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Zwei Freunde, ein Film: Tim Wortmann (li.) mit seinem Freund und Filmemacher Lukas Sörgel. 

Premiere

Nach 150-Meter-Sturz: Film dokumentiert Tim Wortmanns Weg zurück ins Leben

Als Tim Wortmann aus dem Koma erwacht, erfährt der Sportler, dass er vermutlich nie wieder problemlos gehen kann. Aufgeben kam für den Tölzer jedoch nie in Frage, wie ein Film zeigt.

Bad Tölz – Ambitioniertes Bergsteigen ganz ohne Risiko gibt es nicht. Das musste im Juni 2018 auch der Tölzer Tim Wortmann (36) erfahren, als er einen Absturz im Karwendel nur mit sehr viel Glück überlebt hat (wir berichteten). Für ihn war dieses Unglück jedoch kein Grund, seine Leidenschaft an den Nagel zu hängen. 15 Monate später war es ihm ein Bedürfnis, die Geschichte von seinem Unfall und seinem harten Weg zurück ins Leben zu erzählen. Sein Freund Lukas Sörgel zeigte am Freitagabend im Kleinen Kursaal dazu einen Film.

Erzählt wird, wie der Trailrunner nach einer längeren Runde über mehrere Karwendelgipfel am Ende seiner Tour von der Schaufelspitze abstieg. Das ist kein Wanderberg mit markierten Steigen, sondern ein fordernder Gipfel. Der leichteste Abstieg führt über den Nordwestrücken hinab: steil, weglos und brüchig. Hier verzeiht der Berg keinen Fehler. Noch im oberen Drittel ließ sich Tim Wortmann (vermutlich nicht als Erster) dazu verleiten, diesen Gratrücken über einen einladend wirkenden Schutthang nach rechts zu verlassen, der jedoch nach unten immer steiler werdend in Felswänden abbricht.

Dort ist Tim Wortmann dann rund 150 Meter abgestürzt. Normal kann man das nicht überleben, doch er war nach diesem Sturz noch bei Bewusstsein und hatte zudem das Glück, ein Netz zu haben und selbst die Bergrettung alarmieren zu können, die ihn in die Klinik nach Innsbruck flog. Als er aus dem Koma erwacht, erfährt er, dass er vermutlich nie wieder problemlos gehen kann. „Mein Leben hat sich an diesem Tag um 180 Grad gedreht.“ Wortmann sagt das ohne Selbstmitleid und Resignation, sondern kämpferisch.

Schmerz als ständiger Begleiter

Der Film beginnt mit episch schönen Dolomiten-Bergpanoramen. Als Kontrast gibt es Eindrücke von einer seiner vielen OP’s, bei denen sein völlig zerschundener Körper wieder zusammengeflickt wird. Die unzähligen „Baustellen“, wie Wortmann sie nennt, seien noch lange nicht abgearbeitet, und „der Schmerz ist seitdem mein ständiger Begleiter“.

Am Jahrestag seines Unfalls, der 19. Juni, ist er in Begleitung von Freunden und mit Krücken in Richtung Schaufelspitze aufgestiegen – diesmal auf der richtigen Route – bis zu jener Stelle, wo er damals falsch abgebogen ist. Er wollte das nicht „verdrängen“, sondern sich dieser Situation bewusst aussetzen und daraus neuen Mut schöpfen, sagt er.

Tim Wortmann will wieder hoch hinaus

Nicht jeder wird es verstehen, dass Tim Wortmann wieder anspruchsvolle Touren gehen möchte. Er begründet es damit, dass er die moderne, in vieler Hinsicht regulierte und materiell abgesicherte Existenz als „Käfig“ erlebt und in den Bergen dieses Urbedürfnis von „Freiheit“ sucht und findet. Deshalb möchte er nach Möglichkeit der Trailrunner bleiben, der sich nicht einfach nur treiben lässt, sondern seine Touren gleichsam mit der Stoppuhr abrennt und so den Pulsschlag des Berufslebens mit in die Berge nimmt.

Der Film soll laut Wortmann in naher Zukunft online zu sehen sein.  (rbe)

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