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IHK schlägt Alarm

Mut zur Selbstständigkeit sinkt

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Immer weniger Bürger wollen ihr eigener Chef werden. Fast elf Prozent weniger als im Vorjahr meldeten 2016 ein Gewerbe an. Der Negativtrend gefährdet nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg von morgen. Alteingesessene Betriebe sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der aktuell sehr starke Arbeitsmarkt im Landkreis hat nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern einen Nachteil: Das Interesse der Bürger an einer selbstständigen Tätigkeit und den damit verbundenen Risiken sinkt. 1041 Personen meldeten vergangenes Jahr in der Region ein Gewerbe an, das entspricht einem Rückgang um 10,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bayernweit sank die Zahl der Existenzgründungen bereits zum siebten Mal in Folge.

Reinhold Krämmel aus Wolfratshausen beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Denn Existenzgründer sind laut dem Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses für die Entwicklung der Wirtschaft von großer Bedeutung. „Start-Ups beflügeln Innovationen und Dynamik und sind damit unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg von morgen“, betont Krämmel. Doch auch alteingesessene Betriebe seien von diesem Negativtrend betroffen. Dann nämlich, wenn sie keine Nachfolger finden. Diese Gefahr macht sich schon jetzt in der Statistik bemerkbar: Nur 57 Betriebsübernahmen meldet die IHK für das vergangene Jahr. Hinter dieser Zahl verbirgt sich ein Minus von 17,4 Prozent im Vergleich zu 2015.

Um den potenziellen Jungunternehmern die Angst vor einer Bauchlandung zu nehmen, bietet das Tölzer Landratsamt zusammen mit der IHK, der Handwerkskammer und den Aktivsenioren regelmäßig kostenlose Beratungstermine an. „Die werden gut angenommen“, sagt Andreas Roß, Wirtschaftsförderer am Landratsamt. Das ist aus seiner Sicht auch gut so: Um Erfolg zu haben, bedürfe es einer sorgfältigen Vorbereitung. „Man muss seine Nische im Markt erkennen.“

Solche bewährten regionalen Beratungsangebote stellen nach Ansicht von Reinhold Krämmel zwar einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung junger Unternehmen dar. Sie reichten aber nicht mehr aus, um den gewünschten Unternehmernachwuchs zu gewinnen. Krämmel fordert deshalb: „Wir brauchen ein besseres Gründungsklima mit weniger Bürokratie und einfacheren Steuerregeln.“ Bereits Schülern sollte man außerdem die Chancen und Werte des Unternehmertums und dessen Bedeutung für den gesellschaftlichen Wohlstand vermitteln.

Auch Andreas Roß findet es sinnvoll, bereits junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren – gerade im Landkreis. Denn die Region sei geprägt von kleinen, meist inhabergeführten Betrieben. „Wir brauchen Nachwuchs“, betont der Experte. Der Statistik möchte Roß trotzdem nicht zu viel Bedeutung beimessen: „Viel wichtiger als die eigentlichen Zahlen ist es, ob die Gründungen am Ende erfolgreich sind.“ Dazu gibt es aber keine offiziellen Zahlen.

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