponiert in der U-Bahn und bekennt sich zur Rolle des Diktators.

Fabian Ziegler kann das nicht steuern. Plötzlich ist da eine Melodie in seinem Kopf. Sie überfällt ihn – oft, wenn er in der U-Bahn sitzt. Dann schnippt der 33-Jährige mit den Fingern, singt leise vor sich hin – und erntet fragende Blicke. Doch während der Zug durch den Tunnel rast, rasen durch Zieglers Kopf Bläser- und Bassstimmen. „Es muss schnell gehen, sonst ist die Idee weg“, sagt er. Also schnell den Laptop aufklappen, in der Aufnahmesoftware Midi-Tonspuren basteln, die Ohrenstöpsel rein: Im Münchner Untergrund steigt die Hörkontrolle für das soeben geschaffene Stück Musik. Es ist der Ska, der Ziegler antreibt. In der schnellen Offbeat-Welt mit groovendem Bass und kräftigen Trompeten fühlt er sich zu Hause.

„Offbeat-World“: So heißt das Album, das der gebürtige Tölzer mit seiner siebenköpfigen Münchner Band „Rapid“ kürzlich veröffentlicht hat. Am Samstag, 30. Januar, stellt er es im „Mäx“ vor, der Tölzer Kneipe, die viele Jahre Subraum hieß. „Das war unser Wohnzimmer. Hier haben wir angefangen, Musik zu hören“, sagt Ziegler.

Jasper Werhahn (33) ist Keyboarder und Percussionist bei Rapid. Er ist der zweite Tölzer in der Band. Ende der 90er-Jahre schlossen sich beide in ihrer Heimatstadt der Gruppe „Noisy Neighbours“ an. „Die Band ist wie ein Zombie: nicht ganz tot, nicht ganz lebendig.“ So erklärt Ziegler, dass die Alte-Freunde-Combo „Noisy Neighbours“ mittlerweile nur noch einmal im Jahr auftritt. „Rapid“, gegründet 2013, bringen es jährlich auf rund 30 Gigs in ganz Deutschland, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz.

Alte Ska-Hasen und energische Jung-Erwachsene bilden die Formation, die sich an „Gogol Bordello“, „Ska-P“ und La Brass Banda orientiert. Der gemeinsame Nenner? Die Wissenschaft, scherzt Ziegler, der in Physik promoviert hat und aktuell an der TU in München arbeitet. Die Kollegen an Schlagzeug, Gitarre, Horn oder Keyboards sind wahlweise Chemiker, Computerlinguisten oder Medieninformatiker.

Manchmal – gerade wenn es um Songtexte geht – spricht der Intellektuelle aus Ziegler, der sich für Lyrisches begeistern kann und keine einfachen Botschaften von der Bühne brüllen möchte. „Dafür ist die Welt zu komplex“, sagt er. In einem Lied blickt sein Protagonist „Kosmonaut Andreij“ aus dem All auf die Welt. „Von dort aus sieht man keine Grenzen. Andreij wird klar, dass sie etwas sehr Artifizielles sind. Trotzdem sterben Menschen, um Grenzen zu verteidigen.“ Der Song sei vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts entstanden.

In die Schublade „politische Band“ kann man Rapid, die auch mal beschwingte Gute-Laune-Songs mit Polka- oder Salsarhythmen liefern, aber nicht stecken. In der internen Band-Politik gibt Ziegler den Ton an. „Eine gewisse Diktatur“ räumt der Komponist, Sänger, Bassist und Bandmanager ein. Was Ziegler zu Hause oder in der U-Bahn austüftelt, bringt er beinahe fertig mit in den Bandraum. Viel Platz für eigene instrumentale Kreativität bleibt den Kollegen selten. Sie leben sich in ihren Metal-Projekten aus. Ziegler: „Aber jeder hat ein Veto-Recht. Wenn mein Song den anderen gar nicht taugt, spielen wir ihn auch nicht.“

Wer am meisten macht, hat auch am meisten zu sagen: So sieht der 33-Jährige das. Ziegler textet auf Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und Arabisch – „je nachdem, was sich phonetisch oder musikalisch anbietet“. Manchmal, auf der Bühne, rückt der Text auch für ihn in den Hintergrund. „Die Lieder müssen immer tanzbar sein. Wir wollen den Menschen etwas geben. Dann bekommen wir eine Gänsehaut zurück.“

Konzert

„Rapid“ spielen am kommenden Samstag, 30. Januar, im „Mäx“ in Bad Tölz. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Tobias Gmach

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