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Unbeschwertes Festivalgefühl: Veranstalter Peter Frech hat die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Summer Village am letzten Tag noch einmal verschärft. Nach dem Anschlag in Ansbach verdoppelte er das Personal, um besonderes Augenmerk auf die Taschenkontrollen legen zu können. 

Nach Serie von Gewalttaten

Veranstalter verschärfen Kontrollen

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Würzburg, München, Reutlingen und Ansbach: Die Gewalttaten der vergangenen Tage beschäftigen auch den Landkreis. Veranstalter und Polizei wollen das Sicherheitsgefühl stärken.

Der Schock über die Tat in Würzburg war noch nicht überwunden, da folgten der Amoklauf in München, die Messerattacke in Reutlingen und schließlich der Anschlag in Ansbach. Das Entsetzen über die Gewalttaten ist groß. Wer da Großveranstaltungen mit einem mulmigen Gefühl betritt, ist sicher nicht alleine. Darüber machen sich auch die Organisatoren im Landkreis Gedanken.

Als Peter Frech am Sonntagabend von dem Anschlag in Ansbach hörte, machte er sich daran, das Sicherheitskonzept für das „Summer Village“ zu überarbeiten: doppelt so viel Sicherheitspersonal, besonderes Augenmerk auf die Eingangskontrollen, und verstärkte Zäune. Das Gelände wurde bereits vor der Eröffnung überwacht. „Es ist schwer, die Menschen in so einer Situation zu beruhigen, aber wir tun das Möglichste“, sagt Frech.

„Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben.“

Jede Veranstaltung im Landkreis wird von der zuständigen Gemeinde genehmigt. „Sie entscheidet über die Auflagen“, erklärt Toni Stowasser, Leiter des Sachgebiets „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ im Landratsamt. Dafür habe die Regierung von Oberbayern eine Checkliste erarbeitet – nach dem Unglück bei der Love Parade 2010. Je nach Größe und Vorgeschichte einer Veranstaltung geht es um Rettungswege, Sicherheitsdienst und den Einsatz des BRK.

Werden diese Vorkehrungen nun verschärft? „Die Geschehnisse kommen näher, und es kann zu jeder Zeit an jedem Ort etwas passieren“, sagt Stowasser. Man werde sich Gedanken machen müssen. Allerdings: „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben.“

Das sieht auch Alois Bauer so. Der Wackersberger Bürgermeister legte die Sicherheitsvorkehrungen für das Sommerfest des Sportvereins fest. Je nach Wetter werden 500 bis 1500 Gäste erwartet. „Wir haben einen externen Sicherheitsdienst“, sagt Peter Willibald, Vorsitzender des Sportvereins. Mit ihm will Willibald noch mal über die Gewalttaten sprechen.

An der Veranstaltung werde sich aber nichts ändern, sagt Bürgermeister Bauer. „Das Leben muss weitergehen. Wenn wir alles absagen, hat der Amokläufer genau erreicht, was er wollte.“ Ohnehin falle beim Sommerfest jeder auf, der nicht aus dem Isarwinkel ist.

Bei den Benediktbeurer Konzerten werden seit jeher Taschen durchsucht. Auf solche Kontrollen setzt auch Peter Frech auf dem „Summer Village“. „Das ist überhaupt nicht beliebt, aber wichtig für uns und für die anderen Gäste“, sagt er.

Die Auflagen für Konzerte im Maierhof müssen nicht weiter verschärft werden, sagt Franz Pölt von der Gemeinde Benediktbeuern. „Bei den Märkten müssen wir uns aber Gedanken machen.“ Während es bei Konzerten nur einen Eingang gebe, seien Märkte ein offener Raum und werden ohne Sicherheitskräfte organisiert. „Ich habe heute Morgen eine Mail an die anderen Gemeinden geschrieben, um zu hören, wie sie das handhaben.“

Nicht vom Täter auf alle Asylbewerber schließen

In der Stadt will die Polizei dafür sorgen, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung gestärkt wird. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat die Inspektionen dazu aufgerufen, weniger wichtige Aufgaben zu vernachlässigen, um mehr Präsenz zeigen zu können. „Wenn wir zu Fuß in der Fußgängerzone unterwegs sind, werden wir wohlwollend angesprochen“, sagt Josef Mayr, stellvertretender Polizei-Chef in Bad Tölz. Um mehr gesehen zu werden, habe die Inspektion seit heuer auch zwei E-Bikes zur Verfügung. Dass die Tölzer Polizei dem Aufruf des Polizeipräsidiums folgt, sei selbstverständlich. Trotzdem hofft Mayr, nicht zu dem Bereich zu gehören, der stark gefährdet ist. „Bei uns sind keine Personen bekannt, die als Täter in Frage kommen.“

In den sozialen Netzwerken wird schnell von dem einen Syrer, der den Anschlag in Ansbach verübt hat, auf alle Asylbewerber geschlossen. Das ist auch bei Familie Pfister Thema, die engen Kontakt zu syrischen Flüchtlingen in Lenggries pflegt. „Da ist Mitgefühl gegenüber den Angehörigen, aber auch Wut, weil sie wissen, welche Öffentlichkeitswirkung das hat“, sagt Stefan Pfister. Es sei wichtig, sich klar zu machen, dass es psychisch kranke Menschen sind, die so ein Verbrechen begehen.

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