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Scharenweise Bootsfahrer sind im Sommer auf der Isar unterwegs.

“Isar ist nur vermeintlich harmlos“

Nach Bootsfahrverbot: Landrat rechtfertigt Entscheidung

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Für Landrat Josef Niedermaier war es eine klare Abwägung: „Eine Gefahrenlage wiegt schwerer als gewerbliche Interessen.“ Mit diesen Worten verteidigte er am Dienstag in einem Pressegespräch das Bootsfahrverbot auf der Isar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Verbot war wie berichtet auf Kritik von Seiten einiger Raftingtour-Anbieter gestoßen. Das Landratsamt hatte den Erlass am Freitagabend veröffentlicht, weil der Deutsche Wetterdienst und der Hochwassernachrichtendienst vor starken Regenfällen und Hochwasser warnten. Tatsächlich aber blieb der Isarpegel niedrig – entsprechend groß war das Unverständnis, dass das Verbot übers Wochenende nicht aufgehoben wurde.

„Wir überlegen bei so etwas sehr lange und greifen nicht leichtfertig zu Sperrungen“, sagte nun Niedermaier. Tatsächlich habe es beim Unwetter dann weniger Starkregen als vielmehr Sturm gegeben. Danach aber sei „die Isar nur vermeintlich harmlos“ gewesen. „Im Landkreis hat es hunderte, wenn nicht tausende Bäume umgerissen – auch an der Isar.“ Es habe die Möglichkeit bestanden, dass Bäume im Wasser liegen und Gefahrenstellen verursachen – „auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht“. Das genau zu überprüfen, sei am Wochenende aber nicht möglich gewesen. Die verfügbaren Mitarbeiter des Landratsamt sowie die Ehrenamtlichen der Feuerwehr seien mit den Folgen des Sturms vollauf ausgelastet gewesen.

Letztlich hob das Landratsamt das Verbot vom Sylvensteinsee bis zum Tölzer Stausee am Montagabend wieder auf. Weiter nördlich dagegen hätten die Rettungsorganisationen „klipp und klar gesagt, an welchen Stellen es noch gefährlich ist“. Hier bleibe das Verbot mindestens bis zu diesem Mittwoch bestehen. Die Aufhebung der Sperrung sei mit großer Verantwortung verbunden, sagte Niedermaier. „Davon geht ein Signal mit wahnsinniger Wirkung aus“, betonte er. „Die Leute sagen dann: Jetzt geht es wieder.“

Die Rafting-Anbieter hatten sich beschwert, dass das Landratsamt nicht auf ihre Expertise zurückgriff. Dazu sagte der Landrat: „Die Meinung der Bootsfahrer zählt, ist aber nicht allein maßgebend. Wir verlassen uns auch auf die Experten vom Wasserwirtschaftsamt und den Rettungsorganisationen.“

Landratsamt reagiert schneller mit Verboten als früher

Tendenziell, so Niedermaier, schreite das Landratsamt nach den jüngsten Erfahrungen im Zweifelsfall eher zu Verboten als bislang. Beim Hochwasser Ende Juli habe man es noch mit einer „Warnung“ versucht. „Und was war? Es gab wieder einen Rettungseinsatz.“ Wie berichtet waren an einem Sonntagnachmittag vier Schlauchbootfahrer am Ickinger Wehr in eine Wasserwalze geraten. Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak sei daraufhin „die Galle übergelaufen“. Er habe sich „enttäuscht“ gezeigt, dass es kein Bootsfahrverbot gab. „Für Feuerwehr und Wasserwacht, die jedes Wochenende ausrücken und sich in Gefahr begeben, ist so etwas nicht lustig“, so der Landrat. Zudem verschlängen solche Einsätze „teils riesige Ressourcen“ inklusive Hubschraubereinsatz.

Unabhängig von der aktuellen Lage laufen im Landratsamt Überlegungen, ob das Bootfahren auf der Isar reglementiert werden sollte. Die zuständige Sachgebietsleiterin Cornelia Breiter berichtete, dass dazu in Kürze Fragebögen an diverse Interessengruppen versandt würden. Vermutlich im Herbst werde die Behörde einen Verordnungsentwurf vorlegen.

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