Asinella-Chefin Anahid Klotz aus Pähl mit einem Teil ihrer Esel

Leonhardifahrt

Der Heilige Leonhard und die Legende vom Esel

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Anahid Klotz ist ein großer Esel-Fan und findet, dass die Tiere an der Spitze von Leonhardifahrten laufen sollten. Denn, so sagt die Frau aus Pähl, Esel stehen dem heiligen Leonhard näher als Pferde.

  • Am Gedenktag des heiligen Leonhard gibt es in vielen bayerischen Orten Leonhardifahrten.
  • Die bekanntesten Leonhardifahrten im Oberland finden in Bad Tölz und Murnau-Froschhausen statt

Pähl/Murnau/Bad Tölz – „Der Esel war dem heiligen Leonhard näher als das Pferd“, sagt Anahid Klotz aus Pähl. Der Legende nach hatte Leonhard das Kind des Merowingerkönigs Chlodwig bei der Geburt durch sein Gebet gerettet. Statt Gold und Reichtümern wollte er vom König so viel Wald, wie er auf seinem Esel in einer Nacht umreiten konnte. „Da haben wir’s: Ein Esel war’s.“

Warum wurde Leonhard zum Schutzheiligen der Esel?

Volkskundler Rainer Wehse muss bei diesem Rückschluss schmunzeln. Die Legende sei so überliefert, ja. „Aber abgesehen davon, dass er auf einem Esel ritt, taucht das Tier nicht mehr auf.“

Im Grunde sei eine Fehlinterpretation schuld daran, dass Leonhard überhaupt zum Schutzheiligen des Viehs wurde: „Ursprünglich war er der Patron der Gefangenen“, erklärt Wehse. „Als Symbol wurden an den ihm geweihten Kirchen Ketten angebracht.“ Diese Ketten wiederum habe man später als Viehketten interpretiert. „Und beim Vieh gelten die Pferde mit als die kräftigsten.“ Dass der Heilige auf einem Esel ritt, begründet der Volkskundler mit der Tatsache, dass sich Leonhard kein Pferd leisten konnte.

Anahid Klotz möchte gar nicht an der Tradition der Leonhardifahrten rütteln, sagt sie. Auch das Argument, dass viele Rosserer die Esel fürchten, weil die Pferde ihretwegen scheuen könnten, verstehe sie. Doch die Vorurteile, die den Tieren entgegengebracht werden, „sind nicht gerechtfertigt. Da heißt es dann, Esel seien störrisch, schlecht zu führen und zu langsam“, sagt sie. „Dabei gelten die Tiere als besonnen und ruhig, sie können unglaublich zugeneigt sein. Ich finde, ein Esel gehört in den Umzug.“

Bei einigen Leonhardifahrten in der Region nehmen Esel und andere Tiere teil: In Stephanskirchen im Kreis Rosenheim verfahren sie nach dem Motto „Alles, was vier Füße hat, gehört dazu.“ Beim Leonhardiritt in Preisendorf im Kreis Erding am vergangenen Wochenende waren neben vier Eseln auch Alpakas und Ochsen dabei, als Ross und Reitern der Segen gespendet wurde.

Bei der größten Leonhardifahrt in Bad Tölz achtet man dagegen streng auf die Tradition. „Bei uns waren immer nur Pferde dabei, weil sie die Tiere sind, mit denen die Bauern gearbeitet haben“, sagt Leonhardilader Ludwig Bauer. „Bisher hat sich auch noch keiner getraut, andere Tiere anmelden zu wollen.“

Video: Mit Ziege und Esel im Zug unterwegs

Willkommen bei einer Leonhardifahrt ist ein anderer: Ministerpräsident Markus Söder. Bei der ältesten Leonhardifahrt am Mittwoch (6. November) in Kreuth (Lkr. Miesbach) wird das bayerische Landesoberhaupt als Promi-Gast willkommen sein.

Die Leonhardifahrt im oberbayerischen Pähl (Lkr. Weilheim) fand dagegen schon am vergangenen Sonntag statt und war wie immer ein großes Spektakel. Die Veranstaltung wurde in den vergangenen 30 Jahren nur einmal abgesagt.

Kathrin Brack

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