+
Eine Ruine blieb nach einem verheerenden Brand in Bichl an Weihnachten 2016 zurück.

Plötzlich vor dem Nichts

Nach der Katastrophe: Wie es Brandopfern heute geht

  • schließen

Bei einem Hausbrand an der Tölzer Eichenstraße haben am Sonntag die Bewohner vermutlich ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Der Tölzer Kurier sprach mit Menschen, die diese schlimme Lage aus eigener Erfahrung kennen, und gefragt, wie es ihnen einige Monate später geht.

Bad Tölz – Michael Knestel kennt dieses Gefühl, plötzlich vor dem Nichts zu stehen: Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2016 zerstörten die Flammen große Teile seines Bauernhofs in Bichl (wir haben berichtet). Das Wohnhaus ist durch Löschwasser und Ruß unbewohnbar geworden. Das Wichtigste in so einer Situation sei es, „sich professionelle Hilfe bei der Schadensabwicklung zu holen“, sagt Knestel. Allerdings könne das Geld der Versicherungen keine Erinnerungsstücke wie alte Fotos ersetzen. Die sind unwiderruflich zerstört. Trotzdem betont er: „Man muss positiv bleiben.“

Der vierfache Vater gibt aber zu, dass das oft leichter gesagt als getan ist – obwohl die Hilfsbereitschaft von allen Seiten groß sei. Knestels Arbeitgeber beispielsweise stellte der Familie eine Wohnung in Kochel zur Verfügung. Auch der Tölzer Kurier unterstützte die Familie finanziell im Rahmen der Aktion „Leser helfen helfen“. Knestel sagt: „Wir sind sehr dankbar.“

Trotzdem geht die Situation den Knestels „an die Substanz“, wie es der Vater ausdrückt. Allein die Pendelei zwischen Kochel und Bichl zehre an den Kräften. Denn der Lebensmittelpunkt von Eltern und Kindern ist nach wie vor Bichl. Dort hat Knestel seine Tiere, und dort lebt seine Mutter, wo die Familie ebenfalls zum Teil wohnt. „Die Situation ist insgesamt bescheiden.“

Zumal sich der Wiederaufbau des 150 Jahre alten Hofs verzögert. Erst vor Kurzem hat der Bichler Gemeinderat wie berichtet einen entsprechenden Bauantrag Knestels zwar abgesegnet. Damit wollten die Kommunalpolitiker aber letztlich nur ihre Anteilnahme zeigen. Das Tölzer Landratsamt, die zuständige Genehmigungsbehörde, hatte nämlich schon im Vorfeld mitgeteilt, dass der Antrag in dieser Form nicht genehmigungsfähig sei. Der Grund für dieses Veto ist der Stall, den der Landwirt genau so wieder aufbauen will, wie er war. Der Bau liegt allerdings genau auf der Grundstücksgrenze – und darauf zu bauen, ist heute nicht mehr erlaubt. Es fehlen die notwendigen Abstandsflächen. Zudem hat ein Nachbar den Antrag nicht unterschrieben. Dessen Haus war bei dem Großbrand ebenfalls beschädigt worden.

Eine Lösung des Problems ist laut Knestel noch nicht in Sicht. Aufgeben will er aber nicht: Andere seien krank oder verletzten sich, solche Schicksalsschläge seien viel schlimmer. „Die müssen auch mit ihrer Situation klarkommen.“

Die Familie von Paolo M. (Name von der Redaktion geändert) hat diese Herausforderung bewältigt. Die Eltern und die zwei Kinder hatten Ende September 2016 bei dem Brand an der Tölzer Salzstraße nicht nur die meisten ihrer Habseligkeiten verloren. Die Mutter erlitt auch schwere Verbrennungen an den Armen, als sie versuchte, die Flammen mit einem Eimer Wasser selbst zu löschen. Die Verletzungen waren so schlimm, dass die Frau eine Hauttransplantation brauchte. Heute geht es ihr aber wieder gut, wie sie auf Nachfrage bestätigt. Nur die Sonne muss sie in diesem Sommer komplett meiden. Auch die Kinder seien nicht traumatisiert. Inzwischen wohnt die Familie sogar wieder in ihrer alten Wohnung an der Tölzer Salzstraße. „Wir sind am 1. April eingezogen“, freut sich die Mutter. „Alles ist neu und schön.“

Zuvor lebten die Vier in einer möblierten Wohnung, die die Hausverwaltung für den Übergang organisiert hatte. Einen Großteil der Einrichtung durften sie mit in ihr frisch renoviertes Appartement nehmen, sodass es ihnen an nichts mehr fehlt. Direkt nach dem Brand waren Eltern und Kinder bei einer Verwandten in Lenggries untergekommen.

Die Familie hofft, dass die Bewohner des Hauses an der Eichenstraße ebenfalls bei Freunden oder Verwandten untergekommen sind. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jede Menge los auf der Isarbrücke
Nachtflohmarkt und Isarfest: In der Innenstadt ist jede Menge los.
Jede Menge los auf der Isarbrücke
Am Sonntag: Moderne Architektur im Landkreis zu besichtigen
Am Sonntag: Moderne Architektur im Landkreis zu besichtigen
Tölzer besuchen Freunde in Italien
Gut gerüstet nach einem Italienisch-Sprachkurs, mit Tölzer Schmankerl im Gepäck und voller Vorfreude auf ein Wiedersehen machten sich kürzlich 31 Tölzer auf den Weg nach …
Tölzer besuchen Freunde in Italien

Kommentare