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Am 10. Oktober waren eine Mutter und ihre beiden Kinder auf der Tölzer Flinthöhe unter einen Lkw geraten, der dort gerade abbog. Das Trio hatte die Bundesstraße nicht an der Fußgängerampel überquert. a

Viel Mitgefühl für alle Betroffenen

Unfall auf Tölzer Flinthöhe: So geht es für Mutter und Kinder weiter

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Ein Gutachter versucht derzeit herauszufinden, wie es zu dem schweren Unfall am 10. Oktober kommen konnte. Klar ist schon jetzt: Die Geschwister kommen in eine Pflegefamilie.

Reichersbeuern/Bad Tölz– Der schlimme Unfall, bei dem vor zwei Wochen eine Mutter (34) und ihre beiden Kinder auf der Tölzer Flinthöhe von einem Lastwagen überfahren und schwer verletzt wurden, bewegt nach wie vor viele Menschen in der Region. 

Wie berichtet, hatte die Frau, eine in Reichersbeuern lebende Asylbewerberin aus Nigeria, die Bundesstraße nicht an der Fußgängerampel überquert, sondern ein Stück weiter bergab. In diesem Moment bog dort ein Lastwagen ab.

Wie die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, klärt derzeit ein Gutachter, wie es genau zu dem Unfall kommen konnte. Er versucht, das Geschehene zu rekonstruieren. „Das kann zwei bis drei Monate dauern“, sagt Pressesprecher Stefan Sonntag vom Polizei-Präsidium in Rosenheim. Anschließend werde das Gutachten zur Staatsanwaltschaft geleitet. „Der Staatsanwalt wird entscheiden, ob eine Anklage erhoben wird oder nicht.“ Nach dem Unfall wurden auch der Lkw-Fahrer, ein 54 Jahre alter Tölzer, und dessen Beifahrer vom Kriseninterventionsdienst betreut.

Nach dem Unfall auf der Tölzer Flinthöhe: So geht es Mutter und Kindern

Die Mutter und ihre Kinder befinden sich noch immer in Krankenhäusern. Laut Landratsamt wurden die Geschwister (ein vier Jahre alter Bub und ein sechs Monate altes Mädchen, wie die Behörde nun präzisiert) mittlerweile zusammengelegt und befinden sich in einer Klinik in Schwabing. „Ihre stationäre Behandlung ist weiterhin erforderlich“, sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts.

Weil die Behörden keine weiteren Angehörigen ermitteln konnten, wurde die Vormundschaft vom Familiengericht dem Tölzer Jugendamt übertragen. Die Kinder sollen nach ihrem Krankenhausaufenthalt in einer Pflegefamilie im Landkreis untergebracht werden. Diese ist bereits gefunden. „Die Bereitschaftsmutter befindet sich täglich für mehrere Stunden bei den Kindern im Krankenhaus“, berichtet Peischer.

Rettungseinsatz auf Tölzer Flinthöhe: Lkw erfasst Mutter und zwei Kinder

Denn die Mutter der Kinder liegt noch immer im Unfallkrankenhaus in Murnau. Für sie wurde eine rechtliche Betreuerin bestellt. „Der Frau geht es nach wie vor nicht gut. Sie ist ansprechbar, aber emotional sehr mitgenommen“, sagt Franziska Horstmann. Es könnte sein, dass die 34-Jährige querschnittsgelähmt ist. „Sie hat auf jeden Fall noch einen monatelangen Genesungsweg vor sich, und man weiß nicht, wie dieser aussieht“, sagt die Berufsbetreuerin.

Es herrscht großes Mitgefühl und Hilfsbereitschaft für die Familie

Die Hilfsbereitschaft für die kleine Familie ist groß. „Wir haben schon Geldspenden entgegengenommen“, sagt Reichersbeuerns Bürgermeister Ernst Dieckmann. Unmittelbar nach dem Unfall habe man zusammen mit dem Helferkreis die Bekannte der Nigerianerin in der Asylunterkunft „Am Kranzer“ über das Geschehene informiert. „Die Frauen waren sehr aufgewühlt“, berichtet Dieckmann. Die Gemeinde trägt derzeit auch Sorge für die persönlichen Habseligkeiten der Familie und steht mit Krankenhäusern beziehungsweise Landratsamt in Kontakt. Zudem wurden Besuche bei den verletzten Kindern organisiert. „Momentan gehen wir davon aus, dass die Familie nicht mehr am Kranzer wird wohnen können“, sagt Dieckmann.

Der Unfall wirft auch die Frage auf, wie Flüchtlinge mit Verkehrsregeln in Deutschland vertraut gemacht werden beziehungsweise sich daran halten. Dieckmann zufolge habe es in der Unterkunft Filme in der jeweiligen Landessprache und immer wieder Gespräche gegeben.

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