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Beim Brand an der Tölzer Eichenstraße wurde das Zuhause von Josef Edtmayer unbewohnbar. Seit etwa 50 Jahren lebt der Rentner dort.

Nach Brand: 78-Jähriger sucht verzweifelt Wohnung

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Eine wahre Odyssee hat Josef Edtmayer hinter sich: Der 78-Jährige verlor fast alles bei dem Brand an der Tölzer Eichenstraße - und sucht nun dringend eine Wohnung.

+++ Update 8. Juni, 11:45 Uhr: Josef Edtmayer hat sich in der Redaktion gemeldet. Er hat nun doch kurzfristig eine neue Bleibe in Bad Tölz bekommen. Ihm wurde eine Ferienwohnung angeboten, in der er bleiben kann, bis seine alte Wohnung an der Eichenstraße wieder bewohnbar ist. +++

Bad Tölz – Etwa 50 Jahre lang hat Josef Edtmayer in seiner Mietwohnung an der Tölzer Eichenstraße gelebt – zunächst mit seiner Mutter, zuletzt allein. Dann machte ihn in der Nacht zum 28. Mai ein Dachstuhlbrand plötzlich obdachlos. Vorerst fand der 78-Jährige zwar Unterschlupf bei seiner Schwester Sylvia (75) und deren Mann Max Scharf (76). Doch eine Dauerlösung ist das nicht. Alle Versuche, eine Übergangswohnung zu finden, scheiterten bislang.

Die Nacht der Katastrophe wird die Familie so schnell nicht vergessen. Es war gegen 3.30 Uhr, als ein Nachbar ein Stockwerk über Edtmayers Wohnung Brandgeruch bemerkte. Er alarmierte sofort die Feuerwehr, weckte den 78-Jährigen. Gemeinsam holten sie noch weitere Nachbarn aus dem Bett, bevor alle aus dem Haus liefen – mit nichts weiter als der Kleidung am Leib, die sie sich noch rasch übergezogen hatten.

Ein wenig später, ein paar Straßen weiter ging Josef Edtmayers Schwester Sylvia Scharf zur Toilette. „Ich habe gemerkt: Da stinkt’s nach Rauch, das gibt’s gar nicht“, schildert sie. Ihr Mann Max schaute zuerst vom Balkon hinunter in den Garten, „ob da vielleicht ein paar Lausbuben Feuer gemacht haben“. Stattdessen waren von etwas weiter her Rauch und Feuerschein zu sehen. „Ich habe gesagt: O Gott, das kommt aus der Richtung meines Bruders“, schildert Sylvia Scharf. Ihr Mann wollte schon los, um nachzusehen, was an der Eichenstraße los war, da klingelte auch schon das Bayerische Rote Kreuz an der Tür. Die Sanitäter hatten Josef Edtmayer zu seiner Schwester gebracht.

Seitdem lebt er in deren Zwei-Zimmer-Wohnung – wo die Verhältnisse für drei Personen aber recht beengt sind. Der 78-Jährige schläft auf der Couch im Wohnzimmer. „Für vier Wochen wäre das machbar, und wenn wir noch ein Zimmer hätten, wäre alles kein Problem“, sagt Max Scharf. Doch unter den gegebenen Umständen sei die Situation für alle Beteiligten schwierig.

Die Familie hatte zunächst auf Hilfe von der Stadt gehofft. „Wir dachten, dass vielleicht einer der drei Bürgermeister oder ein Stadtrat vorbeikommt – aber nichts“, stellt Max Scharf fest. Die Scharfs nahmen selbst Kontakt zu Bürgermeister Josef Janker auf. Der sei im Urlaub gewesen, habe aber freundlich reagiert, berichten sie. Bloß: Eine Wohnung für das Brandopfer hatte er auch nicht parat. Er verwies die Familie ans Rathaus. Dort bekamen sie aber nur die Auskunft, dass man Josef Edtmayer einen Platz in einem Obdachlosenheim anbieten könne, wo er Schlafraum, Bad und Küche mit anderen teilen müsste. Für den 78-Jährigen und seine Angehörigen undenkbar.

Durchaus bereit wäre Edtmayer dagegen gewesen, ein Zimmer in einer Asylbewerberunterkunft zu beziehen, etwa an der nahe gelegenen Peter-Freisl-Straße. Die Familie fragte am Landratsamt nach – das verwies an die Regierung von Oberbayern als Betreiber der Gemeinschaftunterkünfte. „Vermutlich hätten wir da einen Antrag stellen müssen, aber das hätte sicher sehr lange gedauert“, meint Sylvia Edtmayer. Und ob es überhaupt möglich wäre, dass ein Einheimischer in die Asylunterkunft einzieht, ist fraglich.

Die Scharfs fragten im Tölzer Liegenschaftsamt nach einer Wohnung. Auskunft dort: „Wir können auch nichts herzaubern.“ Alle städtischen Mietwohnungen seien belegt. Bis eine frei werde, könne es ein halbes oder ganzes Jahr dauern – und es gebe eine lange Warteliste. Nichts anderes erfuhr die Familie von örtlichen Baugenossenschaften.

Max Scharf telefonierte eine Reihe von Ferienwohnungsvermietern durch. Doch länger als für ein paar Nächte ist nirgends etwas frei. Zwei Makler hat er eingeschaltet – bislang ohne konkretes Ergebnis. „Wir leben in der Hoffnung, dass am nächsten Tag doch jemand anruft und sagt, er hätte vorübergehend etwas für meinen Bruder“, sagt Sylvia Scharf. Eines wundert die Familie aber doch: dass die Stadt für solche Fälle keinerlei Notquartier bereit hält.

Der große Wunsch wäre, dass Edtmayer für etwa ein Jahr eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 45 bis 50 Quadratmetern beziehen kann, vielleicht auch ein Einzimmerappartement, Erdgeschoss oder erster Stock, in Bad Tölz oder der näheren Umgebung. Auto fahren kann der Rentner, nur zu Fuß ist er nicht mehr so gut unterwegs.

Die Wohnungsfrage ist nach dem Schock das drängendste Problem der Familie. „Das Materielle kann man ersetzen“, sagen sie. Auch wenn es Josef Edtmayer noch verarbeiten muss, dass er sein ganzes Hab und Gut verloren hat. Außer ein paar Kleidungsstücken und den wichtigsten Dokumenten konnte aus der Wohnung nichts gerettet werden. „Wir sind in Gummistiefeln in die Wohnung, das Wasser stand am Boden, alles war durchnässt, stickig und rauchig, die Tapeten hingen von den Wänden“, beschreibt Sylvia Scharf das Bild der Verwüstung. Die Möbel sind nur noch gut für den Sperrmüll. „Und die ganzen Bücher sind weg“, ergänzt Josef Edtmayer.

Irgendwann will er in seine vertraute Wohnung in dem denkmalgeschützten Haus zurück. Doch bis das möglich ist, schätzt er, kann es noch mindestens ein Jahr dauern.

Bitte melden

Wer eine Unterkunft für Josef Edtmayer anbieten kann, wird gebeten, sich unter Telefon 0 80 41/76 79 36 in der Redaktion zu melden.

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