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Symbolbild: Unzählige Helfer unterstützen Asylbewerber beim Lernen und im Alltag. Dafür werden sie immer häufiger angefeindet.

Nach Gewalttaten

Asylhelfer werden angefeindet: „Warum hilfst du denen?“

Bad Tölz – „Gehst du wieder zu deinen neuen Freunden?“: Eine Asylhelferin aus dem Landkreis berichtet anonym von Anfeindungen wegen ihrer Arbeit. In Bad Tölz und Lenggries bleiben die Ehrenamt-Koordinatoren von gehässigen Kommentaren verschont.

Von „Hassmails“ und „Morddrohungen“ berichten Asylhelfer aus Ochsenfurt. Dort lebte der 17-jährige Flüchtling, der in einem Regionalzug Richtung Würzburg mit einer Axt wütete. Es folgten der tödliche Messerangriff in Reutlingen durch einen syrischen Flüchtling und der Bombenanschlag auf ein Musikfestival in Ansbach mit 15 Verletzten – verübt von einem Asylbewerber, der abgeschoben werden sollte. Anfeindungen gegen Helferkreise blieben nach diesen Gewalttaten nicht aus.

„Bei mir gingen keine solchen Reaktionen ein. Und mir wurde auch nichts von unseren Helfern berichtet“, sagt dagegen Annette Ehrhart, die seit Jahresbeginn die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Lenggries koordiniert. Mehr als 100 Menschen unterstützen in Lenggries Asylbewerber bei alltäglichen und bürokratischen Fragen.

Genau wie in Bad Tölz, wo Rita Knollmann den Überblick über die freiwilligen Helfer hat. „Stammtischparolen gibt es überall“, sagt die Leiterin des Mehrgenerationenhauses. „Aber Anfeindungen? Da ist bei mir gar nichts angekommen.“ Kritische Bemerkungen habe Knollmann schon gehört. „Aber das war vor Jahren, als die ersten Flüchtlinge nach Tölz kamen.“ Mittlerweile sei das überhaupt kein Thema mehr.

Auch auf die Arbeit von Waltraud Bauhof haben die Attentate bislang keine Auswirkungen. „Dietramszell ist eigentlich friedlich“, sagt die Asyl-Koordinatorin. Eigentlich, weil sie mit dem Fingerzeig auf die Flüchtlinge im Dorf manchmal Sätze höre wie: „Das sind die, die uns den Terror bringen.“ Bauhof berichtet von einem Nachbarschaftsfest, das Flüchtlinge organisiert und dem sich zwei Nachbarn verweigert hätten. „Die fühlten sich in ihrer Ruhe gestört.“ Bauhof stört, dass die Kritik anonym bleibt und den Flüchtlingen „nicht ins Gesicht gesagt wird“.

Reaktionen auf die Angriffe mit terroristischem Hintergrund nehme sie vor allem von Asylbewerbern in Dietramszell wahr. „Viele wollen jetzt klarstellen, dass sie hier in Frieden leben möchten. Und sie haben Angst, dass man sie über einen Kamm schert.“ Die Asylbewerber in der Jachenauer haben darauf mit einem Brief an die Bürger reagiert (wir berichteten). Kernbotschaft: „Wir sind keine Terroristen. Wir sind hier, weil wir Frieden suchen.“

Belastend ist die Situation seit Längerem für eine Asylhelferin aus dem Landkreis, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will – vor allem weil sie weitere Anfeindungen befürchtet. Sie erzählt von Kommentaren wie: „Gehst du wieder zu deinen neuen Freunden?“ Oder: „Warum hilfst du denen? Siehst ja, wohin das alles führt.“ Auch ehrenamtliche Kollegen müssten sich immer wieder gehässige Sprüche anhören. „Die meisten machen das hinter vorgehaltener Hand, oder sie formulieren mit Bedacht, weil sie nicht als rechtsradikal gelten wollen“, sagt die Frau, die aber auch positive Rückmeldungen zu ihrer Arbeit bekomme.

Ihr liegt es vor allem am Herzen, zu vermitteln, dass Helferkreise die Gesellschaft schützen. „Wir kümmern uns um Menschen, die gefoltert wurden und Kriege miterlebt haben.“ Wenn man diesen Menschen soziale Kontakte anbiete, könne man verhindern, „dass der eine oder andere durchdreht“.

Tobias Gmach

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