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Über die Sicherheitslage im Landkreis tauschten sich die Beteiligten im kleinen Sitzungssaal des Landratsamts aus. 

Nach Mordfall Höfen

Polizei sucht Freiwillige für Sicherheitswacht

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Bad Tölz-Wolfratshausen zählt zu den sichersten Landkreisen. Dennoch sind einige Bürger – gerade nach dem Mordfall Höfen – beunruhigt. Die Polizei sucht daher Freiwillige, um Sicherheitswachten zu gründen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Statistik spricht eine klare Sprache: „Bad Tölz-Wolfratshausen ist einer der sichersten Landkreise“, sagte Polizeipräsident Robert Kopp beim Sicherheitsgespräch am Mittwoch im Landratsamt. Das sieht man an den Wohnungseinbrüchen: Deren Zahl hat sich seit dem Jahr 2014 mehr als halbiert. Aber: „Es geht immer auch um das subjektive Gefühl der Leute.“ Das sei nach dem Raubmord von Höfen, der keinesfalls ein klassischer Wohnungseinbruch gewesen sei, ein anderes. Obwohl das schreckliche Verbrechen sehr schnell aufgeklärt werden konnte, „hinterlässt so etwas Spuren“. Auch tragen immer häufiger verbreitete Falschnachrichten oder Halbwahrheiten in den Sozialen Netzwerken zu einem Gefühl der Unsicherheit bei.

„Deshalb ist es wichtig, dass die Bürger ihr Vertrauen zurückbekommen.“ Die Polizei werde weiterhin verstärkt im Bereich Wohnungseinbrüche vorgehen. Die Zahl sei auch deswegen zurückgegangen, weil die Beamten häufig Täter ertappten, bevor sie zuschlagen konnten – beispielsweise, weil sie bei Routinekontrollen entdeckten, dass sie Einbruchswerkzeug mit sich führten. Außerdem seien die Leute inzwischen sensibilisiert, dass sie in Sicherheit investieren müssen.

Die Bürger seien wichtige Sicherheitspartner. Sie sollten bei verdächtigen Beobachtungen lieber einmal zu oft als einmal zu wenig den Notruf 110 wählen. 297 Straftäter im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd konnten aufgeklärt werden, weil Bürger entscheidende Hinweise gaben.

Einwohner könnten auch auf andere Weise mithelfen: Kopp regte zum besseren Dialog zwischen Polizei und Bürgern die Installation von Sicherheitswachten im Landkreis an. „125 Mal gibt es diese schon in Bayern, hier aber nicht. Dabei wäre es gerade nach dem Vorfall von Höfen in diesem Bereich wichtig.“

Bislang habe man ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. „Der Erfolg gibt uns Recht.“ Das Prinzip: Zwei Freiwillige werden von der Polizei ausgebildet und auf Patrouille geschickt. „Es geht beispielsweise darum, in Parkanlagen sichtbar zu sein oder auch im Umfeld von Asylbewerbereinrichtungen“, so Kopp. Die Aufgabe: „Sie sind wie eine wandelnde Litfaßsäule. Sie sollen die Menschen beraten.“ Zu erkennen sind die Ehrenamtler beispielsweise an einem Schild „Sicherheitswacht“ an ihrer Kleidung. Wenn sich eine brenzlige Situation ergibt, rufen sie die Polizei dazu. „Wichtig ist: Wir werden diese Menschen sicher nicht in Gefahr bringen. Und wir schieben keine Aufgaben der Polizei auf sie ab.“

Die Sicherheitswacht hat auch keine weitreichenden Befugnisse. Sie kann lediglich die Identität einer Person feststellen. Vielmehr geht es um ein zusätzliches Instrument zur Polizei und darum, Präsenz zu zeigen. Kopp nannte das Beispiel eines Grillplatzes im Zuständigkeitsgebiet, der ständig vermüllt war. Seit dort die Sicherheitswacht nach dem Rechten sieht und sich die Personalien der Beteiligten geben lässt, sei es dort sauber.

„Wir suchen kommunikative Leute, die gut zu Fuß sind und auch bei Wind und Wetter rausgehen“, sagte Kopp. Wobei der Fokus auf den Zeiten liegen soll – Sommer und Abendstunden etwa –, zu denen viele Menschen unterwegs sind. Egal ob Frauen oder Männer, mit oder ohne Migrationshintergrund: „Unsere Kandidaten brauchen einen guten Leumund. Es sollten keine Extremisten oder Gschaftlhuber sein“, so Kopp.

Auch wenn sie im südlichen Bayern noch nicht so bekannt sind: Sicherheitswachten gibt es seit über 20 Jahren im Freistaat. Kopp: „Ich würde es begrüßen, wenn sich auch im Landkreis eine einrichten lässt.“

Beratung: Eine kostenlose, individuelle Beratung zur Einbruchsvorsorge bietet Kriminaloberkommissar Simon Bräutigam von der Kripo Weilheim unter der Telefonnummer 08 81/64 00 an.

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